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CHANGE ist ein Erziehungs- und Bildungsprogramm des
Vereins Power for Peace und tritt gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit und für
Toleranz und Demokratie ein.
Das Programm thematisiert Konflikt- und Krisensituationen, Gefühle und
Emotionen. Konstruktive Lösungen werden gemeinsam mit der Zielgruppe, ideologiegefährdete Jungen
und jungen Männern, erarbeitet und präventiv, positiv auf Lebensgeschichten
eingewirkt.
Im Mittelpunkt steht die biografische
Selbstreflexion, der Erwerb von Wissen und die praktische Anwendung erworbener
Konflikt- und Problemlösungsstrategien.
Wir haben mit der Gründerin und
Vorstandsvorsitzenden des Vereins Power
for Peace, Ellen M. Zitzmann gesprochen.
Frau Zitzmann, was ist, kurz gesagt,
die Idee des Projekts CHANGE?
Wir möchten mit
unserem Projekt auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse
gezielte und strukturierte Präventionsarbeit gegen Gewalt, Rechtsextremismus
und Fremdenfeindlichkeit bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern
leisten.
Welche Ziele verfolgen Sie?
Uns ist die Reduktion und vor allem die Prävention von gewalttätigen und
fremdenfeindlichen Einstellungen besonders wichtig. Hier arbeiten wir unter
anderem eltern- und bezugspersonenorientiert. Wir möchten aber auch soziale und
emotionale Kompetenzen stärken und Schutzfaktoren bei Jugendlichen und jungen
Erwachsenen aufbauen. Weitere Ziele des CHANGE-Trainingsprogramms sind die
Persönlichkeitsentwicklung und Lebenslaufplanung.
Durch kooperative Lernmethoden, heterogene Lerngruppen, die zur Verbesserung
interkultureller Beziehungen beitragen und durch das Training sozial-kognitiver
Fähigkeiten, möchten wir darüber hinaus dem Vorurteilsdenken und der
Vorurteilskriminalität vorbeugen.
Wer ist an dem Projekt CHANGE beteiligt?
Wir arbeiten mit sehr vielen verschiedenen Kooperationspartnern zusammen.
Konkret sind das: das Bundesprogramm „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt,
Toleranz und Demokratie" vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen
und Jugendliche, das Bayerische Staatsministerium der Justiz und für
Verbraucher-schutz, die Jugendstrafanstalt Laufen-Lebenau in Oberbayern, die
Kriminologische Zentralstelle (KrimZ) Wiesbaden, der Verfassungsschutz Hamburg
und der Ernst Klett Verlag, Stuttgart. Zudem fungiert meine Firma
„ZEMprocessConsulting" in Tutzing als Unterstützung und das Projekt ist immer
wieder auf die Hilfe von freiberuflichen SpezialistInnen in den Bereichen
Internet, Marketing und Pressearbeit sowie auf das Engagement erfahrener
Trainerinnen und Trainer angewiesen. Wir sind auch sehr froh um die Hilfe von
Eltern, Bezugspersonen, Lehrerinnen und Lehrern, sozialpädagogischen und
psychologischen Fachkräften und den Beamtinnen und Beamten der
Justizvollzugsanstalten.
Wie nehmen die Jungen und jungen Männer
das Trainingskonzept auf? Sind sie zunächst zögerlich?
Ganz im Gegenteil! Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade die
männlichen Jugendlichen und die jungen Männer sehr positiv reagieren. Bisher
gab es weder „Abbrüche" noch „Hinauswürfe". Den Teilnehmern gefällt die Themen-
und Methodenvielfalt, wie auch der kooperative Führungsstil und die
vertrauensvolle (Lern-)Atmosphäre. Unter www.powerforpeace.de kann man sich direkte Feedbacks der
teilnehmenden Jugendlichen in unserem PfP-Podcast-Programm anhören.
Was ist das Besondere an CHANGE?
Bei CHANGE handelt es sich
um ein strukturiertes und ausbaubares Präventionsprogramm mit der Möglichkeit
zum selbsttätigen Lernen, anhand von Arbeitsbüchern, Portfolio, Lehrer- und
Mentorenhandbüchern.
Ab 2010 werden wir auch ein interaktives Familientraining anbieten, da uns die
Einbindung von Eltern und Bezugspersonen sehr wichtig ist.
Das Programm zeichnet sich zudem durch seine Methodenvielfalt aus: Wir arbeiten
mit einer Kombination aus Stoffvermittlung, interaktiven Übungen, Selbststudium
und Arbeitsgruppen. Es wird auch versucht, auf Grundlage der Genderpädagogik
jungenspezifische Bedürfnisse und Interessen zu berücksichtigen.
Es ist uns wichtig, dass Jugendliche gezielt auf
der persönlichen Ebene angesprochen und mit Erfahrungen konfrontiert werden,
die für sie nachvollziehbar sind. So ist es ihnen dann auch möglich, andere
Realitäten wahrzunehmen und zu akzeptieren oder beispielsweise Verständnis für
Flüchtlinge zu entwickeln, wodurch Vorurteile über das angebliche Luxusleben
von Migrantinnen und Migranten in Deutschland relativiert werden können.
Wir versuchen auch, einen Bezug zu Gleichaltrigen aus anderen „Welten"
herzustellen, beispielsweise durch die Lebensgeschichten von jungen
Widerstandskämpfern wie es zum Beispiel der 18-jährige Walter Klingenbeck im
Dritten Reich war.
Gewinnbringend ist immer die Einbeziehung von beispielsweise Beamten der
Justizvollzugsanstalten. Auch der Kontakt zu unterschiedlichen Berufsfeldern
(z.B. Schreinerei, Schlosserhandwerk, Tischlerei, Maurerhandwerk...) macht das
„reale Leben" für unsere Zielgruppe erfahrbar.
Die Durchsetzung von Regeln, sowie eventuell notwendige Grenzsetzungen erfolgen
bei CHANGE sach- und
verhaltensbezogen.
Was motiviert Sie mit dem Projekt CHANGE zu
arbeiten?
Diese Tätigkeit erweitert meinen Horizont und schult meinen Geist. Es freut
mich, dass ich jungen Menschen gerade in Zeiten von gesellschaftlichen Krisen
und Veränderungen auch anhand meines eigenen Lebenswegs Wissen, Erfahrung und
die Bedeutung von Bildung vermitteln kann.
Die unverbrauchte und frische Lern- und Arbeitsdynamik bei Jugendlichen und
jungen Erwachsenen bereitet mir in der Arbeit mit ihnen besondere Freude. Ihre
hohe Experimentier- und Bewegungsfreudigkeit empfinde ich als sehr spannend,
herausfordernd und anregend.
Gibt es für Sie ein persönliches Highlight in Ihrer Arbeit mit CHANGE?
Ich denke, dass es sehr viele Höhepunkte in meiner Arbeit gibt, die meist
mit den unmittelbaren Lernerfolgen der Teilnehmenden zu tun haben. Es freut
mich, wenn junge Menschen mit weniger Ängsten in die Zukunft blicken, oder ihre
eigene (Lebens-)Situation realistischer einschätzen können. Einmal hat
beispielsweise der soziale Dienst der JVA über einen Teilnehmer gesagt: „Vor
der Inhaftierung war er Mitglied in einer rechtsradikalen Gruppe. Er hat sich
im Verlauf des Trainings von dieser Gruppe distanziert. Das Training
unterstützte ihn und zeigte ihm Alternativen für eine konstruktive
Zukunftsgestaltung auf."
Welche Herausforderungen sehen Sie in der politischen Bildung, wenn Sie an Ihre
Erfahrungen aus dem Projekt CHANGE denken?
Zukünftig wird es für das Projekt weiterhin wichtig sein,
Erkenntnisse aus verschiedenen fachwissenschaftlichen Bereichen, wie der
pädagogischen Psychologie, der Pädagogik, Soziologie und der Kriminologie
aufzugreifen, sich auszutauschen und entsprechende Experten einzubinden. Diese
Erkenntnisse gilt es in praktische
Handlungsansätze und -konzepte umzusetzen und gemäß den realen Anforderungen
anzupassen. Wie Sie sehen, nehmen wir die Verantwortung für die
interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr ernst.
Wie lässt sich politische Bildung am besten vermitteln?
Politische Bildungsarbeit
muss bedarfs- und erfahrungsorientiert, allerdings ohne erhobenen Zeigefinger
funktionieren. Ich denke, hier geht es immer um die schrittweise und
langjährige Umsetzung einer großen Vision, die ohne Geduld und ohne ein dem
Menschen zugewandtes Menschenbild nicht auskommt.
In meinen Augen ist politische Bildung ein wichtiger Mosaikstein im
Zusammenspiel mit anderen (Fach-)Bereichen. Mitunter kann sie anderen
(Fach-)Disziplinen die Augen öffnen und sie miteinander vernetzen.
Mit welchen Einrichtungen und Personen würden Sie in Zukunft gerne (noch)
stärker kooperieren?
Ich kann mir
vorstellen, mit der Polizei und der Justiz sowie mit Jugendämtern noch
intensiver zusammenzuarbeiten. Aber auch die Kooperation mit Institutionen der
Aus- und Weiterbildung, wie Akademien und Universitäten ist für unser Projekt
von großer Bedeutung.
Politische Bildung bedeutet für mich...
... das Bewusstwerden demokratischer Prozesse und das Erleben von
demokratischem Handeln.
Erfolgreiche politische Bildung...
... hinterfragt und erneuert sich und bietet eine Kommunikationsplattform für
alle Menschen, unabhängig von Bildung, Status, Religion, Kultur und Sprache.
Das
Projekt CHANGE ist
erfolgreich...
... weil wir Vertrauen,
verbunden mit Respekt, Toleranz und Empathie als tragendes
Fundament in unsere Beziehungen einbringen. Zum Selbstverständnis des Vereins
gehört darüber hinaus ein Experimentierfeld, in dem alle Mitwirkenden
gleichberechtigt zusammenarbeiten und ihre Fähigkeiten einbringen können.
Frau Zitzmann, wir bedanken uns für das Gespräch!
Das Interview führte Miriam Apffelstaedt
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