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Wer kennt sie nicht, die anschaulich bebilderten
Bände im Hardcover-Format des Tessloff Verlags, die seit 1963 zu den
unterschiedlichsten Themen und Wissensgebieten für Kinder und Jugendliche
zwischen 8 und 14 Jahren erscheinen. Es wird nur wenige städtische Büchereien
geben, in denen nicht zumindest eine Auswahl aus der inzwischen 127 Titel
umfassenden Reihe zu finden ist, deren Autoren sich zum Ziel gesetzt haben, die
Informationen für die dargestellten Zusammenhänge verständlich und doch mit
einem Anspruch aufzubereiten, der sich in vielen Bereichen auch vor dem eines
Schulbuchs nicht zu verstecken braucht.
Wir haben einen Blick in die beiden für den Themenbereich unseres Portals
besonders interessanten Bände mit den Titeln „Deutschland" und „Demokratie"
geworfen.
Deutschland
Die Herausforderung, ein ganzes Land in einem Band thematisch zu behandeln ist
natürlich groß und wurde innerhalb der Reihe daher auch noch nie versucht. Der
Tessloff Verlag vertraut diese Aufgabe dem Fernsehmoderator (ARD-Morgenmagazin)
und studierten Geschichts- und Politikwissenschaftler Sven Lorig an. Der nimmt
die Herausforderung an und stellt sich die Frage: Was ist - bei aller Vielfalt
- nun „typisch deutsch"`, was ist „typisch für Deutschland"? Lorig ist sich
sicher: „Deutschland ist ein spannendes Land, bei dem es sich lohnt, genauer
hinzusehen".
Und so wird der Leser auf 48 Seiten durch die Auswahl „Geografie und Natur",
„Schlaglichter der deutschen Geschichte", „Das politische System",
„Gesellschaft und Kultur" und „Die deutsche Wirtschaft" geführt. Fällt der Teil
über Geografie und Natur mit 4 Seiten noch sehr knapp aus, widmet sich der
Autor auf insgesamt 13 Seiten der deutschen Geschichte - dieser Teil wird damit
zum ausführlichsten des Bandes und zeichnet die Geschichte des Landes von der
Zeit der Römer, über die Reformation, den Dreißigjährigen Krieg, die deutsche
Revolution von 1848, die Weimarer Republik und natürlich die beiden Weltkriege
und die NS-Diktatur. Besonders lobenswert erscheint die Behandlung des Problems
einer gelingenden (demokratischen) Staatlichkeit, die sich zunächst bis zum Punkt
der Machtergreifung Hitlers durch die Gesamtdarstellung zieht. Diese Linie
wird, nachdem der geschichtliche Teil mit der Wiedervereinigung endet,
fortgesetzt: und zwar mit der Erklärung des auf dem Grundgesetz beruhenden
politischen Systems, seiner Prinzipien (wie z.B. der Gewaltenteilung) und deren
wesentlicher Funktionsträger (wie z.B. Bundestag, Bundesrat und die Parteien).
Nach einer Einordnung Deutschland in den europäischen Kontext widmet sich Lorig
im letzten Drittel des Bandes noch gesellschaftlichen und kulturellen Aspekten
und in einem gesonderten Kapitel dem Thema „Wirtschaft". Hier geht er von
aktuellen Problemstellungen aus. Beispielsweise behandelt er die bundesdeutsche
Gesellschaftsstruktur anhand einer Darstellung
der Alterspyramide unter der Frage „Warum überaltert unsere Gesellschaft?" und
im Bereich der Wirtschaft behandelt er die Frage der Arbeitslosigkeit und der
Globalisierung mit wenigen Zeilen unter dem Aspekt „Welche Probleme hat die
Deutsche Wirtschaft?". Abgeschlossen wird der Band mit einer schön gestalteten
Zeitleiste in der die politischen (nicht die kulturellen) Ereignisse in und um
Deutschland dargestellt werden.
Fazit:
Lorigs Antwort auf die Problemstellung, ein komplexes Land in wenigen
Seiten darzustellen, macht einen gelungen Eindruck, wenn auch das Empfinden entsteht,
dass die Gewichtung des Bandes doch deutlich von der Sichtweise des Historikers
und Politologen geprägt ist - was die Betreiber eines Portals zur Politischen
Bildung freut, mag den kulturbegeisterten Germanisten, der sich für Goethe und
Schiller dann doch mehr als einen Satz wünscht, betrüben.
Demokratie
Der Band über die „Demokratie" hat es scheinbar leichter, denn sein Thema ist
singulär - und so fällt auch die Gliederung als Auswahl der wesentlichen
Aspekte leichter. Zunächst werden in einem kurzen Überblick die Kernbereiche
dessen vermittelt, was man unter „Demokratie" versteht, z.B., dass Entscheidungen
durch Wahlen und Abstimmungen getroffen werden oder dass das Recht bzw. die
Verfassung in einer Demokratie an oberster Stelle stehen. Die einzelnen Punkte
der Erklärung gliedern sich in überschaubare Abschnitte anhand von Fragen wie
„Wofür braucht man einen Staat?", „Was sind die Kennzeichen einer Demokratie?",
„Was sind die Menschenrechte?". Diese fragende Struktur zieht sich durch den
kompletten Band, der in seinem zweiten Teil die Entstehungs- und
Entwicklungsgeschichte der Demokratie behandelt. Er beschäftigt sich mit der
athenischen Demokratie, der Bedeutung der Magna Charta als Idee der Bindung
aller Bürger (auch der Könige) an das Recht und der Entstehung des englischen
Parlaments. Natürlich fehlt die Bedeutung der Aufklärung und die Französische
Revolution nicht. Doch auch auf feinere Zusammenhänge verweist der Autor: zum
Beispiel im Zusammenhang mit der Reformation auf die durch sie bedeutend
gemachte Idee der Gleichheit der Menschen vor Gott und die daraus entstehende
Dynamik für die (Ideen-)Geschichte der Demokratie; oder z.B. auch auf den
Zusammenhang, den das sogenannte Hambacher Fest als Vorlauf zur
Nationalversammlung und der ersten deutschen Verfassung von 1848 einnahm. Der
relativ große historische Abschnitt (15 von 48 Seiten) endet mit der Gründung
der Bundesrepublik.
Darauf folgt - wenn man so will - der systematische Teil, in dem die
Funktionsweise eines demokratischen Staates erklärt wird. Die Themen hier sind
u.a.: direkte und repräsentative Demokratie, Aufgaben des Parlaments, Rolle der
Opposition, das Prinzip der Gewaltenteilung. Sicherlich hätte man diesen Teil
auch ausweiten können, doch machen die ausgewählten Aspekte in sich und in
ihrem Zusammenhang Sinn. Positiv fällt auch der - wenn auch sehr knappe - Seitenblick
auf Österreich und die Schweiz in Blick auf Ähnlichkeiten und Unterschiede zum
bundesdeutschen System auf. In einem letzten Abschnitt widmet sich der Autor
dem Thema der „Gefährdung und Verteidigung der Demokratie" - es wird versucht
den Wert der Demokratie (z.B. auf kommunaler Ebene) und ihre Bedrohung (z.B.
durch rechtsextreme Gruppierungen) zu kontrastieren und die Antwort auf die
Frage „Warum sich jeder Mensch für Politik interessieren sollte?" zu geben -
nicht ohne dabei dem Schreckgespenst der „Politikverdrossenheit" entgegenwirken
zu wollen. Das diese moralisierende Art und Weise das Thema zu behandeln, bei
Kindern und Jugendlichen nicht unbedingt angebracht und auch vielfach gar nicht
nötig ist, zeigt unter anderem der Beitrag „Auslaufmodell
Demokratie?" auf unserer Webseite.
Fazit:
Man mag sich über den in dieser Rezension gepflegten doch recht sachlichen Stil
wundern, mit dem hier zwei Kinder- und Jugendbücher (!) rezensiert werden. Aus
unserer Sicht spricht die Tatsache, dass es überhaupt möglich ist, die beiden
Bände in dieser Art und Weise zu besprechen, für ihre inhaltliche Qualität. Sie
zeigen, dass konkretes Wissen über Politik und die Geschichte des eigenen
Landes für das Alter ihrer Zielgruppe vermittelbar und über eine entsprechend
präsentierte Gestaltung durch konkret formulierte Fragen auch Interesse weckbar
ist. Jedoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass sicherlich eine grundsätzliche
Neugier auf Seiten des jungen Lesers oder der jungen Leserin vorhanden sein
muss, um sich den präsentierten Inhalten wirklich zu widmen - ebenso wie ein
gewisses Maß an sprachlicher Grundkompetenz.
Titel und Links
Was ist Was - Band 126: Deutschland
Von
Sven Lorig, illustriert von Eberhard Reimann, Hardcover, 48 Seiten, 20,5 x 27,3
cm, ab 8 Jahren, ISBN/Artikelnummer: 978-3-7886-1513-0
Was ist Was - Band 103:
Demokratie
Von
Claus Peter Hutter, illustriert von Peter Klaucke, Hardcover, 48 Seiten, 21 x
28 cm, mit vielen farbigen Fotos, Zeichnungen und Themenkästen, ab 8
Jahren ISBN/Artikelnummer:
978-3-7886-0666-4
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