Mittwoch, 29 April 2009 00:00

Gedenken am Bahnsteig: Der „Zug der Erinnerung“ fährt momentan durch Bayern

geschrieben von  Theresa Riechert

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Der Zug der Erinnerung, ein Projekt deutscher Bürgerinitiativen, will den letzten Weg Hunderttausender Kinder und Jugendlicher in die Konzentrations- und Vernichtungslager des NS-Regimes ins Gedächtnis rufen. Die Ausstellung als mobile Gedenkstätte, zeigt das Unrecht dort, wo es auch damals für die Menschen sichtbar war und an einem für uns alltäglichen Ort: an den Bahnhöfen, die damals Ort der Deportation waren. Der Zug der Erinnerung fährt noch bis zum 20. Mai verschiedene bayerische Bahnhöfe an, bis Sonntag, den 3. Mai, ist die Ausstellung im Hauptbahnhof München zu sehen.

 

Aufforderung zum Gedenken und Nachdenken

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Die Ausstellung in den Waggons des Zuges rückt nicht entsetzliche Bilder in den Vordergrund, sondern das Lachen der Kinder, die in ihrem Urvertrauen zum Leben nichts Schlimmes erwarteten. Der Zug der Erinnerung will nicht durch schreckliche Bilder betroffen machen, sondern durch Bilder, die ebenso aus dem eigenen Familienalbum stammen könnten. Und allein die Anwesenheit dieses Zuges am Bahnhof,als alltäglichen Ort, bringt einen zum Nachdenken.

Die Aufforderung zum Gedenken erschöpft sich jedoch nicht in der Ausstellung an sich: Der Zug der Erinnerung regt dazu an, sich in der eigenen Stadt und Region auf die Suche nach Lebenszeugnissen der Verschollenen zu machen - einen Ausgangspunkt bietet dazu ein Verzeichnis bekannter damaliger Wohnorte jüdischer Kinder.Die selbst gesammelten Zeugnisse finden dann im Zug der Erinnerung einen angemessenen Platz und führen somit die regionale Geschichte vor Augen. Zugleich besteht aber auch die Möglichkeit, einen Besuch der Ausstellung für den Beginn der Spurensuche zu nutzen: Der Zug der Erinnerung hält für die Recherche PC-Datenbanken und Handbibliotheken bereit. Mit Sicherheit ein empfehlenswertes Projekt für Schulklassen.

Darüber hinaus stellt der Verein Materialien zur Verfügung, wie beispielsweise das Ankündigungsformular zur Deportation, oder ein Arbeitsblatt für die Ausstellung, die das Aufgreifen im Unterricht erleichtern.

Die Ziele des Zuges der Erinnerung: Gegen Geschichtvergessen und Rechtsextremismus

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Das Ziel des Zuges ist Auschwitz-Birkenau, das damals größte deutsche Vernichtungslager, da dort auch die Reise der meisten Deportationszüge endete und hier das Ausmaß der monströsen Verbrechen Gestalt annimmt. Dort endet die Fahrt.

Das eigentliche Ziel des Zuges sind jedoch die Menschen, insbesondere die Kinder und Jugendlichen damals und heute: die Geschichten der einzelnen Opfer sollen aus der Anonymität gelöst und in das Gedenken aufgenommen werden. Das Ausmaß der damaligen Taten soll für die heutigen Kinder und Jugendlichen begreifbar und bezeugbar gemacht, Rechtsextremismus und Antisemitismus entschieden entgegentreten werden.

Es bleibt zu hoffen, dass trotz finanzieller Belastung und mangelnder Unterstützung durch die Deutsche Bahn der Zug der Erinnerung seinen Weg fortsetzen kann: um ein Gedenken und Nachdenken an dem alltäglichen Ort Bahnsteig anzuregen.

Weiterführende Informationen:

Allgemeine Informationen: http://www.zug-der-erinnerung.eu/

Fahrplan : nächste Haltestellen des Zuges der Erinnerung

Flyer des Projektes:pdf icon

Gelesen 954 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 23 Oktober 2014 15:35
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