Montag, 14 April 2008 00:00

Mini-München, die kleine Stadt in der großen

geschrieben von  Stephanie Bisch

Seit fast 30 Jahren ist die Spielstadt Mini-München das größte Sommerferienprogramm der Landeshauptstadt München. Dieses Jahr findet die 14. Spielstadt Mini-München vom 5. - 23. August statt. Sie bietet Kindern zwischen 7 und 15 Jahren, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Bildungshintergrund, Jungen sowie Mädchen, eine Fülle an Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten und ist somit ein Beispiel für gelungenes, informelles Lernen. Auch wenn in Mini-München der Ansturm besonders groß ist - an manchen Tagen kommen bis zu 2000 Kinder und Jugendliche - haben bisher alle Besucher einen Platz in der Spielstadt gefunden: Im Handwerkerhof, bei der Stadtverwaltung, im Rathaus, bei der Bank, im Bauamt, im Fernsehstudio, bei der Zeitung, beim Theater, in der Zoff-Akademie, usw. Aber wie funktioniert die Spielstadt genau und welches sind die Anliegen ihrer Erfinder?

Kultur & Spielraum e. V.

Mit den Mitteln der Phantasie die Realität zu erobern, eigene Fähigkeiten zu trainieren, zwanglos Neues zu erproben, dabei neue Lösungsstrategien zu finden und Kreativität freizusetzen, das sind die Hauptanliegen, welche die Gruppe von Sozial- und Kulturpädagogen, Künstlern und Lehrern seit über 30 Jahren antreiben. Als selbständiger Maßnahmeträger des Jugendamtes der Landeshauptstadt München plant und organisiert Kultur & Spielraum e. V. verschiedenste Kulturprojekte für Kinder und Jugendliche. Zu den vielfältigen Arbeitsbereichen gehören u. a. Themen wie Kinder und Politik, Stadtspiele und Spielstädte, Kinder- und Jugendkulturwerkstätten, Theaterpädagogik, interkulturelles Lernen und vieles mehr.

Kinder sind die Akteure und Macher in der Spielstadt

Mini-München ist eine Stadt der Kinder, in der es zum Teil wie in einer richtigen Stadt zugeht. Sie wird von Kindern und Jugendlichen unter Mitwirkung von Erwachsenen betrieben und verwaltet. Grundsätzlich können die Kinder kommen und gehen, wann sie wollen. Beim ersten Besuch erhalten sie im Einwohnermeldeamt ihren persönlichen Stadtausweis mit vielen Informationen und den Spielregeln. Beim Arbeitsamt werden über 700 Jobs, an der Hochschule bis zu 500 Studienplätze angeboten. Wer arbeitet oder studiert, kann "MiMüs" verdienen und damit im Gasthaus essen, ins Kino und Theater gehen, im Supermarkt einkaufen, sich ein Grundstück pachten oder sein Geld auf ein Sparbuch einzahlen.


Spielregeln:

Der Start: Neue Mitspieler zwischen 7 und 15 Jahren bekommen im Eingangsbereich von Mini-München ihren Mitspielausweis. Damit ist man Bürgerin oder Bürger von Mini-München, kann arbeiten, studieren und später einmal Vollbürger werden.

Arbeiten und Geld verdienen: Die Arbeitsplätze werden im Arbeitsamt von Mini-München und zeitweise direkt in den Betrieben vergeben. Wer eine Arbeitskarte erhalten hat, geht zur angegebenen Einrichtung und nimmt seine Beschäftigung auf. Nach Beendigung der Arbeit erhält man einen Lohnzettel, den man in der Bank gegen MIMÜS, die Währung von Mini-München, einlösen kann. Für 1 Stunde Arbeit gibt es 5 MiMüs, davon wird 1 MiMü als Stadtsteuer einbehalten.

Studieren und lehren: An der Hochschule kann man studieren oder selber Vorlesungen halten. Das Studium wird wie Arbeit bezahlt: Die Hochschule bietet Vorlesungen und Kurse an und sucht laufend Professorinnen und Professoren, die eine Vorlesung oder einen Workshop durchführen wollen. Hierzu sind auch alle erwachsenen Besucher der Spielstadt eingeladen.

Vollbürgerschaft: Wer vier Stunden Arbeit, vier Stunden Studium in seinen Stadtausweis eingetragen und eine Reihe weiterer Anforderungen erfüllt hat, kann eine Vollbürgerschaft beantragen. Nach bestandener Prüfung erhält man im Bürgerbüro seinen Vollbürgerausweis und wird in das dicke Stadtbuch eingetragen. Vollbürger können wählen und gewählt werden, ein Geschäft eröffnen, Grundstücke kaufen, etc. Die Vollbürgerschaft ist also die Voraussetzung dafür, um die Geschicke der Spielstadt aktiv mitbestimmen zu können.

Wahlen und Stadtpolitik: Wahlen finden in jeder Spielstadtwoche statt. Gewählt werden die/der OberbürgermeisterIn und der Stadtrat. Die Bürgerversammlung ist das Gremium, das Gesetze und neue Regeln von Mini-München beschließt und auch wieder ändern kann. Sie wird vom Rathaus einberufen und vorbereitet. Eine Bürgerversammlung kann auch von den Bürgern einberufen werden, wenn dafür mindestens 50 Unterschriften gesammelt wurden.

Nachahmer in vielen Städten

Die Spielstadtidee hat inzwischen Nachahmer in vielen Städten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Dänemark gefunden. Und das ist gut so, denn Mini-München hat das, was einen spannenden und attraktiven Lernort auszeichnet: Einen Ort, an dem Lernen sich in spielerischer Weise, selbstbestimmt und von individuellen Interessen geleitet, vollzieht. Wenn Sie mehr über das Projekt wissen wollen klicken Sie hier.

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