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Die Aktion Bäume für die Menschenrechte der Stadt Nürnberg setzt auf einen künstlerischen Bezug um politische Bildung zu leisten. Ziel der Aktion ist es, bis zum 10. Dezember 2008, dem 60. Jahrestag der Menschenrechte, 60 Ginkgo-Bäume zu pflanzen, die je einem der 30 Menschenrechte gewidmet sind.
Interessenten können die Patenschaft für einen Baum und das Menschenrecht übernehmen. Hierbei gilt es nicht nur den Baum zu pflanzen, sondern auch die Pflege des Menschenrechts zu übernehmen. Das Menschenrecht zum jeweiligen Baum steht jeweils auf zwei Sprachen auf einem Granitstein neben dem Baum. Damit soll die Internationalität der Menschenrechte betont werden.
Neben der Straße für Menschenrechte in Nürnberg, soll damit die Idee in die Stadtteile reingetragen werden und dort eine Auseinandersetzung mit dem Thema bewirkt werden.
Wir haben mit Herrn Dr. Lienhard Barz, Leiter des Jugendzentrums für kulturelle und politische Bildung der Stadt Nürnberg und Koordinator der Aktion Bäume für die Menschenrechte gesprochen.
Herr Dr. Barz, wann wurde der erste Baum gepflanzt?
Der erste Baum wurde auf dem Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne im März 2007 gepflanzt.
Wie ist die Idee entstanden?
Nach meiner Überzeugung bilden die Menschenrechte den goldenen Grund aller politischen Bildungsprozesse. Sie erfüllen dabei verschiedene Aufgaben. Einerseits sind sie die Grundlage der Völkergemeinschaft, das, was alle verbindet. Andererseits sind sie immer auch ein Appell an den Einzelnen, sich entsprechend der Menschenrechte zu verhalten. Bei ihrer Abfassung und Proklamation 1948 war es das Ziel, etwas zu finden, das alle Menschen bejahen können. Wollen wir also politische Bildung betreiben, sind die Menschenrechte immer die Leitlinie. Mit der Aktion Bäume für Menschenrechte wollen wir die Wichtigkeit der Menschenrechte symbolisch unterstreichen und einen Beitrag zur politischen Bildung leisten.
Gibt es für Sie ein besonders schönes Erlebnis in der Aktion "Bäume für Menschenrechte"?
Ich muss sagen, alle Baumbepflanzungen sind sehr eindrucksvoll. Zwei sehr schöne Erlebnisse möchte ich hervorheben:
Eines davon war die Bepflanzung an einem Altersheim. Da es bereits Herbst war, hatte der Ginkgo keine Blätter mehr. Die Bewohner und die Leitung des Altersheims haben dann selbst Ginkgoblätter aus Papier gebastelt, auf die sie ihre Beziehung zu dem gewählten Menschenrecht geschrieben haben. Diese wurden dann an den Baum gehangen. Das fand ich sehr eindrucksvoll.
Ein anderes schönes Erlebnis war die Bepflanzung in einem Stadtteil bei der sehr viele Personen anwesend waren. Die Kinder des Kindergartens haben dabei das „Baumlied" für den Baum gesungen.
Was motiviert Sie?
Nun, ich bin seit vielen Jahren in der politischen Bildung tätig. Mit der Aktion Bäume für Menschenrechte will unsere Einrichtung einen unkonventionellen Beitrag zur politischen Erziehung leisten.
Der Grundgedanke der Aktion:
Bevor ein Ginkgobaum gepflanzt wird und der Granitstein mit dem Menschenrecht aufgestellt wird, laufen viele Prozesse ab. Die Institutionen müssen sich dafür entscheiden, dass sie einen Baum pflanzen möchten. Dazu gehört auch, sich damit auseinander zu setzen, welches Menschenrecht "gepflegt" werden soll und warum gerade dieses besonders wichtig ist. Zudem treten die beteiligten Menschen miteinander in Aktion und tauschen sich aus, zum Beispiel um den Tag der Baumpflanzung zu organisieren.
Mir gefällt außerdem der künstlerische Bezug zu Joseph Beuys, der 1982 zur documenta 7 in Kassel die Skulptur „Stadtverwaldung" aus 7000 Eichen entstehen ließ.
Wer hat sich bereits an der Aktion „Bäume für Menschenrechte" beteiligt?
Jeder kann sich beteiligen. Einzelpersonen spenden oft, ohne selbst einen Baum zu pflanzen.
Elf Bäume wurden bereits letztes Jahr gepflanzt. Unter den Paten befinden sich städtische Einrichtungen, einige Firmen und Institutionen, wie zum Beispiel das evangelische Siedlungswerk oder auch eine Partei. Die Struktur ist sehr vielfältig. Schulen sind besonders gute Plätze, vor allem wenn man den Bildungsauftrag berücksichtigt. Wir hoffen, bis zum 10. Dezember 2008, dem 60. Jahrestag der Menschenrechte, 60 Bäume zu pflanzen.
Wie kann ich mich beteiligen?
Privatpersonen beteiligen sich in der Regel als Spender. Theoretisch könnte aber auch eine Privatperson für ein Menschenrecht und einen Baum die Pflege übernehmen. Bedingung ist jedoch, dass der Standort für den Ginkgo sich im öffentlichen Raum befindet.
Daher sind die Paten in der Regel bürgerschaftliche Organisationen oder Firmen. Diese können mit uns Kontakt aufnehmen, wenn sie Interesse haben, ein Menschenrecht und die Pflege für einen Baum zu übernehmen.
Mit welchen Einrichtungen oder Personen möchten Sie zukünftig (mehr) kooperieren?
Besonders gut eigenen sich Bildungseinrichtungen als Partner. Wir haben aber auch schon Schulen, die sich an der Aktion Bäume für die Menschenrechte beteiligen. Eigentlich würden wir uns wünschen, dass jede Schule das Thema Menschenrechte in ihrem Unterreicht aufgreift. Im Zuge der Aktion bin ich belehrt worden, dass für viele Menschen das Thema sehr weit weg ist. Die meisten sind der Meinung, dass Menschenrechte in irgendwelchen fernen Ländern ein Problem sind, aber nicht bei uns. Tatsache ist jedoch, dass man gar nicht so weit gehen muss. Auch in unserem Umfeld, sowohl politisch als auch privat, wird gegen die Menschenrecht verstoßen. Diese Lücke zu schließen ist das Ziel.
Welche Defizite sehen Sie in der politischen Bildung?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, das ist ein schwieriges Feld und die darin Tätigen haben gute Absichten. Mit eher traditionellen Formen, wie Vortrag oder mit Wissen vermittelnden Kursen ist es heute besonders schwierig die gewünschten Adressaten zu erreichen, da der mediale Bereich Informationsbedürfnisse weitgehend abdeckt. Erfolg versprechender sind Ansätze, politische Bildung im Umfeld der Menschen zu verankern. Zum Beispiel indem man an die Orte geht, wo diese sind: Schulen, Universitäten usw. Oder indem politische Bildungsarbeit in die Stadtteilarbeit integriert wird. Das ist dann vielleicht nicht so spektakulär, aber wirksam.
Wie lässt sich politische Bildung am besten vermitteln?
Dort wo gut an persönliche Erfahrungen angeknüpft werden kann. Das ist der Kerngedanke. Die Methoden können dann unterschiedlich sein. Aber politische Bildung ist dann wirksam, wenn sich die Menschen mit dem Thema identifizieren können und es sie persönlich betrifft.
Politische Bildung bedeutet für mich...
...eine Notwendigkeit.
Erfolgreiche politische Bildung...
...verhilft den Menschen dazu, zu einem sozialen Wesen zu werden.
Die Aktion Bäume für die Menschenrechte ist erfolgreich weil...
...es unmittelbar verständlich ist und mit dem Leben zu tun hat.
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