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Aus der Geschichte lernen? - Kooperation von Demokratiebildung und Historisch-Politischer Bildung Drucken E-Mail
Geschrieben von Barbara Thimm und Verena Haug   
Montag, 29. Oktober 2007

2007_logojgh_klein.jpg Das Jugendgästehaus Dachau hat zusammen mit anderen Gedenkstätten, dem Fritz-Bauer-Institut und der Akademie Führung & Kompetenz am CAP München ein modellhaftes Kooperationsprojekt zum Thema "Aus der Geschichte lernen?" begonnen. Die Dokumentation der ersten Projektphase kann als PDF hier herunter geladen werden. Sie enthält Projektbeschreibung und -verlauf, Spezifika zu Gedenkstättenpädagogik, Demokratie-Lernen sowie deren Verbindung und Abgrenzung, zusammenfassende Thesen und Empfehlungen, sowie Ergebnisse der begleitenden Evaluation.

Hintergrund des Projektes

In Gedenkstätten war bis 1990 ein „Lernen aus der Geschichte“ des Nationalsozialismus gleichbedeutend mit antifaschistischer Erziehung. Seit den 1990er Jahren lässt sich eine Verschiebung hin zu einer weiter greifenden Perspektive feststellen, die das historische Lernen über den Nationalsozialismus in einen engen Zusammenhang mit einer positiven Haltung gegenüber Demokratie und Menschenrechten stellt. Der Anspruch, dass Gedenkstätten auch mehr als sechzig Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager nicht lediglich historisches Wissen vermitteln sollen, sondern politische und moralische Haltungen positiv beeinflussen können, prägt sowohl das Außenbild als auch das Selbstverständnis der Einrichtungen. Die gemeinsame Auseinandersetzung um Bedeutung und Konsequenzen des historischen Geschehens soll dabei der Herausbildung demokratischer Grundhaltungen dienlich sein.

Wie aber konkret zu Demokratie gebildet werden kann, stellt eine bislang nur unzureichend gelöste Herausforderung für die pädagogischen Mitarbeiter/innen der Gedenkstätten dar, die mit dem Projekt intensiv beleuchtet werden sollte. Eine gängige Praxis des Demokratielernens ist bislang, Aktualisierungspotenziale in tagespolitischen Ereignissen zu suchen, die zur Geschichte des Nationalsozialismus in Bezug gesetzt werden.

Eine weitere Praxis verzeitlicht das Problem, indem auf die abschreckende Wirkung der Geschichtserzählungen und die Nachhaltigkeit eines Gedenkstättenbesuchs gesetzt wird. Eine dritte versucht, die Gedenkstättenpädagogik durch Arbeitsweisen aus dem Bereich der Demokratie- und Menschenrechtsbildung zu ergänzen.

Dieser letztgenannte Ansatz bestimmte zunächst auch die Ausgangsidee des Projekts. In einem Zeitraum von acht Monaten sollten in einer Projektgruppe aus Vertreter/innen der Gedenkstättenpädagogik und des Demokratielernens Seminarkonzepte entwickelt, erprobt und ausgewertet werden, in denen einzelne Elemente des Demokratielernens hinzugefügt werden sollten. Zu Beginn ging es daher insbesondere darum, Methoden und Übungen aus einigen Demokratielernen-Programmen zu identifizieren und auf ihre Eignung für die pädagogische Arbeit in Gedenkstätten zu überprüfen. Das Projekt wurde durch die Klärung pädagogischer Ansätze in Bezug auf ihre Überschneidungen, Grenzen, Umsetzbarkeit, und nicht zuletzt durch die diskutierten Übungen innerhalb des Projekts, in der Ursprungsidee verändert. Die Frage lautete nach Projektabschluss nicht mehr, wie die bisher am historischen Ort praktizierte Gedenkstättenpädagogik durch Ansätze des Demokratielernens additiv ergänzt werden kann. Vielmehr bieten die Ergebnisse erste Lösungsansätze, in welcher Art und Weise Demokratielernen in Form von Seminaren in den und bei den Gedenkstätten realisiert werden kann. Da Demokratie von den Projektpartnern nicht als feststehende Gesellschaftsform oder politische Selbstverständlichkeit, sondern als offener Prozess und immer auch als bedrohte Errungenschaft verstanden wird, muss sie auf unterschiedlichsten Ebenen immer wieder erarbeitet werden.

Die Ansätze des Demokratielernens stellen ergebnisoffene Prozesse in den Mittelpunkt ihrer pädagogischen Arbeit, ohne dabei wertfrei zu sein. Die Vermittlung der Werte und Haltungen erfolgt nicht durch deren Deklamation, sondern durch die Art und Weise des pädagogischen Prozesses, der auch in Gedenkstätten stärker berücksichtigt werden kann und soll. Demokratielernen in Gedenkstätten meint so vor allem die Integration demokratischer Umgangsformen und Haltungen in die pädagogische Arbeit, die weniger auf einer Inhalts-, als auf einer Prozess- und Beziehungsebene angesiedelt und erfahrbar sind.

Ziele

Ziel des Projektes war es, Konzepte für ein- und mehrtägige Seminare für Jugendliche zu entwickeln, die einen Gedenkstättenbesuch beinhalten. Der Inhalt dieser Seminare sollte dabei deutlich über die Kenntnisvermittlung zum historischen Ort und den Geschehnissen hinausgehen. Um diese Fragestellung produktiv bearbeiten zu können, haben Fachkräfte aus den beteiligten Bildungsbereichen - der historisch-politischen Bildung und der Demokratiebildung - zusammengearbeitet und nach einem grundsätzlichen Verständigungsprozess konkrete Vorschläge für eine methodische Umsetzung formuliert, Testseminare durchgeführt und evaluiert. Zusätzlich wurden Fortbildungen für Mitarbeiter/-innen von Gedenkstätten konzipiert, die vor allem darauf abzielten, die „Grundhaltung“ vom Demokratielernen (beispielhaft Prozessorientierung, Abkehr von Richtig/Falsch-Unterscheidungen und Wertschätzung von Perspektivenvielfalt) stärker in Gedenkstättenpädagogik zu verankern.

Weitere Informationen

Die Kooperationspartner waren: Fritz-Bauer-Institut Frankfurt a.M., Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora, Gedenkhalle Oberhausen

Gefördert durch: Entimon – gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus (Förderprogramm des Bundesfamilienministeriums).

Das Projekt soll weiter geführt werden. Weitere Informationen erhalten Sie bei Barbara Thimm vom Jugendgästehaus Dachau.

 Hier  können Sie sich die Dokumentation der ersten Projektphase von pdf "Aus der Geschichte lernen?" 993.59 Kb  als PDF-Dokument herunterladen.

 

 
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