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„Wo hat der Bürgermeister schon im Sand gespielt und sich im tiefen Matsch so richtig wohlgefühlt?“ so besingt Rolf Zuckowski in seinem Lied den Kindergarten. Tatsächlich machen die jungen Bürgerinnen und Bürger ihre ersten Erfahrungen mit gesellschaftspolitischen Themen außerhalb der Familie im Kindergarten, und zwar nicht nur der zukünftige Bürgermeister, sondern alle, die sich in Zukunft aktiv in Gesellschaft und Politik einbringen können.
In der wissenschaftlichen Debatte zur politischen Sozialisation wurden zwei Thesen verfolgt: die Kristallisationsthese
, die von einer prägenden Wirkung früh erworbener politischer
Einstellungen und Kompetenzen ausgeht und die Persistenzthese, die von
einem tiefgreifenden und bestimmenden Einfluss von Orientierungen und
Kenntnissen von Kindern und Jugendlichen auf das spätere
Erwachsenenalter ausgeht (Jan W. van Deth 2005).
Die beiden Thesen machen auf die frühen Lernprozesse der Kinder
aufmerksam und lenken den Blick auf die jungen Bürger an verschiedenen
Lernorten unserer Gesellschaft.
Aus den Interviews mit sechsjährigen Kindern werden (Vor)Verständnis, Grundorientierung und Wissen junger Kinder zu politischen Themenbereichen ersichtlich (Berton/Schäfer 2005). Betrachtet man die aktuellen Untersuchungen zur politischen Sozialisation, so stellt man fest, dass Kinder keine „unbeschriebenen Blätter“ in Bezug auf Politik und Gesellschaft sind. So zeigen beispielsweise die Ergebnisse aus der World Vision Kinderstudie 2007, dass 40% der befragten 8 bis 11jährigen Kinder angeben, dass bei ihnen zu Hause „oft“ über Politik geredet wird. Wird allerdings direkt nach dem Interesse für Politik gefragt, so wendet sich das Blatt. Unter den politisch Interessierten ordnen sich nur 7-9% der 8 bis 11jährigen Kinder ein, was von den Autoren auf die Reproduktion von gesellschaftlicher Mehrheitsbestimmung zurückgeführt wird (Schneekloth/Leven 2007, S. 208). Weiter wird aus den Untersuchungsergebnissen deutlich, dass die Beeinflussung der Medien in der Meinungsbildung und Wahrnehmung politischer Ereignisse auf keinen Fall zu unterschätzen ist.
In der Tat beschränken sich politische Sozialisation und politisches Lernen nicht allein auf den reinen Konsum politischer Inhalte, sondern erstrecken sich weiter auf die Beteiligung und Mitbestimmung der Kinder an Entscheidungsprozessen oder Lösungsstrategien. Das bedeutet für die pädagogischen Handlungsfelder, die Potenziale aufzugreifen und bereits im Kindergarten die Kinder auf die soziale und politische Welt neugierig zu machen. Die Ausbildung und Förderung der politischen Urteilsbildung erfolgt entsprechend vorhandener Lernpotenziale und muss altersgemäß für die junge Zielgruppe aufbereitetet werden. Die Kinder für die Vielfalt menschlicher Lebensformen zu sensibilisieren und mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen, zählt zu den ersten Schritten auf dem Weg zum demokratischen Leben und Lernen am vorschulischen Lernort – dem Kindergarten.
Politische Bildung in der Grundschule kann ein professionelles Lernangebot im Politikunterricht anbieten und gleichzeitig auf der Handlungsebene das konkrete demokratische Handeln einüben. Die Schule bietet als ein institutioneller Lernort wichtige Anlässe und Gelegenheiten für soziales und politisches Lernen. Ein Diskurs über die Regeln des gemeinschaftlichen Zusammenlebens oder auch Problemlösungsstrategien bei Konflikten oder Entscheidungen fügt die Bereiche des sozialen und politischen Lernens zusammen und schafft somit Berührungspunkte an die man weiterführende Inhalte anknüpfen kann. Die Kinder im Grundschulalter verfügen bereits über erweiterte kognitive und kommunikative Möglichkeiten, die ihnen eine Beschäftigung mit abstrakten Inhalten wie Integration, Umwelt, Wirtschaft oder Kommunalpolitik ermöglichen. Die Themenfelder der politischen Bildung können fächerübergreifend und vernetzt mit anderen Fachgebieten zum Erfahrungslernen beitragen.
Abgesehen von schulischen Lernmöglichkeiten gibt es eine Reihe von außerschulischen Aktionen und Projekten, die politische Partizipation von Kindern ermöglichen. Insbesondere in den Kommunen können verschiedene Formen von Kinder- und Jugendbeteiligung verwirklicht werden.
Die Idee, politische Bildung für Kinder im Vorschul- und Grundschulbereich zu thematisieren und Netzwerke in diesem Bereich zu schaffen, wurde im Rahmen des Netzwerkes Politische Bildung Schwaben
entwickelt und im Rahmen des ersten bayerischen Vernetzungsforums weiter verfolgt und konkretisiert. Mit diesem Schwerpunkt werden entsprechende Angebote, Positionen und Konzepte recherchiert und zusammen gestellt. Falls Sie in diesem Bereich tätig sind, laden wir Sie herzlich ein, Ihren Beitrag an
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zu senden.
Literatur:
Richter, Dagmar (Hrsg.) (2007): Politische Bildung von Anfang an. Demokratie-Lernen in der Grundschule. Schwalbach/Ts.
Sander, Wolfgang (2007): Politik entdecken – Freiheit leben. Didaktische Grundlagen politischer Bildung. Schwalbach/Ts.
Schneekloth, Ulrich/Leven, Ingo (2007): Wünsche, Ängste und erste politische Interessen. In: Hurrelmann, Klaus/ Andresen, Sabine. Kinder in Deutschland.1. World Vision Kinderstudie. Frankfurt am Main.
van Deth, Jan.W. (2005): Kinder und Politik. In: Sozialisation von Kindern. Aus Politik und Zeitgeschichte. 41/2005. Beilage zur Wochenzeitung. Das Parlament.
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