Tagungen leben davon, dass Leute miteinander ins Gespräch kommen und man Projekte oder Angebote zum Thema kennenlernt, um gemeinsam neue Projekte oder Kooperationen zu vereinbaren und sich gegenseitig zu inspirieren. Genau aus diesem Grund finden auf Tagungen häufig Projektmärkte statt.
Wir möchten Ihnen an dieser Stelle eine Variante des Projektmarkts vorstellen, die beim Netzwerkforum 2009 erstmals zum Einsatz kam und es allen Teilnehmern ermöglicht, von jedem Projekt einen kurzen Eindruck zu erhalten: Das „Projekte-Speed-Dating".
Eine Tagung machen nicht nur die besprochenen Inhalte aus, sondern ebenso bedeutsam sind die entstehenden Kontakte und Gespräche sowie die Methoden, die dies unter anderem ermöglichen. Um auch diese Elemente des diesjährigen Netzwerkforums „politische Bildung reloaded" festzuhalten und zugleich die Arbeitsweise und das Selbstverständnis des Netzwerks Politische Bildung Bayern zu veranschaulichen, wurde dieser kurze Tagungsfilm erstellt. Dabei war die Zielsetzung gerade nicht eine inhaltliche Dokumentation, wie sie sich bereits in der Rubrik „Forum 2009" findet, sondern durch kurze Statements und Sequenzen aus verschiedenen (Gesprächs-)Situationen soll das Ambiente sowie die Impressionen der Teilnehmer/-innen festgehalten werden.
Am zweiten Tag des 2.
Netzwerksforums in der Evangelischen Akademie Tutzing , hatten die Teilnehmer
die Möglichkeit eigene Themen und Interessen einzubringen. Dabei kam die Großgruppenmethode
Open Space
zum Einsatz, die
auf die Fähigkeit zur Selbstorganisation und die Bereitschaft zur
Verantwortungsübernahme vertraut.
Insgesamt 11 Gruppen kamen
während des Open Space zustande, die sich angeregt mit folgenden Themen
auseinandersetzten:
Den Abschluss des 2. Netzwerkforums
bildete Prof. Dr. Anne Sliwka von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Sie kontrastierte die Themen und Projekte in Bayern mit Erfahrungen von „citizenship education" im internationalen Bereich. So wird etwa in England seit längerer Zeit ein „whole school approach" umgesetzt, der politische Bildung nicht nur als ein thematisches Fach begreift, sondern Engagement von Schülern, Lehrern und Eltern sowie die Reform von Schulstrukturen umfasst. Sliwka stellte neuere Projekte aus Deutschland vor, die politische Bildung auch als verantwortliches Handeln im gesellschaftlichen Raum verstehen. So werden Verständigung und Verantwortung zur Bürgerbildung die zwei entscheidenden Säulen.
Mit welchen Zielgruppen hat politische Bildung zu
tun? Welche erreicht sie, welche werden vernachlässigt? Hierzu stellte Markus
Etscheid
vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) am Abend des ersten Forumstages die neue von
MISEREOR und SINUS Sociovision erstellte „Milieustudie U27"
vor. Der
Milieuansatz eignet sich dafür, jenseits demographischer Daten die
unterschiedlichen Grundorientierungen und Wertesysteme junger Menschen in
Deutschland zu skizzieren und damit besser zu verstehen, auf welche
Lebenswirklichkeiten politische Bildung stößt. Herr Etscheid zeigte in seiner
multimedialen Präsentation eindrücklich die Unterschiede von sieben Milieus
hinsichtlich ihrer Präferenzen für Kleidung, Musik, Umgang mit Medien,
Vorstellungen von Sinn und Visionen für das eigene Leben.
Zu Beginn des zweiten Forumstages berichtete Dr. Fritz Reheis von der Universität Bamberg über das Projekt „Ökologie der Zeit" der Evangelischen Akademie Tutzing. Er betonte die Notwendigkeit unterschiedlicher Rhythmen und Eigenzeiten für politische Bildungsprozesse und skizzierte einen ganzheitlichen Ansatz, der die Körperlichkeit und Sinnlichkeit von lernen genauso umfasst wie Kognition. Dieser Ansatz bricht die Vorstellung von Herstellbarkeit und Machbarkeit von Bildung auf und führt damit nicht zuletzt zu einer Entschleunigung des Lernens.
Einen Aufsatz von Dr. Reheis zum Thema können Sie sich jetzt als PDF-Dokument heurnterladen.
Wie im letzten Jahr
wurde auch für das Forum im Tutzing durch eine Online-Umfrage ein Feedback der
Teilnehmenden erhoben und der Bekanntheitsgrad des Netzwerks sowie die Nutzung
der virtuellen Vernetzungsplattform abgefragt. An der Umfrage haben sich 51
Teilnehmerinnen Teilnehmer beteiligt.
„Das Lustvolle einer Vernissage mit dem inhaltlichen Reichtum vieler Präsentationen verbinden" - so begründete Tagungsmoderator Dr. Christian Boeser von der Universität Augsburg die Konzeption der „Präsentissage", auf der sich im Rahmen des Netzwerkforums 2009 20 Projekte aus der politischen Bildung vorstellten.
Den Ausstellungsführer zur Präsentissage, in dem Sie eine Beschreibung alle Projekte finden, können Sie sich nun als PDF-Dokument herunterladen.
Mit über 80 Teilnehmerinnen
und Teilnehmern hat unter dem Motto Politische
Bildung Reloaded das 2. Netzwerkforum des Projekts Netzwerk Politische
Bildung Bayern in der Evangelischen Akademie Tutzing stattgefunden.
Die Tagung vom 31. März bis 1. April 2009 bot die
Gelegenheit, neue Projekte, Schwerpunkte und methodische Ansätze kennen zu
lernen und zu diskutieren. Neue Akteure politischer Bildung, Personen wie
Institutionen kamen in Kontakt mit denjenigen, die politische Bildung schon
länger betreiben.
„Die zeitliche Dimension von politischer Bildung wird in der wissenschaftlichen Diskussion vernachlässigt", meint Dr. Fritz Reheis. Dies zu
ändern ist das Anliegen vom Autor des Buches Die Kreativität der Langsamkeit.
Mit einem Vortrag auf dem 2. Netzwerkforum "Politische
Bildung reloaded" , wird Fritz Reheis das Potenzial der Ökologie der Zeit
für die politische Bildung darstellen und will eine Auseinandersetzung
mit der Dimension Zeit in der politischen Bildung anstoßen.
Das Projekt "Politische-Bildung-Bayern" ist ein Kooperationsprojekt von:
Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen des Programms XENOS -- Vielfalt und Integration mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds