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Gespräch mit BeWeis e.V. Drucken E-Mail
Geschrieben von Redaktion   
Donnerstag, 1. November 2007

2007_logo_beweis.jpg Der Verein „Bündnis engagierter Weißenhorner Schülerinnen und Schüler e.V.“ – kurz BeWeiS e.V. - ist der Zusammenschluss von Schüler/ -innen aus Weißenhorn und Umgebung, die aktiv etwas in Weißenhorn verändern und selbst handeln und mitmischen möchten.
Für das Schuljahr 07/08 sind unter anderem Podiumsdiskussionen geplant, sowie eine Seminarreihe (Projektmanagement, Kommunalpolitik, Rhetorik, etc). Außerdem soll ein Konzert gegen Rechtsextremismus veranstaltet werden. Noch im November wird ein Konzept für ein Jugendparlament in Weißenhorn erarbeitet werden.
Wir haben mit Ann-Sophie Winter, 17 Jahre alt, Schülerin,  Mitglied des Vereins BeWeiS e.V., Bezirksschülersprecherin für die Gymnasien Schwabens und Vorstandsmitglied der Landesschülervertretung Bayern, gesprochen.

Redaktion: Seit wann existiert der Verein BeWeiS e.V.? Und wie ist er entstanden?
Ann-Sophie Winter: BeWeiS e.V. ist ein sehr frischer, junger Verein. Unsere Gründungsveranstaltung fand am 28. Juni 2007 statt.

Entstanden ist unser Verein aus einem Planspiel „Kommunalpolitik“ der Stadt Weißenhorn. Bei der feierlichen Beendigung dieses Planspiels wurde gemeinsam mit unserem Bürgermeister Herrn Fendt diskutiert, ein Jugendparlament oder Jugendforum einzurichten. Doch dies wäre erst in zwei bis drei Jahren eingeführt worden. Das war uns eindeutig zu lange. Daher fand genau zwei Wochen nach diesem Treffen schon unsere Gründungsversammlung statt. Viele hielten dies nicht für möglich und belächelten uns wegen unserer Aussage: „Erwachsene denken in Monaten und Jahren, wir Jugendliche aber in Tagen und Wochen“.

Für was setzen Sie sich ein? Und wie?
Wir wollen mit Projekten und Aktionen die Eigeninitiative und Eigenverantwortlichkeit von Jugendlichen fördern und unterstützen und natürlich den Jugendlichen auch die Wichtigkeit von Politik und politischer Bildung nahe legen. Ein wichtiges Ziel ist für uns vor allem die Zusammenarbeit von Schülerinnen und Schülern aller Schularten und Altersgruppen im kulturellen und sozialen Bereich zu stärken.

Insbesondere geht es uns um die Förderung der eigenverantwortlichen Interessenvertretung sowie um die Mitgestaltung des Umfelds Schule und der außerschulischen Vernetzung.

Wir haben auf unserer Mitgliederversammlung Anfang Oktober unsere Ziele folgendermaßen formuliert:

Wir wollen...
... SchülerInnen, Schulen und Jugendinitiativen aus Nah und Fern vernetzen und somit zur Verbesserung der Arbeit beitragen!

... Jugendliche, sowohl politisch als auch individuell weiterbilden und qualifizieren.

... Ansprechpartner für Jugendliche, deren Probleme und Initiativen, sein, ihnen helfen und sie unterstützen, sowohl fördernd als auch ideell.

... ein Sprachrohr für die Jugendlichen in Weißenhorn und Umgebung sein und dafür Sorge tragen, dass ihre Meinung in die Öffentlichkeit stärker/ernster wahrgenommen wird.

... eine aktive Jugendbeteiligung in Vereinen, Initiativen, sowie in der Jugendkultur fördern.

... mehr Mitspracherecht für Jugendliche in Schulen, sowie in der Kommunalpolitik.

... die Gemeinschaft der Jugendlichen sowohl im Verein als auch in der Stadt Weißenhorn und Umgebung fördern und stärken.

Wer unterstützt Sie?
An erster Stelle ist hier wohl unser Bürgermeister Dr. Fendt zu nennen, der uns sofort auf der Gründungsversammlung 500 Euro Unterstützung zusagte und sich um eine Geschäftsstelle für uns kümmerte, die wir dann in den Sommerferien beziehen konnten. Außerdem haben wir von der Youth Bank Memmingen (ein Projekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung) 800 Euro Projektförderung bekommen.
Aber was uns am meisten freut, ist die Zustimmung die wir aus unserer Umgebung erfahren. Nicht nur finanzielle Unterstützung ist wichtig, sondern vor allem auch die ideelle.

Was ist Ihre Motivation?
Vielleicht das gewisse Etwas, dass mir sagt, der Zeitpunkt für Veränderung ist günstig. Aber auch meine engagierten MitstreiterInnen, die sich tatkräftig für die Jugendlichen von Weißenhorn einsetzen und sehr viel Zeit dafür opfern. Auch das Vertrauen unseres Bürgermeisters motiviert, denn das führt ja bekanntlich auch zu verantwortungsvollem Handeln.
Ich weiß nicht die wirkliche Ursache meiner Motivation, aber Hauptsache, sie ist da.
2007_beweis_grupp_arme.jpg
Wer darf bei BeWeiS e.V. mitmachen?
Jede und jeder Jugendliche der will. Das ist ganz einfach. Es gibt keine weiteren Voraussetzungen. Jeder ist herzlich willkommen, der etwas verändern will, der sich engagieren will, der gerne organisiert, der gerne mitredet oder der uns einfach ideell unterstützt.

Mit wem würden Sie gerne kooperieren?
Wir würden gerne mit dem Kreisjugendring Neu-Ulm kooperieren (noch im November findet dazu ein Treffen statt) sowie weiterhin mit dem „Netzwerk Politische Bildung Bayern“ und mit der Servicestelle Jugendbeteiligung.

Sollte es einen Verein wie diesen in jeder Stadt geben?
Auf jeden Fall! Das wäre cool, wenn man regionale Treffen zwischen diesen einzelnen Vereinen machen könnte und sich gegenseitig austauschen und unterstützen könnte. Vielleicht sollten wir hier einmal mit der Landesschülervertretung Bayern, dem Netzwerk bayerischer SchülerInneninitiativen (NebS), dem Bayerischen Jugendring und dem Netzwerk Politische Bildung eine gemeinsame Aktion für Stadtschülervertretungen in Bayern starten?!

Mehr Demokratie in der Schule. – Wie stehen Sie zu dieser Forderung? Was kann konkret gemacht werden?

Die Schulen können und müssen noch so viel in dieser Hinsicht machen. Ein bisschen Sozialkunde und einmal jährlich stattfindende Klassen- und Schülersprecherwahlen reichen eben nicht aus, um SchülerInnen „im Geiste der Demokratie“ (Artikel 131 bay. Verfassung) zu erziehen!

Konkret sollten Projekte wie „Klassenrat“ (analog zu „Zeit-für-uns“-Stunden) und Evaluation von Lehrenden (durch SchülerInnen) an allen Schulen eingeführt werden. Außerdem sollte man mehr Platz für Diskussionen schaffen und die Meinung der SchülerInnen ernster nehmen. Die SMV sollte nicht zu einer „Kuchen-Back-Gruppe“ verkümmern, sondern richtig aufblühen (und aufblühen dürfen!) und sich aktiv für die SchülerInnen und deren Interessen einsetzen dürfen und können.

Was wünschen Sie sich für BeWeis e.V.? Gibt es Fernziele?

Zum einen sollte BeWeiS e.V. eine feste Plattform für die Jugendlichen in und um Weißenhorn werden. Es soll von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und ein wildes Treiben sollte entstehen, dass vor Taten- und Ideendrang nur so sprüht und alles in seinen Bann reißt…

Welche Defizite sehen Sie als Schülerin in der politischen Bildung im Bereich der Schule?
Den Sozialkunde- und Geschichtsunterricht. Das sind große Defizitbereiche. Geschichte und Sozialkunde sollten erlebbar sein. Man vermiest vielen Schülern schon die Lust an Geschichte, indem der Lehrplan der SchülerInnen die ersten 4 Jahre nur mit der Steinzeit und den Pharaonen langweilt. Natürlich war die Steinzeit eine interessante Zeit und davon sollten die SchülerInnen natürlich wissen. Aber wäre es nicht sinnvoller von dem „hier und jetzt“ rückwärts in die Geschichte zu blicken, damit man nicht erst in der 9. oder 10. Klasse mal den 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit behandelt. Denn wenn man den 2. Weltkrieg schon in der 6. Klasse behandelt, dann verstehen die SchülerInnen auch beispielsweise das momentan schlechte Verhältnis zwischen Polen und Deutschland. Sie beginnen, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen und lesen dann vielleicht schon in der 6. Klasse die Tageszeitung und verfolgen die Nachrichten. Denn dann verstehen sie auch die Hintergründe.

Wie kann Politik am erfolgreichsten vermittelt werden?

Politik kann man am besten vermitteln indem man Politik lebt und man sich die direkten und indirekten Auswirkungen politischen Handelns klarmacht. Das Große sollte auch schon im Kleinen anfangen – eben in der Schule, der einzigen Erziehungs- und Sozialisationsinstanz, die jeder durchlaufen muss. Kompromissfähigkeit, Diskussionsbereitschaft, Respekt, Toleranz gegenüber anderen Meinungen – das muss schon in der Schule gelebt werden.

Politische Bildung bedeutet für mich….

Hintergründe verstehen, Meinungen und Entscheidungen zu hinterfragen bzw. nachzuvollziehen, Diskussionsfreudigkeit, über den Tellerrand schauen, …

Unser Projekt ist erfolgreich, weil…

wir jung sind und nichts zu verlieren haben. Wir alle sind noch Idealisten und gehen mit viel Mut, Ehrgeiz und Engagement an die Sache. Das ist ein Erfolgsrezept!

Frau Winter, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Miriam Apffelstaedt.

 
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