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Das Münchner Kinder- und Jugendforum hat schon einige
Projekte zur Förderung gesellschaftlicher Partizipation von Kindern initiiert.
Auch der Kinder-Aktions-Koffer bietet schon jungen Kindern vielseitige
Möglichkeiten, sich an der Gestaltung Ihrer Stadt zu beteiligen.
Wir trafen Marion Schäfer vom Kinderforum und sprachen mit ihr über die Chancen
des Projekts „Auf die Perspektive kommt es an - Münchner Kinder mischen mit.
Der Kinder-Aktions-Koffer."
Hallo Frau Schäfer. Was ist denn eigentlich der
Kinder-Aktions-Koffer?
Der Kinder-Aktions-Koffer ist ein Methodenset zur Beteiligung von Kindern und
jüngeren Jugendlichen an der Stadtentwicklung und -gestaltung. Es handelt sich
tatsächlich um einen Koffer, der ein umfassendes Methodenhandbuch, Fotoapparate
und Filme, ein Aufnahmegerät mit Mikrofon und einen Kassettenrekorder
beinhaltet.
Im Kernstück des Koffers, dem Methodenhandbuch, sind alle unsere Erfahrungen
zur Beteiligung von Kindern an der Stadtentwicklung aufgeführt, wie
beispielsweise eine Stadtteilumfrage oder ein Psychotest „Was für ein
Stadtteiltyp bist du?", aber auch Theater- und Medienaktionen. Anhand von
Altersempfehlungen und Angaben zum benötigten Material und der Zeit können die
MultiplikatorInnen die für Ihre Situation passende Methode auswählen und dann
sofort mit der Umsetzung beginnen.
Wann und weshalb wurde das Projekt ins Leben gerufen?
MitarbeiterInnen des Kinder- und Jugendforums haben die Erfahrung gemacht, dass
viele Personen, die mit Kindern arbeiten, häufig theoretisch schon daran interessiert sind, nach den Interessen von Kindern zu
forschen und in dieser Richtung weiterzuarbeiten, dies in der Praxis allerdings
aufgrund eingeschränkter Zeitressourcen selten umgesetzt wird. Daher wollten
wir den Aufwand für MultitplikatorInnen so gering wie möglich halten und hatten
1999 in Moosach die Idee, ihnen ganz konkrete Ideen und Materialien an die Hand
zu geben und so die Beteiligung von Kindern auszuweiten.
Wer kann den Koffer nutzen?
Der Koffer ist zunächst für alle bestimmt die mit Kindern arbeiten. Also
beispielsweise LehrerInnen, HortmitarbeiterInnen, LeiterInnen von
Ministrantengruppen oder auch Menschen, die in Asylbewerberheimen tätig sind. Ihnen
soll dabei geholfen werden, die Partizipation von Kindern anzuregen.
Es gibt insgesamt fünf dieser Koffer in München und sie sollen zusammen für
eine überschaubare Zeit von ca. zwei bis fünf Monaten in einen von 25
Stadtbezirken verliehen werden. In dem interessierten Bezirk machen wir vom
Kinderforum zunächst einen Informationsnachmittag für alle Akteure im
Stadtteil. Anschließend gibt es eine verantwortliche Person im Stadtteil, die
den Verleih der Koffer koordiniert.
Wie muss man sich den konkreten Einsatz des Kinder-Aktions-Koffers
vorstellen?
Wenn man mit dem Kinder-Aktions-Koffer arbeiten möchte, empfehlen wir mit dem
Stadtteilfragebogen zu beginnen, um herauszufinden welche konkrete Themen in
der Stadt - wie beispielsweise Verkehr oder Freizeitmöglichkeiten - die Kinder
wirklich interessieren. Zu diesen und anderen Themen finden sich im zweiten
Teil des Handbuchs konkrete Aktionsvorschläge, die natürlich als Anregung
gedacht sind und eigenen Ideen nicht im Wege stehen sollen.
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| Logo des Projekts |
Die Kinder machen dann beispielsweise einen Stadtteilspaziergang, interviewen
die dort lebenden Bürger und machen dann vielleicht eine Fotoausstellung zu
Freizeitmöglichkeiten in ihrem Stadtteil. Wir betreuen die Aktion auch während
der Durchführung ein wenig, indem wir für Fragen und Probleme ansprechbar sind
und beispielsweise schon organisatorische Vorbereitungen für eine
Abschlussveranstaltung gemeinsam mit den MultiplikatorInnen treffen. Diese
Veranstaltung ist meist eine Art Forum, auf dem die Kinder noch einmal
öffentlich vortragen können, welche Dinge sie im Stadtteil stören, was sie sich
wünschen und was ihnen gut gefällt. Hier übernehmen die dazu eingeladenen
PolitikerInnen und MitarbeiterInnen aus der Stadtverwaltung Patenschaften für
die Anträge der Kinder und bemühen sich darum, dass diese so bald wie möglich
umgesetzt werden. Diese Funktion übernimmt auch unsere wichtigste Kooperationspartnerin,
die städtische Kinderbeauftragte, die nach der Abschlussveranstaltung Treffen
mit den Erwachsenen und den Politikern organisiert und mit der Stadtverwaltung
zusammenarbeitet, um den Prozess der Umsetzung voranzutreiben.
Ein Jahr nach Abschluss des Projekts wird vom Büro der
Kinderbeauftragten von jedem Stadtteil und allen Aktionen eine Dokumentation
erstellt, die alle Anliegen und Anträge der Kinder, den Verlauf des Projekts
und auch erste Ergebnisse zusammenfassend darstellt.
Das Besondere an diesem Projekt ist die enge Kooperation von
Verwaltung und freien Trägern, unter Einbeziehung von lokaler Fachbasis und
Stadtbezirkspolitikern.
Was ist Ihnen an dem Projekt besonders wichtig?
Uns geht es nicht nur darum, bei den Kindern ein Interesse am Stadtteil zu
wecken, sondern vor allem darum, dass die Kinder merken, wenn sie sich für
etwas interessieren und engagieren und ihre Meinung öffentlich kundtun, dann
werden ihre Anliegen im möglichen Rahmen auch umgesetzt. Natürlich machen wir
den Kindern bereits im Vorfeld klar, dass es sich hier nicht um ein
Wunschkonzert handelt, dass sie jedoch den Erwachsenen ihre Anliegen
unterbreiten können, dass sie ernst genommen werden und dass versucht wird,
diese so weit wie möglich unter Einbindung der Kinder zu realisieren. Ziel ist
es, möglichst viele Kinderanliegen in möglichst kurzer Zeit umzusetzen, aber
auch die mittel- und langfristigen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Um
die Kinder nicht zu frustrieren, ist eine möglichst zeitnahe Umsetzung auch nur
kleiner Aspekte sehr wichtig.
An dieser Stelle sei auch der Kinderplanbauwagen genannt,
ein Projekt des Vereins Urbanes Wohnen
/ Grüne Schul- und Spielhöfe, mit dem wir häufig kooperieren, wenn es um
die konkrete Umgestaltung beispielsweise eines Pausenhofs geht.
Wesentlich für den Erfolg des Koffereinsatzes ist zudem die Anwesenheit einer
verantwortlichen Person im Stadtteil, die das Projekt koordiniert und Menschen
mobilisiert, da wir von außerhalb gar nicht den Blick für alle wichtigen
Aspekte vor Ort haben können.
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Kinder mit dem Kinder-Aktions-Koffer
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Welche persönliche Motivation haben Sie, den Kinder-Aktions-Koffer zu
betreuen?
Ich merke, dass hier etwas in Bewegung gerät. Durch unsere Koordination der
Projekte sitzen viele Akteure aus einem Stadtteil zum ersten Mal an einem Tisch
und arbeiten nachdem wir weg sind zusammen weiter. Man bringt oft einen Stein
ins Rollen.
Welche konkreten Erfolge wurden beispielsweise mit Ihrem Projekt erzielt?
In Berg am Laim konnte beispielsweise eine neue Freizeiteinrichtung für Kinder
und Jugendliche errichtet werden. Das war ein sehr großer Erfolg. In anderen
Stadtteilen wurden Streetballkörbe aufgehängt oder die Straßenbeleuchtung an
einigen Stellen optimiert. Die Ergebnisse der Aktionen sind so vielfältig wie
die Interessen der Kinder.
Mit welchen Personen oder Institutionen würden Sie gerne
enger zusammenarbeiten?
Wir hätten gerne noch mehr Partner in der Verwaltung und da vor allem Menschen,
die die Idee unseres Projekts gut finden, die sich also auch die zusätzliche
Arbeit machen möchten, die die Auseinandersetzung mit den Kinderinteressen mit
sich bringt. Diese direkte Arbeit mit den Kindern hat aber natürlich einen
großen langfristigen Nutzen, nämlich das langfristige Engagement der
Bürgerinnen und Bürger für Ihre Stadt. Davon würden wir gerne viele Menschen in
der Verwaltung, der Politik und im Speziellen an der Stadtspitze überzeugen.
Für das Gelingen der Aktionen ist der persönliche Kontakt zu
den MitarbeiterInnen in der Verwaltung von großer Bedeutung.
Politische Bildung bedeutet für mich...
... die Kinder und Jugendlichen dazu zu motivieren und sie darin zu
bestärken, ihre Meinung zu vertreten und nicht zu sagen „Da kann man ja sowieso
nichts machen!".
Erfolgreiche politische Bildung...
...bedeutet, dass man mit einem Projekt weiteres Engagement bei den
Menschen bewirkt.
Unser Projekt ist erfolgreich weil...
...viele verschiedene Akteure an einem Tisch sitzen.
Frau Schäfer, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Das Interview führte
Erika Rempel
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