Donnerstag, 03 Juli 2008 00:00

"Findet Demo" - Kinder (er)leben Demokratie

geschrieben von  Magdalena Blon

Findet Demo - So heißt ein Modellprojekt das Demokratieentwicklung fördern will. Das besondere daran ist, dass die Zielgruppe Kinder im Grundschulalter sind. Zwei Teilprojekte bieten Grund- und Gesamtschulen in Kahla und Weimar die Gelegenheit, auf dem Weg zu einer demokratischen Schule begleitet zu werden. Das Projekt läuft seit 2005 in Zusammenarbeit mit der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbewegungsstätte Weimar (EJBW) und Diskurs e.V.. Es wird gefördert von Civitas bzw. von Aktion Mensch.


„Demokratie ist nicht nur eine Regierungsform, sondern vor allem eine spezifische Form des Zusammenlebens." (John Dewey)

Demokratische Grundhaltung fördern:

Im Zentrum steht die These, dass Demokratie nicht nur eine Staatsform, sondern auch eine Lebensform des ganz gewöhnlichen Alltags sein muss. Mit dieser Leitidee „ Demokratie als Lebensform“ setzt „Findet Demo“ weniger über die reine Wissensvermittlung an, sondern arbeitet mit einem „erfahrungsorientierten Konzept der Demokratieentwicklung“. Demokratie wird dabei handlungsorientiert – in der Sprache der Kinder: spielerisch erfahrbar gemacht und als Grundhaltung, Lebensform und Konfliktlösungskonzept verstanden. Besonders in Grundschulen spielt die primär prägende Wirkung der Erwachsenen auf die Kinder und damit die unmittelbare Vorbildwirkung eine entscheidende Rolle. Daher sollen ganz bewusst alle, die am Lebens- und Lernraum Grundschule beteiligt sind, wie z.B. Lehrer/innen, Erzieher/innen, Eltern, Schüler/innen, in das Projekt eingebunden werden. Damit wird beabsichtigt, eine demokratische Grundhaltung zu fördern und nicht nur Veränderungen bei den beteiligten Personen, sondern ebenso in den beteiligten Institutionen zu bewirken. Ausgangspunkt für das Projekt ist ein komplexes Demokratieverständnis und ein ganzheitlicher Ansatz.

Die Ziele

Das Konzept basiert auf zwei Säulen. Neben der Förderung demokratischer Kompetenzen bei Grundschulkindern wird gleichzeitig die Entwicklung einer demokratischen Schulkultur angestrebt. So sollen Kinder beispielsweise Konfliktfähigkeit, Toleranz, Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, politische Urteilsfähigkeit und Partizipationsfähigkeit entfalten. Eingebettet wird dieser Kompetenzerwerb in die Entwicklung einer demokratischen Schulkultur, die bestimmt ist durch Transparenz und Offenheit, Mitbestimmung und Mitgestaltung, Fairness, Einbindung des gesellschaftlichen Umfelds und die Demokratie auch als Lebensform versteht. Das Projekt unterstützt die teilnehmenden Schulen dabei, diesen Prozess zu initiieren und zu etablieren. Umgesetzt werden sollen diese Ziele durch die Verknüpfung unterschiedlicher Demokratieerziehungsprogramme.



Methoden und Ansätze

Als methodische Grundlage werden erprobte Demokratieentwicklungsprogramme wie Betzavta, Achtung (+) Toleranz und Eine Welt der Vielfalt herangezogen. Diese Methoden werden für Kinder adaptiert, damit sie schon frühzeitig die Möglichkeit haben Kompetenzen für eine demokratische Gestaltung des Alltags zu entwickeln.

Ein kindgerechter Zugang zur Thematik wird durch die Rahmenhandlung hergestellt. Hauptakteur ist „Demo“ ein kleiner Hund, den Kinder mögen. „Kratien“ ist ein fiktives Land, in dem ein freundliches Miteinander aller Menschen möglich ist. „Demo“ der kleine Hund, begibt sich auf die Suche nach „Kratien“, um gemeinsam mit den Kindern nach Möglichkeiten zu suchen, wie man mit Streit und unterschiedlichen Meinungen umgehen kann ohne sich gegenseitig zu verletzen. Die Kinder suchen begeistert mit Demo nach Lösungen und lernen dabei ein demokratisches Miteinander.

Parallel dazu werden neue Formen schulinterner Entscheidungsprozesse, die das Miteinander betreffen im Schulalltag etabliert. In sogenannten „Aushandlungsrunden“ arbeiten Vertreter der Kinder, der Eltern und der Pädagog/innen gemeinsam. So wurde beispielsweise in den Schulen, die am Projekt teilgenommen haben unter Beteiligung aller die Hausordnung und ein Leitbild entwickelt.

Politische Bildung mit Kindern: Geht das?

Um diese Frage zu beantworten, überprüft das Projekt, ob die Programme zur Demokratieförderung – „Betzavta“, „Achtung (+) Toleranz“, „Eine Welt der Vielfalt“ erfolgreich auf die Arbeit mit Grundschulkindern übertragbar sind und welche Effekte damit erzielt werden können. Zugleich soll ausgelotet werden, inwieweit Demokratie-Lernen nicht nur Lernstoff des Schulunterrichts ist, sondern ob es in den Gesamtlebensraum Schule – mit all seinen Akteuren und Verantwortlichen - übertragen werden kann.


Erfahrungswerte sprechen dafür, dass die Herangehensweise spielorientiert, unmittelbar und komplexreduziert sein muss. Es gilt, Kinder ernst zu nehmen, sie als eigene Persönlichkeiten zu akzeptieren und von ihnen lernen zu wollen. Gleichzeitig ist die Arbeit geprägt durch das permanente Ausloten, wo die Grenze zwischen Überforderung und Unterforderung liegt. Sie ist begleitet von der Frage: Was können Kinder schon und was noch nicht?

Erfahrungen aus dem Projekt zeigen auch, dass eine erfolgreiche Arbeit mit den Kindern auch die permanente Weiterbildung und Begleitung der Pädagog/innen der Schulen umfassen muss. Die Schulkultur wird maßgebend von den Lehrenden einer Schule geprägt, sie sind für die Umsetzung verantwortlich. Im Projekt ist es gelungen, regelmäßige Weiterbildungen für das gesamte Pädagog/innenteam durchzuführen. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und außerschulischem Bildungsträger kann als eine Beziehung auf „gleicher Augenhöhe“ charakterisiert werden.

Das Projekt

Seit 2005 läuft das Projekt als Kooperation der beiden außerschulischen Bildungsträger

  • Diskurs e.V. einem Verein für politische Jugend- und Erwachsenenbildung in Thüringen und Sachsen mit Sitz in Jena und der
  • EJBW einer Bildungsstätte für politische, kulturelle und internationale Bildungsarbeit mit Teilnehmenden aus ganz Europa mit Sitz Weimar.

Die Zusammenarbeit lief mit zwei ganz unterschiedlich arbeitenden Schulen. Die Suche nach Schulen gestaltete sich anfangs schwierig und eine anfängliche leichte Skepsis konnte durch die konkrete Arbeit mit den Kindern überwunden werden.

Mitgearbeitet hat die „Friedensschule“ in Kahla eine „normale“ vierjährige Grundschule mit ca. 140 SchülerInnen und 15 PädagogInnen und die „Wielandschule“ in Weimar mit 300 Schülerinnen und ca. 30 Lehrkräften. Dort wird mit dem Jenaplan-Konzept gearbeitet, nach dem die Kinder häufig in altersübergreifenden Gruppen zusammenarbeiten. Aufgrund dieser Voraussetzungen mussten unterschiedliche Gestaltungs- und Lernansätzen angewendet werden. Gleichzeitig können dadurch wertvolle Erfahrungen für die Implementierung demokratischer Schulstrukturen gewonnen werden.

Das Projekt läuft bis Mitte 2008, danach gilt es, die Ergebnisse zu sichern und zu prüfen, wie nach Beendigung der Modellphase die Inhalte weiterhin in anderen Schulen vermittelt werden können.

Fachtagung

Ein großer Erfolg war die Fachtagung mit dem Thema "Können Kinder mitbestimmen?" mit Fachleuten aus der außerschulischen und schulischen Praxis im April 2008.

Mehr über „Findet Demo“ gibt´s unter www.findetdemo.de

Kontakt:
Konstanze Ilmer

Projektbüro Findet Demo
Reithaus im Park an der Ilm
Platz der Demokratie 5
99423 Weimar
buero@findetdemo.de

Weitere Links:

Diskurs e.V: www.diskurs.org
Europäische Jugendbildungs- und Begegnungstätte Weimar (EBJW): www.ejbweimar.de
Betzavta, Achtung (+) Toleranz, Eine Welt der Vielfalt: www.betzavta.de

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