Donnerstag, 04 September 2008 16:20

Jugendliche interessieren sich für nichts?

geschrieben von  Miriam Apffelstaedt

Jugendliche sind faul, interessieren sich nicht für Politik und Engagement ist für sie ein Fremdwort! Wirklich? - Nein. Die Jugendzeitschrift Spiesser stellt 100 engagierte Jugendliche vor, die von ihrem Engagement erzählen.
Einer davon ist Paul Gallep, 15 Jahre alt und aus Augsburg. Paul arbeitet im tip-Team des Stadtjugendrings Augsburg. Wir haben mit ihm über seine Motivation sich zu engagieren gesprochen und darüber, wie gute Projekte für Jugendliche gestaltet werden sollten.

Wie bist du dazu gekommen dich zu engagieren?

Angefangen hat mein Interesse damit, dass ich vor zwei Jahren ein Projektmanagementseminar beim tip-Team besucht habe. Mich hat es einfach so interessiert, auch weil dort Themen behandelt wurden, die man mal gebrauchen kann. Rhetorik zum Beispiel, für Referate in der Schule. Dort habe ich auch Annette Kappes kennengelernt, die für change in arbeitet. Bei dem Projekt engagieren sich Jugendliche der achten und neunten Klassen aller Schultypen zweimal im Jahr freiwillig in den unterschiedlichsten Einsatzstellen. Ich war bei change in in einer Kinderkrippe und habe gemerkt, dass ich damit wirklich jemanden helfen kann und bin dann beim tip-Team geblieben.
Ich finde es toll eigene Ideen einzubringen. Das motiviert mich auch total. Es ist super sich selbst beteiligen zu können. Ich bin da aber irgendwie rein gewachsen. Das war jetzt nicht so: „So, jetzt engagiere ich mich mal."

Schon mal bei einem besonders tollen Projekt mitgemacht?

Diesen Mai war ich beim Kindergipfel der Naturfreundejugend Deutschlands. Das Motto war „Kaufen wir uns die nächste Erde"? Die Ergebnisse, die dort von uns in Workshops erarbeitet wurden, haben wir dann auf der UN-Naturschutzkonferenz vorgestellt. Ich war fasziniert, wie sich dort Kinder und Jugendliche ausgetauscht haben. Außerdem war ich im Kinderrat, der den Kindergipfel mitorganisiert hat, auch das war interessant. Es gab da dann viele Sachen, die mich beeindruckt haben: Sigmar Gabriel, der Schirmherr des Kindergipfels ist, zu treffen war toll. Der WDR hat außerdem in den Kindernachrichten neuneinhalb einen Bericht über unsere Arbeit im Kinderrat gedreht, auch das fand ich spannend.
Und das größte Highlight war dann, auf der UN-Umweltkonferenz vor 5000 Delegierten unsere Forderungen vorzutragen. Das alles bestätigt mich einfach weiterzumachen.

Wenn ich jetzt „politische Bildung" sage, woran denkst du zuerst?

An Schule. Aber ich denke, dass machen die meisten Schüler. Ich denke aber auch, dass es ganz viele Möglichkeiten für politische Bildung gibt. Oft fehlt einfach die Bindung der Jugendlichen zum Thema.

Was muss denn dann ein gutes Projekt für dich haben?

Also ganz generell funktioniert politische Bildung und soziales Engagement ganz sicher nicht, wenn ein Lehrer vorne steht und referiert. Jugendliche haben ja eigene Interessen, die müssen dann auch angesprochen werden. Ein Rap-Projekt oder so was, da wird schon auch einiges gemacht. Ich glaube, dass Jugendliche schon Interesse an Politik und sozialem Engagement haben. Aber dann müssen auch Themen angesprochen werden, die Jugendliche betreffen. Zukunftsängste zum Beispiel. Gerade im Hinblick auf Umweltthemen.
Interesse zu wecken funktioniert, wenn die Sache Spaß macht und man sich gerne in der Gruppe einbringt. Überhaupt braucht man vor allem die Chance und die Möglichkeit sich selbst und seine Themen einzubringen. Was oft vergessen wird: Sich außerhalb der Schule zu engagieren braucht auch Zeit. Mit dem G 8 geht das in Zukunft nicht mehr so einfach. Ich finde das schade, dann gibt es nicht mehr die Möglichkeit auch außerhalb der Schule neue Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln.

Paul Gallep, wir danken Dir für das Interview.

 

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