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Die Autoren dieses Buches beleuchten
das Thema der Zuwanderung und Integration aus diversen Blickwinkeln heraus. Den
Herausgebern ist es gelungen, interessante und aktuelle Beiträge zu diesem
Thema zusammenzustellen, ohne das vielfach diskutierte Thema stereotyp
erscheinen zu lassen. Die geschichtlichen Wurzeln der Zuwanderung in
Deutschland geben dem Leser einen aufschlussreichen Überblick zum Thema und
ermöglichen eine weitere thematische Vertiefung und Auseinandersetzung mit den
Aspekten der Zuwanderung und Integration. Interessant sind die aktuellen
Bezüge, die Autoren in Ihren Beiträgen herstellen und dem Leser den neuesten
Wissenstand bieten und zum Weiterdenken anregen.
Inhaltliche Zusammenfassung
Die Autoren dieses Buches setzen
sich mit einem hochgradig emotional besetzten Themenfeld aus verschiedenen
Blickwinkeln auseinander und beleuchten diverse Aspekte der Thematik Zuwanderung
und Integration. Den Herausgebern ist es gelungen eine sinnvolle und
interessante Zusammenstellung von Beiträgen zu erreichen, die die Aspekte der
Zuwanderung auf eine gehaltvolle Art und Weise erörtern, ohne die Thematik
erneut platt zu walzen.
Zu Beginn wird ein historischer
Überblick zur politischen Entwicklung in der Zuwanderungspolitik gegeben. Karl-Heinz
Meier-Braun erläutert mithilfe von sieben Phasen den politischen Wandel in
Deutschland bezüglich der Einwanderung. Er stellt die wichtigsten Entwicklungen
und Hintergründe der jahrzehntelangen Politik dar. Die erste Phase der
Ausländerpolitik war geprägt durch die deutsche Arbeitsmarktpolitik und dem
Wiederaufbau im Nachkriegsdeutschland. Im geschichtlichen Verlauf veränderten
sich die Motive und Argumentationen, die politischen Zielrichtungen der
Einwanderung standen unter dem Einfluss der Wirtschaft oder auch der
Wahlkampagnen. Treffend werden gesetzliche Entwicklungen in den einzelnen
Phasen beschrieben und ihr Einfluss auf den weiteren Hergang nachgezeichnet.
Den aktuellen Stand der Zuwanderungspolitik diskutiert der Autor in der siebten
Phase. Diese Phase steht unter der Überschrift: Integration wieder im Mittelpunkt?
Das Fragezeichen deutet auf die kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen
Entwicklung in den Fragen der Integration hin.
Im nächsten Kapitel erläutert Maria Böhmer,
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, die
Schlüsselkonzepte und Hauptaufgaben der Bundesregierung in den Fragen der
Zuwanderung und Integration.
Dieter Oberndörfer
diskutiert die zentralen Aufgaben eines Einwanderungslandes und setzt sich mit
der Frage auseinander, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist. Besonders
kritisch wird das „Einwanderungsbegrenzungsgesetz" diskutiert. Er zeigt die
facettenreichen Aspekte dieses Gesetzes, das vielerlei Prüfungen und
Verordnungen unterliegt und allerlei begrenzt statt erlaubt. Am Ende seines
Beitrages wendet er sich gegen statisch definierte „Leitkultur" in Deutschland,
die scheinbar geschützt und bewahrt werden muss, und setzt sich für ein neues
Verständnis der deutschen Kultur ein, welche Weltoffenheit und Pluralismus
einbezieht und wandlungsfähig ist. „Integration der Migranten ohne Akzeptanz
kultureller Verschiedenartigkeit durch die Mehrheit ist nicht möglich"
(Oberndörfer 2007, S. 84).
Der populistische Begriff von der
„Parallelgesellschaft" wird von Matthias Micus und Franz
Walter diskutiert. Mythen und Bedrohungsszenarien werden in uns
wachgerüttelt und ein Bild der Abgrenzung erscheint vor dem inneren Augen.
Welche gesellschaftlichen Gruppen fallen unter den Begriff „Parallelgesellschaft"?
Und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sind dazu vorhanden? Diese Fragen werden
in diesem Beitrag kontrovers beleuchtet. Der Prozess der Abgrenzung und die
kulturellen Folgen solcher Prozesse führen zur neuen „Kultur der Armut", ohne
Wertmaßstäbe, konsumorientiert und determinieren ein Aufwachsen im kulturellen
Vakuum.
Die erschreckenden Ergebnisse der
PISA-Studie zur Benachteiligung der Migrantenkinder im Bildungsprozess werden
vielfach diskutiert. Inken Keim und Rosemarie Tracy
setzen sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen hinsichtlich Spracherwerb und
-kompetenzen von Migrantenkindern auseinander. An konkreten Beispielen werden
wissenschaftliche Erkenntnisse zum bilingualen Spracherwerb erläutert. Im Fazit
wird eine Forderung nach mehr gezielter Förderung für mehrsprachige Kinder
aufgestellt.
Andreas
M. Wüst setzt sich mit dem Wahlverhalten von Migrantinnen und Migranten
auseinander. Des Weiteren diskutiert er die politische Repräsentation dieser
Gruppe. In seinem Beitrag hebt er die Wichtigkeit der politischen Integration
von Migranten für den Akkulturationsprozess in unserer Gesellschaft hervor.
Genauer geht dieser Beitrag auf die Zielgruppe der Migranten als Wähler ein und
analysiert neben dem Wahlverhalten der Migranten in der Bundesrepublik diese
Wählergruppe im Ausland. Anschließend wird die politische Repräsentation von
Migranten, insbesondere als Kandidaten beleuchtet.
Welche wirtschaftlichen Folgen
die Zuwanderung mit sich bringt, fragt in seinem Beitrag Thomas Straubhaar. Die
Zuwanderung stellt nicht nur ein aktuelles Anliegen dar, sondern wird auch
zukünftig anhalten und aktuell bleiben. Im Fokus seiner Darstellung steht neben
dem ökonomischen Aspekt der Zuwanderung, die theoretischen Hintergründe zum
Thema Zuwanderung und Wirtschaft und der Zusammenhang zwischen der Zuwanderung
und den sozialen Leistungen. Im Fazit bleibt er unschlüssig, die ökonomischen
Vor- und Nachteile von Zuwanderung machen die überfälligen Strukturreformen
nicht überflüssig.
Den Einfluss der Migration auf
die Altersstruktur erläutert Herbert Brücker.
Er zeigt anhand von Zahlen und Tabellen die Altersentwicklung in Deutschland
und die Effekte der Zuwanderung auf die Altersstruktur. Vor allem geht er auf
die Frage ein, ob der demografische Alterungsprozess durch mehr Zuwanderung
positiv beeinflusst werden kann. Dabei gelingt es ihm, die komplexen
Zusammenhänge der Einwanderung auf den Wohlfahrtsstaat aufzuzeigen und kritisch
darzustellen.
Massenmedien beeinflussen in
vielerlei Hinsicht die Meinungsbildung in der breiten Bevölkerung. Ob nun die
Medien die Vorurteile abbauen oder verstärken, beleuchtet Christoph Butterwege in seinem
Beitrag. Negative Schlagzeilen und vor allem auf die Kriminalität reduzierte
Beiträge der Medien verstärken die Vorurteile gegenüber Ausländern, Aussiedlern
und Asylbewerbern. Kritisch setzt es sich mit konkreten Beiträgen in der Presse
auseinander und weist auf unseriöse Praktiken hin, die Ängste und Ablehnung
schüren statt Toleranz und Verständnis für Multikulturalität zu fördern.
Adressaten dieses Buches
Das Buch ist für alle LeserInnen
interessant, die sich mit dem Thema der Einwanderung und Integration aus diversen
Blickwinkeln auseinandersetzen wollen. Die Beiträge diskutieren kritisch und
vielseitig das Thema der offenen Gesellschaft. Die Leser können auf einen
präzisen historischen Hintergrund zurückgreifen und bekommen darüber hinaus
Informationen zu aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen in diesem
Themengebiet. Wer präzise und aktuelle Informationen zu diesem brisanten und
vielfach diskutierten Thema sucht, findet in diesem Buch kritische und
interessante Beiträge.
Warum ist dieses Buch lesenswert?
Vielfach werden Argumente in der
Debatte um Migration und Integration gebracht, die sehr plakativ und
oberflächlich formuliert sind. Dieses Buch greift viele Aspekte der Migration
aus gesellschaftlicher, ökonomischer, sozialer und medialer Perspektive auf und
setzt diese zu einem kritischen Ganzen zusammen. Insgesamt liefert das Buch zum
einen Hintergrundwissen über gesetzliche und politische Entwicklung in der Einwanderungsfrage
und zum anderen neue Aspekte in Fragen der Integration.
Die Herausgeber
Siegfried
Frech ist Referent der
Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und dort für die
Zeitschrift „Der Bürger im Staat" und die Didaktische Reihe zuständig. Er hat
einen Lehrauftrag (Didaktik politische Bildung) am Institut für
Politikwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen.
Prof. Dr.
Karl-Heinz Meier-Braun ist seit
vielen Jahren als Wissenschaftler, Journalist und Berater im Bereich der
Integrations- und Ausländerpolitik tätig. Er leitet die Abteilung SWR
International beim Südwestrundfunk in Stuttgart, ist dort Ausländerbeauftragter
des Senders und Honorarprofessor am Institut für Politikwissenschaft der
Universität Tübingen. Als ausgewiesener Kenner der Materie hat Karl-Heinz
Meier-Braun grundlegende Veröffentlichungen zu den Themen Migration, Integration
und Ausländerpolitik publiziert.
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Siegfried
Frech und Karl-Heinz Meier-Braun (Hrg.) 2007:
Die offene Gesellschaft.
Zuwanderung und Integration.
Wochenschau Verlag. Schwalbach/Ts.
ISBN:978-3-89974326-5
16,80 EUR
www.wochenschauverlag.de |
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