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Das Jugendgästehaus Dachau hat zusammen mit
anderen Gedenkstätten, dem Fritz-Bauer-Institut und der Akademie Führung &
Kompetenz am CAP München ein modellhaftes Kooperationsprojekt zum Thema
"Aus der Geschichte lernen?" begonnen. Die Dokumentation der ersten
Projektphase kann als PDF hier herunter geladen werden. Sie enthält
Projektbeschreibung und -verlauf, Spezifika zu Gedenkstättenpädagogik, Demokratie-Lernen
sowie deren Verbindung und Abgrenzung, zusammenfassende Thesen und
Empfehlungen, sowie Ergebnisse der begleitenden Evaluation.
Hintergrund des Projektes
In
Gedenkstätten war bis 1990 ein „Lernen aus der Geschichte“ des
Nationalsozialismus gleichbedeutend mit antifaschistischer Erziehung. Seit den
1990er Jahren lässt sich eine Verschiebung hin zu einer weiter greifenden Perspektive feststellen, die das historische
Lernen über den Nationalsozialismus in einen engen Zusammenhang mit einer
positiven Haltung gegenüber Demokratie und Menschenrechten stellt. Der
Anspruch, dass Gedenkstätten auch mehr als sechzig Jahre nach der Befreiung der
Konzentrationslager nicht lediglich historisches Wissen vermitteln sollen,
sondern politische und moralische Haltungen positiv beeinflussen können, prägt
sowohl das Außenbild als auch das Selbstverständnis der Einrichtungen. Die
gemeinsame Auseinandersetzung um Bedeutung und Konsequenzen des historischen
Geschehens soll dabei der Herausbildung demokratischer Grundhaltungen dienlich
sein.
Wie aber konkret zu Demokratie gebildet werden kann, stellt eine bislang nur
unzureichend gelöste Herausforderung für die pädagogischen Mitarbeiter/innen
der Gedenkstätten dar, die mit dem Projekt intensiv beleuchtet werden sollte.
Eine gängige Praxis des Demokratielernens ist bislang,
Aktualisierungspotenziale in tagespolitischen Ereignissen zu suchen, die zur
Geschichte des Nationalsozialismus in Bezug gesetzt werden.
Eine weitere Praxis verzeitlicht das Problem, indem auf die abschreckende
Wirkung der Geschichtserzählungen und die Nachhaltigkeit eines
Gedenkstättenbesuchs gesetzt wird. Eine dritte versucht, die
Gedenkstättenpädagogik durch Arbeitsweisen aus dem Bereich der Demokratie- und
Menschenrechtsbildung zu ergänzen.
Dieser letztgenannte Ansatz bestimmte zunächst auch die Ausgangsidee des
Projekts. In einem Zeitraum von acht Monaten sollten in einer Projektgruppe aus
Vertreter/innen der Gedenkstättenpädagogik und des Demokratielernens
Seminarkonzepte entwickelt, erprobt und ausgewertet werden, in denen einzelne
Elemente des Demokratielernens hinzugefügt werden sollten. Zu Beginn ging es
daher insbesondere darum, Methoden und Übungen aus einigen
Demokratielernen-Programmen zu identifizieren und auf ihre Eignung für die
pädagogische Arbeit in Gedenkstätten zu überprüfen. Das Projekt wurde durch die Klärung pädagogischer
Ansätze in Bezug auf ihre Überschneidungen, Grenzen, Umsetzbarkeit, und nicht
zuletzt durch die diskutierten Übungen innerhalb des Projekts, in der
Ursprungsidee verändert.
Die Frage lautete nach Projektabschluss nicht mehr, wie die bisher am
historischen Ort praktizierte Gedenkstättenpädagogik durch Ansätze des
Demokratielernens additiv ergänzt werden kann. Vielmehr bieten die Ergebnisse
erste Lösungsansätze, in welcher Art und Weise Demokratielernen in Form von Seminaren
in den und bei den Gedenkstätten realisiert werden kann. Da
Demokratie von den Projektpartnern nicht als feststehende Gesellschaftsform
oder politische Selbstverständlichkeit, sondern als offener Prozess und immer
auch als bedrohte Errungenschaft verstanden wird, muss sie auf
unterschiedlichsten Ebenen immer wieder erarbeitet werden.
Die Ansätze des Demokratielernens stellen ergebnisoffene Prozesse in den
Mittelpunkt ihrer pädagogischen Arbeit, ohne dabei wertfrei zu sein. Die
Vermittlung der Werte und Haltungen erfolgt nicht durch deren Deklamation,
sondern durch die Art und Weise des pädagogischen Prozesses, der auch in
Gedenkstätten stärker berücksichtigt werden kann und soll. Demokratielernen in
Gedenkstätten meint so vor allem die Integration demokratischer Umgangsformen
und Haltungen in die pädagogische Arbeit, die weniger auf einer Inhalts-, als auf einer Prozess- und Beziehungsebene
angesiedelt und erfahrbar sind.
Ziele
Ziel des Projektes war es, Konzepte für ein- und mehrtägige Seminare für
Jugendliche zu entwickeln, die einen Gedenkstättenbesuch beinhalten. Der Inhalt
dieser Seminare sollte dabei deutlich über die Kenntnisvermittlung zum
historischen Ort und den Geschehnissen hinausgehen. Um diese Fragestellung
produktiv bearbeiten zu können, haben Fachkräfte aus den beteiligten
Bildungsbereichen - der historisch-politischen Bildung und der
Demokratiebildung - zusammengearbeitet und nach einem grundsätzlichen
Verständigungsprozess konkrete Vorschläge für eine methodische Umsetzung formuliert,
Testseminare durchgeführt und evaluiert. Zusätzlich wurden Fortbildungen für
Mitarbeiter/-innen von Gedenkstätten konzipiert, die vor allem darauf abzielten,
die „Grundhaltung“ vom Demokratielernen (beispielhaft Prozessorientierung,
Abkehr von Richtig/Falsch-Unterscheidungen und Wertschätzung von
Perspektivenvielfalt) stärker in Gedenkstättenpädagogik zu verankern.
Weitere Informationen
Die Kooperationspartner waren: Fritz-Bauer-Institut Frankfurt a.M.,
Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora, Gedenkhalle Oberhausen
Gefördert durch: Entimon – gemeinsam gegen Gewalt und
Rechtsextremismus (Förderprogramm des Bundesfamilienministeriums).
Das Projekt soll weiter geführt werden. Weitere Informationen erhalten Sie bei
Barbara Thimm vom Jugendgästehaus Dachau.
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