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Nina Heinze ist
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien und Bildungstechnologie
an der Universität Augsburg. Dort leitet sie ein Projekt zur Vermittlung von
Informationskompetenz an Hochschulen in Verbindung mit Web 2.0 Technologien.
Zudem beschäftigt sich mit verschiedenen Methoden zur Untersuchung von Web
Usability beim Communication Lab Ulm.
Für Politische Bildung Bayern hat sie das Online-Portal nach
heuristischen Richtlinien auf Usability untersucht.
Frau Heinze, was bezeichnet der Begriff Usability?
Darunter versteht man
Nutzungstauglichkeit und Gebrauchstauglichkeit einer Webseite. Die Usability
ist das Ausmaß, in der die Seite vom User,
dem Nutzer, verwendet werden kann, um Aufgaben zu lösen oder Ziele zu
erreichen, wie zum Beispiel eine Kontaktperson zu finden oder einen Artikel
herunter zu laden. Im Mittelpunkt steht dabei der User. Dieser soll sich auf
der Seite zurechtfinden, relevante Informationen effektiv und effizient finden.
Warum ist die Usability einer Seite wichtig?
Usablity ist wichtig weil
nur ein User oder Kunde, der sich auf einer Webseite zurechtfindet, diese auch
wieder besuchen wird. Der User muss sich wohl fühlen und die Informationen, die
er benötigt, schnell und intuitiv finden. So kehrt ein User immer wieder zur
Seite zurück. Demnach profitiert nicht nur der User von einer guten Usability,
sondern auch der Anbieter der Seite.
Wie genau kann Politische Bildung Bayern von einer
guten Nutzbarkeit der Webseite profitieren?
Gerade bei den Seiten von
Politische Bildung Bayern findet der User eine große Menge von interessanten
und aktuellen Informationen. Die Informationsdichte ist sehr hoch. Die
Usability ist gerade deswegen ein wichtiger Aspekt. Der User muss ohne Probleme
genau die Informationen finden können, die er im Augenblick sucht. Je größer
die Zahl der dargebotenen Informationen ist, desto schwieriger kann dies für den
User sein, da die Komplexität der Vernetzung der Informationen steigt.
Politische Bildung Bayern profitiert von einer guten Usability, weil die User
so die Seite gezielter nutzen, relevante Informationen schnell und einfach
finden, die Seite wiederholt besuchen und wahrscheinlich auch weiter empfehlen.
Welche Möglichkeiten gibt es, eine Webseite auf
Usability zu untersuchen?
Es gibt verschiedene
Methoden, um eine Webseite zu untersuchen. Dazu gehören beispielsweise
Logfile-Analysen, Eye-Tracking-Studien, diverse Befragungsmethoden, oder eben
heuristische Evaluationen. Bei der Wahl einer geeigneten Studie kommt es zum
einen darauf an, was man sich von einer Analyse erhofft und natürlich auch,
welche finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Im Fall von Politische Bildung
Bayern haben wir uns für eine Evaluation nach heuristischen Richtlinien
entschieden.
Was bedeutet das: Evaluation nach heuristischen Richtlinien?
Die so genannte
heuristische Evaluation gilt als ein Teilgebiet der expertenorientierten Evaluation.
Es werden Benutzerschnittstellen mit sinnvollen und gültigen
Usability-Prinzipien verglichen. Diese Prinzipien werden als Heuristiken
beschrieben und sind nichts anderes als Richtlinien für die benutzerfreundliche
Gestaltung von Bedienoberflächen, die auf der Grundlage empirischer
Erkenntnisse von Experten entwickelt wurden. Bei der heuristischen Evaluation
wird die Website umfassend und systematisch begutachtet. Diese Form der
Evaluation bietet eine relativ kostengünstige Möglichkeit, Schwachstellen in
der Usability zu erkennen.
Diese Methode haben sie bei den Webseiten von
Politische Bildung Bayern angewandt?
Ja. Bei der Auswahl der
Heuristik wurde der so genannte Cognitive
Expert Walkthrough gewählt. Das ist ein Verfahren, bei dem die Seiten nach
einem vorgegebenen Kriterienkatalog bewertet werden. Es wurden die sehr
umfangreichen Kriterien von Jakob Nielsen zu Grunde gelegt. Diese sind mit 26
Kategorien und 113 Parametern mit die umfangreichsten Richtlinien, um Webseiten
zu evaluieren.
Und wie hat die Webseite von Politische Bildung
Bayern abgeschnitten?
Sehr gut, muss ich
freudig sagen. Es gab natürlich einige Schwachstellen, die aufgedeckt werden
konnten. Dazu zählen zum Beispiel eine nicht durchgängige Gestaltung einiger
Schnittstellen oder überflüssige Navigationsschritte bei der Suche nach
bestimmten Informationen. Formale Schwachpunkte wie Browserinkompatibilität
oder unnötige Verlinkungen wurden auch gefunden. Alle Probleme und
Schwachstellen können jedoch ohne großen Aufwand behoben werden.
Was zeichnet die Webseiten als positiv aus?
Die
Webseiten des Netzwerks Politische Bildung Bayern sind für seine
unterschiedlichen Zielgruppen durchaus nutzerfreundlich gestaltet. Sie
zeichnen sich durch eine überwiegend klare Navigation und deutliche Darstellung
der Inhalte aus. Der User benötigt keine besonderen Fähigkeiten oder
Kenntnisse, um die Dienste des Portals zu nutzen. Dies ist bei Politische
Bildung Bayern besonders wichtig, da man nicht davon ausgehen kann, dass
potentielle User gute Vorkenntnisse in der Internetnutzung haben.
Frau Heinze, vielen Dank für das Gespräch.
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