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Judith Eschenlohr hat bereits viele Projekte der politischen Bildung am Peutinger Gymnasium in Augsburg durchgeführt. Ihr Projekt "WIR FÜR EUCH - WIR FÜR UNS", in dem Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse Hauptschüler mit Lerndefiziten unterstützen, läuft bereits im dritten Jahr und erhielt unter anderem 2007 den Jugendkulturenpreis der Stadt Augsburg. Wir haben mit Frau Eschenlohr über Projekte der politischen Bildung in der Schule gesprochen.
Welche Projekte in der politischen Bildung haben Sie bereits durchgeführt?
Ich kann mich nicht mehr im einzelnen an alle erinnern, aber
im Laufe meiner Dienstzeit kam so einiges zusammen Mein Ausstellungsstück ist
das Projekt „WIR FÜR EUCH - WIR FÜR UNS". Das ist eine Hausaufgabenbetreuung,
die ich an unserer Schule ins Leben gerufen habe. Schülerinnen und Schüler der
9. Jahrgangsstufe betreuen Schülerinnen und Schüler der benachbarten
Hauptschule, die in irgendeiner Form ein Lerndefizit haben. Diese werden bei
uns in einer 1:1-Situation bei den Hausaufgaben unterstützt. Dabei profitieren
alle Beteiligten. Ich begleite diese Aktion mit großer Freude, weil ich glaube,
dass sie gute Erfolge bringt, was Integration und soziales Lernen angeht.
Unsere Schüler lernen Lebenssituationen kennen, mit denen sie so am Gymnasium so nicht in Berührung kämen. Außerdem schärft
es ihre Empathiefähigkeit.
Mit CoActive
habe ich regelmäßig
das Projekt Achtung (+) Toleranz im
Unterricht der Mittelstufe integriert . Außerdem nehmen wir regelmäßig an der
Aktion ‚Change In ' teil. Im vergangenen Schuljahr habe ich inspiriert von einer Ausstellung
im Augsburger Rathaus ein Projekt zum Thema Rechtsradikalismus durchgeführt. Ich
erinnere mich auch noch an eine Aktion vor einigen Jahren, von der die Schüler meiner
Erfahrung nach ganz lange profitieren konnten... Die Schülerinnen und Schüler
der 9. Jahrgangsstufe haben damals Kindern von Asylbewerbern einen schönen
Nachmittag bereitet. Im Vorfeld wurden die Schüler genau darüber informiert,
wie Asylbewerber leben. Aus dieser Unterrichtsreihe erwuchs der Wunsch: „Wir
wollen was tun!", der in diese ‚Aktion schöner Nachmittag' mündete, die die
Jugendlichen weitgehend selbständig organisierten. Diese Schülerinnen und
Schüler haben inzwischen Abitur gemacht und ich habe das Gefühl, dass sie auch
im Nachhinein von dieser Erfahrung profitieren konnten.
Ich bin zudem Schulverbundskoordinatorin für „Jugend
debattiert". Dies ist ein Projekt der Hertie-Stiftung, das durch das
Einüben von Debatte als
Kommunikationsform die Demokratiefähigkeit der Jugendlichen fördern will.
Welche Erfahrungen haben Sie: Was nehmen Schülerinnen und Schüler besonders gut auf?
In Projekten allgemein mache ich gute Erfahrungen, wenn
Schülerinnen und Schüler mit Herz und Hand arbeiten. Ich habe den Eindruck,
dass damit ganz viel hängen bleibt.
In meinem Beruf ist
der Erfolg der Bemühungen ja nicht so offenkundig wie bei einem Gärtner, der
sät und dann im besten Fall eine große Ernte einfährt. Ich hoffe immer sehr,
dass die Projekte eine nachhaltige Wirkung haben. Überprüfbar ist diese
Wirksamkeit bei Lernleistungen jedoch generell nur schwer.
Offenkundig ist meiner Meinung nach, dass gerade in der
Pubertät, die Schülerinnen und Schüler
sehr offen und sensibel für die Lebenssituationen anderer Menschen sind. Man
unterstellt jungen Menschen in dieser Zeit gerne, dass sie so ruppig und
unsensibel sind. Das sind sie ja in der Tat auch manchmal. Aber sie haben doch
eine große Offenheit für besondere Bedürfnisse anderer. Wenn sie dann in die
Welt gehen können und das Gefühl bekommen, selbst etwas bewirken zu können, dann
sind die meisten dieser Jugendlichen hochmotiviert. Dadurch nehmen sie
Eindrücke mit, die sie sehr lange bei sich behalten und nach denen sie u.U. auch
ihr Leben ausrichten.
Was motiviert Sie? Ist das die Hoffnung auf nachhaltige Erfahrungen?
Ja. Das ist meine Art politischen Engagements. Ich bin nicht
parteipolitisch organisiert oder in einer Interessengruppe aktiv. Aber ich möchte
auf diese Art versuchen, meinen
gesellschaftspolitischen Beitrag zu leisten. Dafür investiere ich gerne öfter
mal mehr Zeit als es ‚normaler Unterricht' erfordern würde.
Glauben Sie, dass Demokratie-Lernen an der Schule besonders durch Projekte gefördert wird?
Ich glaube schon. Auch wenn es zunächst nicht so aussieht. Auf den ersten Blick ist man sicher versucht
zu sagen: „Naja die machen da halt irgend so ein sozialpolitisches Projekt." Aber
meiner Meinung nach umfasst Demokratie-Lernen
ja nun nicht nur zu lernen, dass Mehrheiten und Minderheiten um eine
Entscheidung konkurrieren, politische Institutionen und deren Kompetenzen
erfassen u.s.w.. Demokrat sein, bedeutet sicher auch Hinschauen können, Zuhören
können, Dinge abwägen können und Toleranz beweisen. Genau diese Seite der
Demokratiefähigkeit versuche durch vielerlei Projekte neben der Vermittlung
politischer Theorie zu berücksichtigen.
Gibt es Grenzen an der Institution Schule?
Ja, sicher. Grob zusammengefasst kann man sagen,
dass die finanziellen Mittel häufig eine Hürde darstellen. Wenn ich Projekte
durchführe, dann ist immer eine der ersten Fragen, wer zahlt es? Diese
Schwierigkeiten sind sicher nicht spezifisch für unser Gymnasium, sondern betrifft
Schulen ganz allgemein.
Gibt es für Sie ein persönliches Highlight?
Stolz war ich auf das Gelingen des Projekts „WIR FÜR EUCH - WIR FÜR UNS". Ein Highlight ist, wenn irgendein Schüler oder eine Schülerin endlich den Mund aufmacht. Dann sagt man: „Ja, jetzt hat er/sie was kapiert. Jetzt ist er/sie einfach politisch ein Stück weit aktiviert worden." Das sind die alltäglichen Highlights. Es müssen nicht immer die großen, plakativen Aktionen sein, dass man einen Preis bekommt oder der Bürgermeister gratuliert. Natürlich, es ehrt und schmeichelt, aber die Highlights sind kleiner.
Politische Bildung bedeutet für mich...
...vielfältige Perspektiven des eigenen Tuns eröffnen.
Erfolgreiche politische Bildung...
...muss mit Herz und Verstand erfolgen.
Das Projekt „WIR FÜR EUCH - WIR FÜR UNS" ist erfolgreich, weil...
...Schülerinnen und Schüler in realen Situationen arbeiten, lernen und etwas bewegen können.
Frau Eschenlohr, wir danken Ihnen für das Interview.
Das Interview führte Miriam Apffelstaedt.
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