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Der Autor zeichnet in seinem Buch die Grundlagen und die
aktuellen Entwicklungen der politischen Bildung nach. Dabei geht er in seinen
Ausführungen von theoretischen und historischen Vorüberlegungen aus, bezieht
dann die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Lernforschung und des
Konstruktivismus ein und entwickelt seine Überlegungen weiter in
Handlungsvorschläge, die Planung und Vorbereitung von Lernangeboten für diverse
Zielgruppen berücksichtigt. Die Auseinandersetzung mit der Lehre und dem Lernen
erweitert die Perspektive und gibt aktuelle Entwicklungen auf diesem Gebiet
weiter. Dieses Buch ist an alle Lehrenden in der politischen Bildung in
unterschiedlichen Institutionen gerichtet.
Inhaltliche Zusammenfassung
Im ersten Kapitel wird die historische Entwicklung der politischen Bildung zu einer
wissenschaftlichen Disziplin nachgezeichnet und die wichtigsten Bausteine, wie
zum Beispiel der Beutelsbacher
Konsens von 1976, genannt, die zu einer
klaren Trennung von professionellen Aufgaben der politischen Bildung und
subjektiven Einstellungen beigetragen haben und damit zu einer fortschreitenden
Professionalisierung dieser Wissenschaftsdisziplin geführt haben. Weiter wird
die Entwicklung der Politikdidaktik als Bezugswissenschaft der politischen
Bildung erörtert, die mit ihren Höhepunkten in den 70ern die Intensivierung der
Forschung unterstützte und darum umso mehr in den 90ern unter der
Krisenstimmung und vor allem unter dem Abbau von Professuren litt. Die
Kernelemente der Politikdidaktik als ein Bindeglied zwischen Wissenschaft und
Praxis liegen in der wissenschaftlichen Arbeit, die ihren Beitrag in der
theoretischen Reflexion, empirischen Arbeiten und der Entwicklung von Tools für
die Gestaltung von Lernumgebungen verankert sieht.
In diesem Kapitel finden Sie
weiterführende Exkurse, die die Themen politisches Lernen, historische
Erblasten in der Aufgabenzuweisung der politischen Bildung und Paradigmabildung
vs. normale Wissenschaft eingehend erörtern.
Politische Bildung in der Demokratie ist Anstiftung zur Freiheit
Das zweite Kapitel fokussiert das Thema Freiheit.
Die politische Bildung wird nicht allein auf reine Wissensvermittlung eingeschränkt
verstanden, sondern umfangreicher als eine aktive Beschäftigung mit den
Regelungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. „Politische Bildung in der
Demokratie ist Anstiftung zur Freiheit" (Sander 2007, S. 53). Dabei wird der
Begriff Freiheit im Zusammenhang mit Demokratie und Demokratietheorien erörtert. Vertiefend wird auf den Begriff der Freiheit
in einer Exkursion eingegangen. Facettenreich setzt sich Wolfgang Sander mit
dem Gegenstandsfeld der politischen Bildung auseinander. Er zeigt das Dilemma
zwischen der Leitidee der begleiteten Unterstützung einerseits und Eingrenzung
und Auswahl des politischen Lerngegenstandes andererseits. Außerdem stellt er
die Frage nach den Themengebieten der politischen Bildung, die zum einen aus
den Wissenschaftsdisziplinen der Politikwissenschaft erwachsen und zum anderen
nicht zwingend dieser zuzuordnen sind, weil das Politische den
Lebenszusammenhang und gesellschaftliche Veränderungsprozesse impliziert. Aus
diesen Fragen und Überlegungen heraus leitet er die Definition der politischen
Bildung ab.
Im darauffolgenden Abschnitt werden Ziele und Kompetenzen der politischen
Bildung diskutiert. Inhaltsreiche Leitbilder der politischen Bildung stehen dem
Ziel der freiheitlichen Selbstentfaltung der Bürgerrolle entgegen und
unterliegen der Gefahr zum Spielball politischer Interessen instrumentalisiert
zu werden. Dagegen zeichnen sich fachspezifische Kompetenzen durch den Erwerb
von politischer Urteils- und Handlungsfähigkeit aus. Die politische Bildung
muss nicht nur das Wissen, sondern auch die methodische Fähigkeiten vermitteln
und auf professionelle
Weise unterstützen können.
Soziales Lernen mit politischen Seiten im Kindergarten -
politische Bildung in der Schule
Im dritten Kapitel werden die Praxisfelder politischer
Bildung erläutert. Zunächst geht es um die vorschulischen Lernorte in der
politischen Sozialisation. Anders als in den 60er und 70er Jahren gilt im Bereich der politischen
Sozialisation nicht mehr das Primat der Familie mit prägenden Erfahrungen
für das politische Verständnis im Erwachsenenalter. Allerdings stellt Familie
die erste Instanz und den ersten Lernort an dem ein Bild von der Welt entsteht.
Im Kindergarten sammeln die jungen Bürgerinnen und Bürger ihre ersten
Erfahrungen mit den Regeln des Zusammenlebens. Darüberhinaus bildet der
Kindergarten in seiner Pluralität an sozialen und kulturellen Differenzen
unserer Gesellschaft ab. Eine Reihe wichtiger Gedanken zum politischen Lernen
und zu den politischen Seiten des sozialen Lernens im Kindergarten werden in
diesem Abschnitt erörtert. Substanzielle Bedeutung als Lernort der politischen
Bildung hat die Schule. Hier findet das fachlich professionalisierte
Lernangebot in der gemeinsamen Auseinandersetzung mit politischen Themen statt.
Kritisch werden die Entwicklungen im Politikunterricht und der Politikdidaktik
in Schulen analysiert. Dazu werden weiterführende Gedanken zu Tendenzen
schulischer Modernisierung in einem Exkurs erläutert.
Im Vergleich zur Vorschulerziehung entwickelt sich die politische Bildung im
Grundschulalter weiter, weil sich die Erfahrungsbereiche, Interessenshorizonte
und kognitiven Fähigkeiten der Grundschulkinder vergrößern. Auf diesen
Entwicklungsfortschritt kann mit didaktisch-methodischen Arrangements aufbauen,
die eine Lernkultur der Selbständigkeit fördern, neue Lernpotenziale erschließen
und die aktive Beteiligung
der Kinder gezielt fördern.
Fächerübergreifende Kooperation mit enormen Stellenwert
Der Fachunterricht in den Sekundarstufen erfordert eine Integration weiterer
Fragen, wie beispielsweise aus der ökonomischen Fachrichtung, in das Fach der
politischen Bildung, weil diese Bereiche im Alltag eine große Nähe aufweisen
und miteinander verknüpft sind. Allerdings sollte im Fach die politische
Urteilsbildung gefördert werden, was die Konzentration und Vermittlung von
politischem Wissen erforderlich macht. Ähnliche Abgrenzungsprobleme bestehen im
Bereich des sozialen Lernens. Zur besseren Zielkontrolle im Fach politische
Bildung wurden Mindestkompetenzen definiert, die im Laufe der Schulzeit im Fach
erworben werden sollten. Wolfgang Sander betont, dass für die Förderung der
Urteilsbildung eine fächerübergreifende Kooperation und eine sinnvolle
Vernetzung verschiedener Fachthemen von einem enormen Stellenwert sind. Solche
fächerübergreifenden Netzwerke und Projekte fördern die Schulkultur und stellen
zugleich Möglichkeit zur Partizipation
von Schülern an schulinternen Entscheidungsprozessen.
Außerschulische politische Bildung beruht auf Freiwilligkeit
Während in der Schule die politischen Kenntnisse im
Fachunterricht vermittelt werden, gründet die außerschulische politische
Bildung auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Bei der Thematisierung der
außerschulischen politischen Bildung ist zum einen zwischen unterschiedlichen
Zielgruppen und zum anderen der Pluralität an freien Trägern zu unterscheiden. Bei
der Gruppe der Jugendlichen geht es um die Begleitung zur Bürgerrolle, während
politische Erwachsenenbildung professionelle Dienstleistungen für Bürger
anbietet. Diese Heterogenität an Ziele und bestehenden Kompetenzen wird in
diesen Beiträgen kurz dargestellt.Führen oder wachsen lassen?Das vierte Kapitel widmet sich den Fragen der Lehre und des Lernens in der
politischen Bildung. Zunächst findet eine begriffliche Auseinandersetzung mit
dem Begriff Lernen statt. Dabei werden theoretische Bezüge zur Begriffsklärung
herangezogen und das Begriffsverständnis bestimmt. Dabei bezieht der Autor die aktuellen
Erkenntnisse aus der Gehirnforschung in seine Überlegungen ein. Eine weiterführende
Auseinandersetzung mit Aspekten konstruktivistischer Theorie zum Lernen findet
in der Exkursion statt. Zu Beginn seiner Erläuterungen zur Rolle des Lehrenden
in der politischen Bildung, stellt er mit Worten von Theodor Litt die bekannte
pädagogische Frage nach der Aufgabe des Lehrende im Verhältnis zum Lernenden: „Führen
oder wachsen lassen"? Aus dieser Argumentation heraus wird die Aufgabe des
Lehrenden auf das „Begleiten" zusammengeführt und mit Hilfe von
Kompetenzanforderungen an Lehrende näher erläutert. Darüberhinaus stellt er die Frage, was man in
der politischen Bildung über Politik lernen kann. Um diese Frage beantworten zu
können, betrachtet er nicht nur die didaktischen Aspekte hinsichtlich der
Lerngegenstände der politischen Bildung, sondern analysiert im Weiteren
mithilfe von verschiedenen Zonen des Politischen, die von der Oberfläche bis
zum Kern die Repräsentanzen und Konstruktionen von Politik abbilden, die
Lerngegenstände. Im Anschluss daran geht es um die Tools für die Planung von
Lernangeboten in der politischen Bildung. Insgesamt werden vier Tools
vorgestellt, die sich inhaltlich mit den Bereichen Didaktik, Grundsituationen
des Lernens, Methoden und Medien befassen.
Das letzte Kapitel bietet eine
Zusammenfassung von dargestellten Gedankengängen und inhaltlichen
Auseinandersetzung mit den Lerngegenständen der politischen Bildung. Es leitet
thematisch zur Erörterung von Vorbereitung und Planung von Lernangeboten in der
politischen Bildung. Der Autor bietet konkrete Vorschläge und erörtert
systematisch die Einflussfaktoren, die signifikant für die Planung des
Lernangebotes sind. Darüber hinaus diskutiert er die Probleme der
Leistungsbewertung im Fachunterricht, sowie die Besonderheiten in der Planung
der außerschulischen Lernangebote, die ein besonders Augenmerk auf die
Bedarfsanalyse und Analyse der Zielgruppe legen sollte.
Adressaten dieses Buches:
Das Buch ist an Lehrerinnen und
Lehrer, sowie andere pädagogische Fachkräfte gerichtet, die politische Bildung
zum Lerngegenstand innehaben. Es richtet sich an Mitarbeiter in verschiedenen
Institutionen und behandelt keine spezifischen Thematiken, sondern erläutert
die grundsätzlichen Themen und Fragestellungen der politischen Bildung. Es gibt
einen ersten Überblick zu didaktischen Grundlagen der politischen Bildung und
geht konkret auf verschiedene Zielgruppen in institutionellen Einrichtungen
ein. Die Auseinandersetzung mit der Lehre und dem Lernen erweitert die
Perspektive und gibt aktuelle Entwicklungen auf diesem Gebiet weiter. Dieses
Buch ist an alle Lehrende in der politischen Bildung in unterschiedlichen
Institutionen gerichtet.
Warum ist dieses Buch lesenswert?
Dem Autor ist es gelungen
traditionelle Richtungen der Didaktik in der politischen Bildung mit neuen
wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Gehirnforschung und Konstruktivismus
zu verbinden und daraus gewinnbringende Gedanken zur Gestaltung des
Fachunterrichtes zu entfalten. Außerdem geht er in seinen Ausführungen zunächst
von den theoretischen Vorüberlegungen aus und entwickelt sie dann zu konkreten
Handlungsmöglichkeiten, die in der Vorbereitung und Planung von Lernangeboten
verankert werden können.
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Wolfgang Sander (2008 3.Auflage)
Politik entdecken - Freiheit leben.
Didaktische Grundlagen politischer Bildung.
Wochenschau Verlag. Schwalbach/Ts.
ISBN: 978-3-89974386-9
19,80 EUR
www.wochenschauverlag.de
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Zum Autor:
Prof. Dr. Wolfgang
Sander forscht seit vielen Jahren im Bereich Didaktik der politischen
Bildung und hat eine Professur am Institut für Didaktik der
Sozialwissenschaften in Gießen. Seit 2002 ist er Mitglied des
Wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für politische Bildung und des
Wissenschaftlichen Ausschusses des Georg-Eckert-Instituts für Internationale
Schulbuchforschung in Braunschweig. Seine wissenschaftlichen
Arbeitsschwerpunkte konzentrieren sich vor allem auf die Geschichte, Theorie
und Didaktik der politischen Bildung in Schule und Erwachsenenbildung. Weitere
Forschungsschwerpunkte beziehen sich auf das medienbezogene Lernen und digitale
Medien in der politischen Bildung.
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