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Interview mit Susanne Jörg von "Her mit dem Handy!" Drucken E-Mail
Geschrieben von Miriam Apffelstaedt   
Montag, 31. März 2008

susannejoerg.jpg „Her mit dem Handy!" ist eine Aktion der werkstatt-weltweit. Die Idee: In Deutschland gibt es etwa 90 Millionen Handys - mehr Handys als Einwohner. Bei der Aktion „Her mit dem Handy!" können alte Geräte eingeschickt werden. Diese gehen an eine Recycling-Firma. Der Restwert der Handys geht an Projekt von P. Gunter Kroemer in Brasilien, der sich für den Schutz bedrohter Indianervölker am Amazonas einsetzt. Ziel der Aktion ist es für ökologische und soziale Fragen des Themas „Eine Welt" zu sensibilisieren. Wir haben mit Susanne Jörg, Ansprechpartnerin der Aktion gesprochen.

 

Was ist die werkstatt-weltweit?
werkstatt-weltweit
ist die Jugendinitiative der Jesuitenmission Nürnberg. In enger Zusammenarbeit mit dem Bereich Jugendbildung der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) bietet werkstatt-weltweit eine Plattform für Jugendliche und Junggebliebene aus der ganzen Welt, die sich für Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und Menschenrechte einsetzen wollen.

Wie sind Sie auf die Idee für die Aktion gekommen?
Unsere Partner wie zum Beispiel die jesuitische NGO (Non-Governmental Organization, Anm. der Redaktion) Entreculturas in Spanien führen bereits die Handysammelaktion mit großer Resonanz und großem Erfolg, in Kooperation mit dem Roten Kreuz, durch. Aus diesem Grund wollten wir ihnen nacheifern und die Aktion auch in Deutschland durchführen. Besonders gefallen hat uns dabei der ganzheitliche Aspekt der Aktion. 

Sie sprechen den ganzheitlichen Aspekt der Aktion an. Was sind denn die Ziele?
Das Hauptziel der Aktion ist die Sensibilisierung für Themen der "Einen Welt". In diesem Fall im Besonderen das Thema Regenwald. Dabei können wir mit dieser Aktion eine breite Masse an Menschen ansprechen, denn fast jeder in Deutschland hat ein Handy. Auch wenn unsere Hauptzielgruppe Jugendliche und junge Erwachsene sind, kann sich hier jeder beteiligen. Wichtig sind uns auch die ökologischen und sozial-ökonomischen Aspekte der Aktion. Indem ich mein altes Handy nicht in den Hausmüll werfe, sondern es zum Recycling einschicke, kann ich aktiv einen Beitrag leisten um die Welt mitzugestalten. Gleichzeitig kommt der Erlös einem wichtigen Projekt zugute.

Was passiert denn mit den alten Handys? Die Handys werden bei Ihnen eingeschickt. Und dann?
Wir reichen diese bei einer Recyclingfirma ein. Diese zahlen den exakten Restwert jedes Gerätes an die Jesuitenmission. Diese Summe kommt dann dem Projekt von Pater Kroemer in Brasilien zugute der sich seit vielen Jahren für bedrohte Indianervölker im Amazonasgebiet einsetzt. Das Projekt am Amazonas ist Teil der Arbeit von CIMI, dem Indianermissionsrat der brasilianischen Bischofskonferenz.

2008_her_mit_dem_handy_amazonas.jpg


Seit wann läuft die Aktion? Und auf welche Zeit ist sie angelegt?
Die Aktion "Her mit dem Handy!" ist vor einem Monat gestartet. Geplant ist ein langfristiger Aktionszeitraum von circa zwei bis drei Jahren, d.h. bis mindestens 2010.

Wie lässt sich politische Bildung mit der Aktion "Her mit dem Handy!" betreiben?  
Bei der Aktion sind besonders Jugendliche aufgefordert mitzumachen. Sie können ihre eigenen Ideen einbringen und selbst aktiv werden. Gleichzeitig regt die Aktiondazu an, einmal über den eigenen Tellerrand rauszuschauen, in dem man über Themen wie Ungerechtigkeit und Armut in der Welt informiert wird. Auch Schulen sollen aufgerufen werden kreativ zu werden, indem man über Themen wie Ungerechtigkeit und Armut in der Welt informiert wird. Auch Schulen sollen aufgerufen werden, kreativ zu sein,indem sie beispielsweise einen Projekttag mit dem Thema „Eine Welt" gestalten. Hier kommt der ökologische Aspekt ins Spiel. Die Aktion schärft das Bewusstsein für unsere Umwelt. Man kann im kleinen anfangen, indem das Handy nicht im Müll landet, sondern recycelt wird. Mit diesen kleinen Schritten kann man aktiv an einer gerechten Welt mitbauen. Das Motto der werkstatt-weltweit, wird hier gelebt: „Der Welt in die Speichen greifen!", ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer.

Wie kann man sich denn beteiligen?
Die Aktion läuft deutschlandweit. Einzelpersonen können uns ihr Handy zuschicken. Schulen, Pfarreien, Freundeskreise, Gemeinden, Universitäten, Firmen und andere Einrichtungen können das Materialpaket bestellen, das aus einer Sammelbox, Flyern und Plakaten besteht, die Box aufstellen und somit zum Mitmachen motivieren. Auch in Form von Projekttagen oder Workshops können Schulklassen oder Jugendgruppen aktiv werden.

2008_her_mit_dem_handy_150.jpgWas motiviert Sie an der Aktion?
 Natürlich, dass die Resonanz schon jetzt so gut ist. Außerdem, dass es eine Aktion ist, die jeden etwas angeht. Die Bildungsarbeit ist das, was mich motiviert: Mit engagierten Leuten was bewirken und die Welt mitgestalten.

 

 
Gibt es für Sie schon ein persönliches Highlight bei der Aktion?
Auf jeden Fall: Dass der Oberbürgermeister von Nürnberg, Dr. Ulrich Maly, die Schirmherrschaft für die Aktion übernommen hat.

Welche Herausforderungen sehen Sie beim Thema "Eine Welt" in der politischen Bildung?
 Generell die Themen für Jugendliche interessant aufzubereiten. Gerade die Themen Ungerechtigkeit und Armut sind sehr vielschichtig. Diese Herausforderung, das den jungen Leuten nahe zu bringen, sollte man annehmen. Gleichzeitig muss man Jugendlichen zutrauen, dass sie die Vielschichtigkeit und Komplexität verstehen können. Herausfordernd ist auch, dabei nicht die Welt in Nord und Süd zu teilen. Sondern deutlich zu machen, dass es Eine Welt ist - was ich in meinem kleinen Umfeld mache, wirkt sich im Grunde auf die Welt aus.

Mit welchen Einrichtungen und Personen möchten Sie zukünftig (noch) stärker kooperieren?
Für unsere Aktion würde ich mir eine Kooperation mit Jugendzentren, Jugendverbänden, Pfarreien, Schulen und Gemeinden wünschen. Je mehr sich beteiligen, desto mehr können wir zusammen für die Aktion und das Projekt in Brasilien erreichen.

Wie lässt sich politische Bildung am besten vermitteln?
Durch eine gute Aufbereitung der Themen und durch Teilnehmerorientierung. Gerade Jugendlichen sollten die Themen nicht "aufgedrückt werden", sondern gemeinsam mit ihnen entwickelt werden.

Politische Bildung bedeutet für mich...
...einen sehr wichtigen Teil der Bildungsarbeit, der nicht zu missen und nicht zu unterschätzen ist.

Erfolgreiche politische Bildung...
...sensibilisiert für wichtige weltweite Themen, die jeden angehen.

Die Aktion "Her mit dem Handy!" ist erfolgreich weil...
...ganz viele engagierte Leute mitmachen. Und jeder einen kleinen Teil den er leisten kann dazu tut.

Frau Jörg, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Miriam Apffelstaedt.


Weitere Informationen:

Die Internetseite der Aktion:
http://www.handy.jesuitenmission.de


Der Flyer zur Aktion als PDF-Dokument zum Downloadpdf_ico.gif


 
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