|
Der Aufbau, die Ausgestaltung und die Entwicklung des Netzwerks Politische Bildung Bayern werden wissenschaftlich durch Evaluations- und Qualitätssicherungsmaßnahmen begleitet. Im Rahmen einer Promotion von Florian Wenzel, die am Lehrstuhl für Pädagogik der Universität Augsburg angesiedelt ist (Prof. Dr. Hildegard Macha), werden diese Aktivitäten zusammen mit dem Projektteam konzeptioniert, gebündelt und umgesetzt. Zur Anwendung kommt eine für die politische Bildung geeignete „partizipative und demokratische Evaluation“, die versucht, die Perspektiven möglichst aller Beteiligten und Betroffenen des Netzwerks auf wertschätzende Art und Weise mit einzubeziehen.
Der Ansatz verfolgt das Ziel, eine für Projektverantwortliche und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren politischer Bildung nachvollziehbare und alltagsrelevante (d.h. an Bildungsprozesse anschlussfähige) Grundlage zu schaffen, von der aus Evaluationen mit deutlich erhöhter Eigenmotivation gestartet werden können. Einzelne Aspekte dieses Ansatzes wurden bereits punktuell im Projekt Netzwerk Politische Bildung Schwaben erprobt und sollen nun weiter systematisiert werden.
„Demokratische Evaluation“ orientiert sich an folgenden vier Säulen, die den Grundrahmen für die systematische Untersuchung ihrer wissenschaftlichen Präzisierung sowie praktischen Ausgestaltung bilden werden:
-
Kongruenz von Werten
Wichtige Werte von Weiterbildung (beispielhaft Prozessorientierung, Partizipation und Überwältigungsverbot) müssen sich auch in einem entsprechenden Evaluationskonzept finden. Evaluation darf nicht – wie es oft derzeitige Praxis ist – in ihrem Grundverständnis die inhaltlichen Bemühungen von Weiterbildung selbst konterkarieren.
-
Integration Beteiligter und Betroffener
Träger und Akteure von Evaluation sollten weitestgehend die davon Betroffenen und daran Beteiligten sein. Damit richtet sich der Fokus auf Selbstevaluation, die eine Vernetzung unterschiedlicher Perspektiven auf ein Evaluationsobjekt erlaubt und gleichzeitig organisationsentwickelnde Elemente enthalten sollte. Dadurch wird Evaluation zur sinnvollen systemischen Intervention.
-
Wirkung als Nutzen
Der objektivierte Wirkungsbegriff von Evaluation sollte ersetzt werden durch einen Nutzenbegriff, der umfassend verstanden wird. Nutzen ist nicht wie Wirkung tatsachenorientiert und neutral, sondern versucht im Gegenstandsfeld aus möglichst vielen und unterschiedlichen Perspektiven sinnvolle Impulse zu ermitteln.
Vorgehen
Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung und Qualitätssicherung für das Netzwerk politische Bildung Bayern werden zwei hauptsächliche Aspekte eine Rolle spielen:
-
Praktische Ebene: Erarbeitung und Bereitstellung eines Seminarkonzeptes mit Methodenbausteinen zur Vermittlung des Ansatzes „Demokratische Evaluation“ für politische Bildner
-
Wissenschaftliche Ebene: Durchführung eines Evaluationsprojektes im Rahmen der Netzwerkaktivitäten zur laufenden Qualitätssicherung und theoretische Fundierung des Ansatzes
Praktische Ebene
Die empirische Erhebung zur politischen Bildung in Bayern hat gezeigt, dass ein hoher eigener professioneller Anspruch in Institutionen politischer Bildung besteht und das Thema Evaluation sehr hoch bewertet wird. Gleichzeitig haben die meisten Einrichtungen bisher wenig geeignete Fortbildungen in diesem Bereich besucht. Es fehlt bisher ein schlüssiges, an das Bildungsverständnis von Weiterbildnern anschlussfähiges didaktisches Konzept der Vermittlung von Evaluation – besonders eines Konzeptes von Evaluation, welches für das Grundverständnis politischer Bildung tragfähig und gewinnbringend ist.
Um dem Anspruch einer demokratischen Evaluation für Weiterbildungsprozesse gerecht zu werden, braucht es eine Vermittlung des Ansatzes, die nicht im Gewand der „Wahrheit“ auftritt, sondern ebenfalls den eigenen Anspruch von Partizipation und Wertschätzung spiegelt. Im Sinne der Konzeption kann der Ansatz nicht unidirektional von Lehrenden zu Lernenden vermittelt werden, sondern muss didaktisch so aufbereitet werden, dass Verantwortliche von Weiterbildung ihn sich zu eigen machen können und als sinnvollen Schritt im Rahmen ihrer Praxis erkennen. Die Vermittlung des Evaluationsansatzes wird selbst zum ersten wichtigen Schritt von demokratischen Evaluationsvorhaben von Weiterbildung.
Methodische Bausteine für Workshopsettings, die interaktiv angelegt sind, können dies leisten. Sie sollen für das Netzwerk Politische Bildung Bayern entwickelt, getestet, mit anderen Konzeptionen verglichen und analysiert werden.
Wissenschaftliche Ebene
Der Ansatz einer partizipativen, wertschätzenden und demokratischen Evaluation ist im US-amerikanischen Raum wesentlich umfassender erprobt und angewandt worden als in Deutschland, wo Evaluation und Evaluationsforschung noch am Anfang einer Systematisierung stehen. Handlungsbausteine und Optionen für die verschiedenen Schritte des Ansatzes und ihre jeweilige theoretische Fundierung sollen entwickelt, im Netzwerk Politische Bildung Bayern im Rahmen einer umfassenden Evaluation angewandt, adaptiert, reflektiert und analysiert werden.
Das Grundkonzept partizipativer Evaluation und Beispiele der Anwendung sind in folgenden beiden Publikationen zu finden. Beide können Sie hier komplett als PDF herunter laden.
| Weitere Informationen zum geplanten Vorgehen, zur Möglichkeit, ein Testseminar zu dem entstehenden Methodenbaustein “Demokratische Evaluation” zu besuchen oder zur Unterstützung eines eigenen Evaluationsvorhabens erhalten Sie bei Florian Wenzel unter
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
|
|