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Desinteresse an Politik und mangelndes Vertrauen in die
etablierten politischen Institutionen deuten auf die Politikverdrossenheit
unserer Jugend hin. Kann sich unsere Gesellschaft ein Desinteresse an
Demokratie erlauben? In diesem Beitrag werden diverse Trends in der Einstellung
der Jugendlichen zur Politik diskutiert und anschließend auf ihre Relevanz für
die Formulierung der Aufgaben der politischen Bildung hin betrachtet.
Aktuell im Oktober 2007 beklagen 57% im Deutschland Trend, dass es in Deutschland ungerecht
zugeht. Trotz wachsender Wirtschaft und sinkender Arbeitslosenzahlen erheben
sich immer mehr kritische Stimmen. Vor fast genau einem Jahr schrieb DER
SPIEGEL „ Erstmals ist eine knappe
Mehrheit nicht mehr zufrieden mit dem politischen System der Bundesrepublik“
(vgl. Der
Spiegel 2006). Mangelndes
Interesse an politischen Themen und Misstrauen gegenüber Politikern bestätigen
diesen Trend. Bereits 2001 beschrieb Prof. Dr. Werner Patzelt von der
Technischen Universität Dresden, Inhaber des Lehrstuhls für politische Systeme
und Systemvergleich, mögliche Ursachen für die Entwicklung wachsender
Politikverdrossenheit. Mögliche Einflussfaktoren seien der soziale Rückbau,
Reaktionsträgheit politischer Institutionen, Negativismus der Medien und die Individualisierung von Lebensstilen (vgl.
Patzelt 2001). Wie es
scheint hat sich dieser Trend unaufhaltsam fortgesetzt. Bemerkenswerter Weise
begrenzt sich der politische Missmut nicht auf die Gruppe der Erwachsenen. In
der Shell-Jugendstudie 2006 werden 28% der Jugendlichen als
„politisch-kritische“ Jugendliche genannt. Diese Gruppe der Jugendlichen
bezeichnen sich selbst als „politikverdrossen“. Sie kennzeichnen sich durch
eine größere Distanz gegenüber politischen Themen, obwohl sie grundsätzlich die
demokratischen Werte nicht ablehnen. Insgesamt ist das politische Interesse der
jungen Generation von 1984 bis 2006 auf 39% gesunken (vgl. Shell-Jugendstudie 2006).
Weitere 28% der Befragten (dieser Wert ist niedriger als in der
Shell-Jugendstudie 2002) gehören zu politisch Desinteressierten. Sie schreiben
sich keinerlei politische Kompetenzen zu und zeigen gar kein Interesse
gegenüber politischen Problemen. Der Jugendsurvey
der DJI konnte aus den
Vergleichsdaten der Jahre 1992-1997 einen Rückgang feststellen, bei der Frage
nach der Befürwortung der Demokratie (Im Westen von 90% auf 84% und im Osten
von 81% auf 71%). Insgesamt lehnt aber die Mehrheit der Jugendlichen
politischen Extremismus ab und bekennt sich zur Demokratie, trotzdem sind 59%
der Jugendlichen in den neuen Bundesländern mit den bestehenden
gesellschaftlichen Verhältnissen unzufrieden (vgl. Shell-Jugendstudie 2006).
Die Kritiker kommen vor allem aus den Reihen der Jugendlichen, die aus den
schwierigsten Lebensverhältnissen kommen. Das Verhältnis der Jugend zur Politik
muss allerdings auf der Einstellungsebene differenzierter betrachtet werden (vgl.
Boeser 2002). Nimmt man zum
Beispiel den Aspekt des Institutionsvertrauens, dann wird man ein mangelndes
Vertrauen in die etablierten politischen Institutionen feststellen können. Ein
ähnliches Bild zeichnet sich beim Vertrauen in die politischen Akteure ab. Kaum
ein Jugendlicher, und da unterscheiden sie sich nicht von Erwachsenen, vertraut
den Politikern. Unter dem Gesichtspunkt der Partizipation wird man feststellen,
dass die institutionalisierte Beteiligung, wie z.B. bei Wahlen von Jugendlichen
abgelehnt wird, ebenso konflikthafte politische Aktivitäten (vgl. Boeser 2002).
Allerdings ist die Hälfte der Jugendlichen in Verbänden und Organisationen
tätig, was auf die Aktivierung der jungen Menschen hinweist. Obwohl die
Jugendlichen sich distanziert zur Politik und politischen Institutionen zeigen,
engagieren sie sich in den sozialen Bereichen.
Welchen Nutzen kann man aus den Ergebnissen dieser führenden
Studien für die Ziele der politischen Bildung ziehen? Da ein mangelndes
Interesse an Politik bekundet wird, besteht an erster Stelle die Aufgabe der
Aufklärung und Aktivierung der Jugendlichen für die politischen Themenbereiche.
Integration und Beteiligung der jungen Generation am politischen Prozess stellt
eine der zentralen Herausforderungen für die politische Bildung dar. Eine
solche Beteiligung junger Menschen fand zum Beispiel im Rahmen eines
mehrtägigen Seminars des Deutsch-Französischen Jugendwerks im Bundeskanzleramt
zum Thema Integration
statt. Bei diesem Gespräch im
Bundeskanzleramt ging es um Vorschläge der Jugendlichen zur Integration. Des
Weiteren führt das Missverstehen politischer Abläufe zur Herausbildung falscher
Urteile und Beurteilungen (vgl. Petzolt 2001). Die Jugend braucht Wissen über
Demokratie und Bundesregierung. Dieses Wissen muss im Rahmen von Projekten und
im Fach Politik vermittelt werden. Einen guten Anknüpfungspunkt unter der
Berücksichtigung traditioneller Aufgaben politischer Bildung bietet die
Auseinandersetzung mit politischen Themenfeldern anhand des Politikzyklus-Modells. Damit die Politik begreiflich und
lebendig wird, brauchen junge Menschen Bezugspunkte in ihrem Alltag. Die
Schlagworte dazu lauten mehr Mitbestimmung, mehr Selbstbeteiligung und mehr
Entscheidungsmöglichkeiten.
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