CoActive - für lebendige Demokratie ist eine Projektgruppe (angehender)
Erziehungswissenschaftler/ -innen der Universität Augsburg,die sich das Ziel gesetzt haben, die Demokratieerziehungsprogramme
„Achtung (+) Toleranz - Wege demokratischer
Konflikregelung", „Betzavta / Miteinander" sowie Planspiele an Augsburger Schulen und Jugendbildungsstätten
zu etablieren. Wir haben mit Kristin Richter, Mitarbeiterin von CoActive,
gesprochen.
Seit wann gibt es CoActive? Wie sind Sie entstanden?
CoActive – für eine lebendige Demokratie hat sich im Jahr 2005 durch das Engagement dreier Diplom-Pädagogik-Studentinnen gegründet. Anstoß dafür gab die Doktorarbeit von Christian Boeser zum Thema politische Bildung an der Schule. Diese hat sehr deutlich herausgearbeitet, dass ein sehr an der Institution orientierter Unterricht Gefahr läuft, die Interessen und Potenziale der Schülerinnen und Schüler zu verlieren.
In Zusammenarbeit mit Gertrud Rieger-Beck entstand die Idee, andere Methoden als Ergänzung einzusetzen und entsprechende Ausbildungen anzubieten. Studentinnen, die an Multiplikatorenausbildungen zu Demokratieerziehungs-Programmen teilgenommen hatten, waren von der Methode und den Zielen der Programme überzeugt. Gemeinsam sollten Organisationsstrukturen geschaffen werden, um die Etablierung der Programme an Schulen zu erreichen. Seit dem Beginn im Juli 2005 hat sich CoActive stetig weiterentwickelt und die Beteiligten haben sich zunehmend professionalisiert. CoActive als Projekt ist in dieser Art des Zusammenschlusses von MultiplikatorInnen bisher einzigartig. Wir hoffen, dass unsere Initiative Anregungscharakter für weitere, ähnliche Projektgruppen in der politischen Bildungslandschaft hat.
Gibt es einen besonderen Höhepunkt in der Arbeit?
Also mein persönlicher Höhepunkt in neuster Zeit ist einmal unser Planspiel „Jeder wählt in Jedastadt“. Dieses ist aus einer Fortbildung des Netzwerks Politische Bildung Bayern zur Planspielentwicklung entstanden. Es ist toll zu sehen, dass ein Planspiel, das in Eigenregie, durch eigene Kraft und durch viel ehrenamtliches Engagement entstanden ist, mit soviel Begeisterung angenommen wurde. Der Testlauf ist sehr gut gelaufen und es sind bereits vier Durchführungen noch vor der Kommunalwahl im März gebucht. Die Kooperation bei der Entwicklung und den Durchführungen des Planspiels mit dem Stadtjugendring Augsburg und dessen Projekt 11Tausend läuft gut.
Ein weiterer besonderer Höhepunkt für uns ist außerdem, dass wir seit Dezember 2007 mit unserer eigenen Homepage (www.coactive-augsburg.de) online sind.
2008 stehen in Bayern Kommunal-, Bezirks- und Landtagswahlen an. Bieten Sie Programme an, die sich mit dem Thema Wahlen befassen?
Wir bieten das eben angesprochene Planspiel „Jeder wählt in Jedastadt“ an. Durch die Teilnahme lernen Jugendliche, wie man als Bürger auf die Politik Einfluss nehmen und seine Meinung äußern und vertreten kann – zum Beispiel durch Bürgerinitiativen und andere Interessengruppen. Das Planspiel soll anschließend für die Landtagswahl adaptiert werden.
Was überzeugt Sie an den Programmen mit denen Sie arbeiten?
Die erfahrungsorientierte Ausrichtung. Gerade in der Schule werden durch unsere Programme neue Wege beschritten und eine andere Art von Lernen ermöglicht. Dies ist sehr effektiv – man merkt, dass sich bei den Jugendlichen gerade in der Fähigkeit der Perspektivenübernahme etwas tut.
Was motiviert Sie?
Die Arbeit mit Jugendlichen, wenn wir die Rückmeldung von ihnen bekommen, dass sie sich mit dem Thema auseinandersetzen. Für mich ist es ein Erfolg, wenn wir Begeisterung auslösen können.
Eine weitere Motivationsquelle ist für mich die Arbeit mit anderen „Überzeugungstätern“. Durch den gemeinsamen Austausch ist eine gegenseitige Motivation möglich.'
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Wie kann man Sie unterstützen?
Da wir keine eigenen Gelder haben, sind wir immer auf der Suche nach Fördergeldern. Da die Mittel von Schulen zur Durchführung der Programme begrenzt sind, benötigen wir Gelder, um die Schulen dabei unterstützen zu können. Ebenfalls wichtig sind für uns Kooperationen mit anderen Institutionen und Projekten, um gemeinsame Ressourcen nutzen zu können.
Welche Kompetenzen sollen die Programme mit denen Sie arbeiten fördern?
Als Leitziel würde ich „Demokratie als Lebensform“ nennen. Das heißt, die Meinung anderer zu respektieren, die Fähigkeit sich zu beteiligen und Konflikte nicht durch Gewalt, sondern durch Diskussion und Toleranzfähigkeit lösen zu können.
Empathiefähigkeit und Perspektivenübernahme. Ganz wichtig ist es auch, dass Jugendliche lernen, ihre Meinungen und Forderungen zu artikulieren. Ich sehe immer wieder, dass ein großer Bedarf darin besteht zu lernen, realistische Forderungen und Meinungen formulieren zu können.
Welche Erfahrungen machen Sie mit Jugendlichen? Lassen diese sich begeistern? Diskutieren sie mit?
Ja, in der Regel schon. In der Schule sind die Schüler anfangs manchmal noch skeptisch. Dies wandelt sich dann aber im Laufe der Durchführung in Begeisterung und Spaß um. Das Feedback, das wir bekommen, ist in der Regel sehr positiv. Wir haben natürlich auch den Vorteil, dass wir nicht aus dem schulischen Kontext kommen, sondern von außen.
Außerschulisch ist es oft etwas einfacher. Das liegt daran, dass die Teilnahme dort freiwillig ist und die Jugendlichen meist ein besonderes Interesse am Thema zeigen.
Wo liegen die Herausforderungen im Projekt?
Ich vergleiche uns manchmal mit einem Schulchor: Es wurde viel geprobt und der Chor tritt erfolgreich auf. Doch am Ende jeden Schuljahres machen einige ihren Abschluss und gehen von der Schule. Unsere MultiplikatorInnen haben nach dem Studium oft keine Zeit mehr, sich weiter bei CoActive zu engagieren. Daher brauchen wir neue Leute, die an den Multiplikatorenausbildungen teilnehmen. Unser Projekt ist also nie statisch, wir haben immer viel Bewegung!
Eine große Herausforderung ist auch das Aufbringen von Geldern für die Co-Finanzierung der Schulen. Wir schreiben Anträge und sprechen mit vielen Leuten, das ist eine ständige Arbeit, die immer noch neben der eigentlichen Tätigkeit her läuft.
Gerade hat das neue Jahr angefangen. Welche Vorsätze haben Sie für CoActive im Jahr 2008?
Wir werden zwei Ausbildungen anbieten, um neue Multiplikatoren für unser Projekt zu gewinnen. Geplant sind zwei Ausbildungen: Einmal zum Demokratieerziehungsprogramm „Achtung (+) Toleranz“ und einmal zur Moderationsmethode „Technology of Participation“.
Wenn ich Interesse habe, eines Ihrer Programme in meiner Klasse, Schule oder in meinem Jugendhaus durchzuführen, wie nehme ich Kontakt zu Ihnen auf?
Es bestehen zwei Möglichkeiten: Entweder über unsere Homepage (www.coactive-augsburg.de). Dort können Sie ein Kontaktformular ausfüllen. Dies wird direkt an uns weitergeleitet. Oder Sie kontaktieren uns per E-Mail über
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Welche Defizite sehen Sie in der politischen Bildung?
Unbedingt gebraucht wird eine Vernetzung der politischen Bildung. Ich merke manchmal, dass ganz viele an ähnlichen "Baustellen" arbeiten. Durch eine reale Vernetzung müsste nicht jeder immer das Rad neu erfinden, beziehungsweise politische Bildung immer neu erfinden. Man sollte gemeinsamen arbeiten und nicht jeder für sich.
Wie kann Ihrer Meinung nach politische Bildung am besten vermittelt werden?
Durch erfahrungsorientierte Lernmöglichkeiten.
Politische Bildung bedeutet für mich…
…andere anzuregen, ihre Meinung zu äußern und sich zu beteiligen.
Erfolgreiche politische Bildung …
…hat eine ansteckende Wirkung.
CoActive ist erfolgreich, weil…
…wir Beteiligte haben, die von ihrer Arbeit überzeugt und begeistert sind und deshalb bereit sind, sich aktiv zu engagieren!
Frau Richter, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Miriam Apffelstaedt
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