|
„Schüler des Gymnasiums sollen geistig besonders
beweglich und phantasievoll sein, gern und schnell, zielstrebig und
differenziert lernen sowie über ein gutes Gedächtnis verfügen. Sie müssen die
Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln
mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinanderzusetzen und dabei zunehmend die
Fähigkeit zu Abstraktion und flexiblem Denken, zu eigenständiger Problemlösung
und zur zielgerichteten Zusammenarbeit in der Gruppe entwickeln" - Auszug aus
dem Lehrplan für das Gymnasium in Bayern
- Kapitel 1.1. Abschnitt 2.
Mit seiner Monographie „Schüler schreiben Geschichte - Kreatives
Schreiben im Geschichtsunterricht zwischen Fiktionalität und Faktizität" möchte
Josef Memminger einen akzentuierten Beitrag zur methodisch-didaktischen
Ausgestaltung des Geschichtsunterrichts im Sinn des zitierten Lehrplans leisten.
Akzentuiert ist dieser Beitrag deshalb, weil er
mit seiner Arbeit ein Plädoyer für eine stärkere Integration kreativer
Schreibformen in den Geschichtsunterricht leistet. Diese Methode(n) sind seiner
Meinung nach in ganz besonderer Weise dazu geeignet, die eigenständige und
motivierte Auseinandersetzung mit geschichtlichen Themen, die Herausforderung
zur Übernahme unterschiedlicher und gegensätzlicher Perspektiven, die Anwendung
flexiblen Denkens auf Sachthemen, die Wiederholung und Vertiefung von Inhalten sowie
fächerübergreifendes Lernen gleichermaßen in sich zu integrieren.
Zum Inhalt
Dabei steht dem Autor stets das Spannungsverhältnis von Fiktionalität und
Faktizität vor Augen - denn es gibt sicherlich jene, die diese Art von Methode,
gerade im Bereich der Geschichte, wo es doch um historische ‚Fakten' geht, mit
Argwohn betrachten. Memminger widmet der theoretischen Fundierung seines
methodischen Ansatzes - sicher auch auf dem Hintergrund möglicher Einwände -
ein eigenes Theoriekapitel. Seine Stellung zum eben beschriebenen
Spannungsverhältnis lautet dann wie folgt: Nicht Fiktionalität versus Faktizität, sondern
„Fiktionalität (wo es möglich und zweckmäßig ist) und Faktizität". Sein Statement lautet: „Dass Fakten und Tatsachen
nicht verfälscht werden dürfen, ist eine zwingende Voraussetzung. Vielmehr sind
alternative Zugänge zur Geschichte gefragt, die Fantasie und Kreativität in
Anspruch nehmen".
Kreatives Schreiben heißen dabei für Memminger alle Formen des Schreibens, die
über Analyseaufträge oder die bloße Wiedergabe von Fakten oder Wissen
hinausgehen, also z.B. spielerische, prosaische oder fiktive Formen annehmen
und Phantasie und Kreativität besonders ansprechen. Gelingt diese Art zu
schreiben in der Umsetzung durch die Schüler, spiegelt sie dadurch nachweislich
„die Fähigkeit zu historischem Denken und Verstehen" wider.
Damit sie gelingt, liefert Memminger nicht nur eine theoretische Analyse, sondern
stellt eine ganze Reihe von praktischen Beispielen aus eigener Erfahrung und
der Erfahrung von Kollegen unter dem Motto „Kreatives Schreiben im Praxistest"
ausführlich vor, freilich nicht ohne sie auf wissenschaftliche Weise zu bewerten
und die Effekte auf Seiten der Schüler mittels qualitativer
Forschungsstrategien zu untersuchen. In diesem Zuge werden einzelne
Unterrichtsarrangements bzw. -einheiten inklusive der Ergebnisse der kreativen
Schreibaufgaben dargestellt und bewertet - mit teilweise erstaunlich positiven
Leistungen auf Seiten der Schüler. Sein Fazit: Schüler können, wollen und sollen kreativ schreiben.
Darüber hinaus bietet ein eigener Teil des Buches demjenigen, der Anregungen
für die eigene Praxis sucht, eine unter Berücksichtigung von Kategorien wie
Zieldimension, Jahrgangsstufe und Anspruchsniveau geordnete Übersicht mit über
30 verschiedenen Formen kreativen Schreibens, darunter so verschiedene wie beispielsweise:
„Acrostics
bilden", „Tagebucheinträge verfassen", „Quellen perspektivisch
umschreiben", „zu Bildern schreiben", „Glossen schreiben", „Dialoge und
Streitgespräche schreiben", „Lyrik produzieren" u.a.m. Positiv fällt hier auf,
das der Autor alle diese Formen mit gelungenen, leicht nachvollziehbaren und
verständlichen Beispielen illustriert.
Fazit
Der Titel „Schüler schreiben Geschichte" ist seiner Konzeption nach in der
Hauptsache für den Geschichtsdidaktiker in der Schule resp. dem Gymnasium
gedacht - der grundsätzliche methodische Zugang zum „Inhalt" Geschichte ist
jedoch auf andere Vermittlungskontexte und Schulformen übertragbar, wodurch
sich die Zielgruppe der potentiell Interessierten für dieses Werk ausweitet. Wenn
auch kreatives Schreiben nicht die
Methode der Methoden ist - was Memminger auch gar nicht vermitteln will - so
werden dem Leser doch sehr schnell und facettenreich mögliche Anwendungsgebiete
der Methode des kreativen Schreibens vor Augen gemalt, die ihm helfen, sein
bereits vorhandenes Methodenrepertoire in diese Richtung zu erweitern. Wer also
„Vermittlungstätiger" in Bezug auf historische Inhalte ist, für den könnte sich
Memmingers Titel in theoretischer wie auch in praktischer Hinsicht zu gleichen
Teilen (!) als Inspirationsquelle lohnen.
 |
Titel: Schüler schreiben Geschichte - Kreatives
Schreiben im Geschichtsunterricht zwischen Fiktionalität und Faktizität
Autor: Josef Memminger
Erschienen: 2007
ISBN: 978-3-89974384-5
Zu beziehen bei:
www.wochenschau-verlag.de
|
|