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Das erste Netzwerkforum Politische Bildung Bayern am 23. April 2008 ist überschrieben mit dem Titel Creating a Community of Practice.
Auf der Suche nach dem Selbstverständnis, der strukturellen Ausrichtung und der Zielvorstellung unseres Netzwerkes sind wir auf den Begriff der Community of Practice gestoßen. Kurz kann man ihn mit „praxisbezogene Arbeitsgemeinschaft“ übersetzen. Doch schon der Begriff community assoziiert im Englischen weit mehr als der deutsche Begriff von Gemeinschaft, die häufig als klar strukturiert und in Abgrenzung gegen andere verstanden wird.
Besonders vor dem Hintergrund der geschichtlichen Belastung durch den Begriff „Volksgemeinschaft“ ist community ein Alternativkonzept. Community wird weitgehend als selbstorganisiert verstanden und betont neue Formen sozialen Austauschs (z.B. online-community oder neighbourhood community). Practice wird seit einiger Zeit im Hinblick auf Projekte oder Verfahren mit „Best Practice“ oder „Good Practice“ in Verbindung gebracht und meint soviel wie „bewährte Praxis“ oder „Erfolgsmethode“. Das bedeutet, dass bei practice immer schon etwas von Können, Handwerk und Geschick mitschwingt. Damit hat practice nicht nur mit der Anwendung von Theorie in der Wirklichkeit (also Praxis) zu tun, sondern kann als Prozess des Lernens verstanden werden. Dieser Lernprozess beinhaltet die Wissenserweiterung
durch Reflexionsprozesse und Aufgabenoptimierung.
Mit diesen Assoziationen gelangt man bereits direkt zur community of practice, die vor allem auf die Verbindung beider Begriffe fokussiert: Die „Verzahnung individueller Lernprozesse mit denen der Weiterentwicklung der einbettenden sozialen Gemeinschaft“
(http://de.wikipedia.org/wiki/Community_of_Practice). Es geht um Lernprozesse, die selbstorganisiert, aber gleichzeitig mit anderen stattfinden. Dies ermöglicht eine Weiterentwicklung der sozialen Beziehungen untereinander und eine effiziente Aufgabenbearbeitung. Eine soziale Identität kann entstehen und diese wiederum individuelle Weiterentwicklung fördern und Wissenserwerb ermöglichen.
Die Anwendung: Das Netzwerk Politische Bildung Bayern
Gleichzeitig wird politische Bildung erlebbar (practice) dargestellt. Einerseits in Projekten aus Bayern, andererseits im Austausch über persönliche Motivationen und Visionen der Beteiligten.
Hintergrund
Der Begriff Community of Practice wurde 1991 durch Jean Lave (US-amerikanische Professorin für Ethnografie, Soziologie und Anthropologie an der Universität Berkely in Kalifornien und Etienne Wenger (unabhängiger Sozialforscher Schweizer Herkunft, lebt und arbeitet in San Juan, Kaliforniern) geprägt.
1998 erweiterte Wenger das Konzept für Aspekte der Organisationsentwicklung. Damit betonte er nach der statischen Beschreibung, wie Lernen in sozialer Einbettung funktioniert, vor allem verschiedene Phasen, Entwicklungs- und Interventionsmöglichkeiten con communities of practice. |
Grundlegende Literatur:
Wenger, Etienne, Richard McDermott und William Snyder: Cultivating communities of practice: a guide to managing knowledge. Harvard Business School Press, 2002
Englische Rezension zu diesem Buch unter: http://www.tlainc.com/articl45.htm
Hildreth, Paul und Chris Kimble (Hrsg.): Knowledge Networks: Innovation Through Communities of Practice. London: Idea Group Inc., 2004
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