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Neuland ist eine Reise durch Kleinstädte und Dörfer in Ostdeutschland. Der Film zeigt die alltäglichen Probleme mit denen die Menschen zu kämpfen haben und lässt diese zu Wort kommen. Er zeigt gescheiterte und erfolgreiche Projekte, die diesen Problemen entgegen wirken. Die Fachakademien in Hof zeigten den Film zu Beginn des Schuljahres in einer Vormittagsveranstaltung und diskutierten anschließend mit dem Macher des Films Holger Lauinger. "Insgesamt herrschten bei den Studierenden gleichzeitig Betroffenheit
und eine Aufbruchstimmung," so Nanne Wienands, Lehrerin an der Akademie für Sozialpädagogik in Hof und Organisatorin der Veranstaltung. Wir haben mit Frau Wienands gesprochen.
Wie sind Sie auf die
Idee zu dieser Veranstaltung gekommen?
Ich habe den Film bei einer Abendveranstaltung im Urlaub an
der Ostsee gesehen. Während der Veranstaltung kam mir der Gedanke, dass ich
diesen Film gerne an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Hof
zeigen würde. Ich habe mich gleich mit Holger
Lauinger, der diesen Film gedreht hat, darüber unterhalten.
Was hat Sie an Neuland berührt und was war Ihnen besonders wichtig?
Berührt hat mich, dass im Film die unterschiedlichsten
Projekte gezeigt werden, die alle aus der Bevölkerung heraus gewachsen sind.
Gezeigt werden sowohl Projekte die gescheitert sind als
auch erfolgreiche Projekte. Es wird die Entwicklung in unterschiedlichen
Regionen der neuen Bundesländer gezeigt. Hof liegt in der Grenzregion der alten
Bundesländer und ich konnte viele Parallelen feststellen: Der
Bevölkerungsschwund, das Sterben der kleinen Ortschaften und die Hilflosigkeit
der Bevölkerung gegenüber der Entwicklung. Dies ist in Ost und West durchaus
vergleichbar, auch wenn die Dramatik sich nicht eins zu eins entspricht. Die
ist im Osten weitaus stärker.
Dazu kam, dass in dem Film ein Projekt gezeigt wird, das
sich mit der Auseinandersetzung mit Rechtsextremen und Rechtsradikalismus
befasst. Dies hat mich berührt, da unsere Schule eine „Schule ohne Rassismus -
Schule mit Courage"
ist. Mir war es
wichtig, zu Beginn des Schuljahres diesen Film zu zeigen, damit alle unsere
Studierenden an der Fachakademie unser Anliegen verinnerlichen.
Es war mucksmäuschenstill als der Film lief und es kam
hinterher zu einer gleichzeitig sachlichen als auch emotionalen Diskussion.
Eingeladen war auch Dr. Simone Richter, die die
Projektstelle gegen Rechtsextremismus in Bad Alexandersbad betreut. Frau
Richter hat von ihrer Arbeit berichtet, das war für die Studierenden sehr
interessant.
Unser Schulleiter Pfarrer Achim Schäfer und ich haben den
Zusammenhang zum Erzieherberuf hergestellt. Die Thematik hat eine ganze Menge
mit dem Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers zu tun:
Man muss als Erzieher wissen, in welchem soziokulturellen und
sozioökologischem Umfeld man arbeitet.
Für die Diskussion war von besonderer Bedeutung, dass etwa
die Hälfte unserer Studierenden aus Sachsen und Thüringen kommen. Auch ein Teil
unserer Praxisstellen liegt in diesen Bundesländern. Dadurch besteht natürlich
eine enge Verbindung zu den jeweiligen Lebensräumen und ein intensiver
Austausch.
Kann das Bewusstsein,
das durch die Veranstaltung hergestellt wurde, auch die Praxis ihrer
Studierenden beeinflussen?
Ich glaube, es ist klar geworden, dass man den Menschen
nicht hilft, in dem man große Leuchtturmprojekte installiert. Das heißt, es
wird ein Projekt mit viel Geld verwirklicht, das von oben herunter geplant und
auf die grüne Wiese gestellt wird. Das funktioniert so nicht. Besser ist es,
festzustellen, wo die Bedürfnisse der Menschen liegen, was können und wollen
sie unterstützen. Man muss sich die Frage stellen: Was kann mit Engagement von
unten so gefördert werden, dass es erfolgreich wird?
Dazu braucht es manchmal keine Millionen Euro an
Fördermitteln, sondern nur eine wohlwollende fachliche Begleitung und die
Sicherstellung der erforderlichen Kosten.
Im Film wird auch gezeigt, dass einige gute Gedanken durch
die Bürokratie zunichte gemacht werden. Ich denke, der Film macht dafür
sensibel und bewirkt, dass man ganz anders wahrnimmt was vor Ort passiert.
Welche Themen haben
die Studierenden in der Diskussion besonders beschäftigt?
Eine Schülerin fühlte sich darin bestärkt, selbst in ein
Wohnprojekt einzusteigen oder selbst eines zu gründen. Eine weitere hat ihre
Betroffenheit darüber ausgedrückt, in welchem Ausmaß soziale Not herrscht und
sich Städte in den neuen Bundesländern verändern. Im Film wird das Beispiel
Reichenbach sehr ausführlich beleuchtet. Dort haben sich ganze Stadtteile
verändert. Insgesamt herrschten bei den Studierenden gleichzeitig Betroffenheit
und eine Aufbruchstimmung. Viele sagten, sie hätten nun einen besseren Blick
bekommen und könnten bestimmte Vorgänge besser zuordnen, in dem sie zum
Beispiel die wirtschaftliche Situation von arbeitslos gewordenen Eltern besser
nachvollziehen können und die Notwendigkeit einer guten Betreuung von Kindern
sehen. Unsere Studierenden sind ja zum großen Teil in der Zeit der Wende zur
Welt gekommen.
Es ging auch um die Frage, ob man einem anders geprägten
Land unsere gesellschaftliche Struktur überstülpen kann.
Bereichernd war die Anwesenheit von Herrn Lauinger, der den
Blick auf bestimmte Ausschnitte des Films und auf seine Absichten lenken
konnte.
Gab es für sie ein
besonderes Highlight?
Das Highlight waren die Diskussionen, die sich nach dem Film
ergeben haben. Diese haben lange nachgewirkt und wurden Tage später noch weiter
geführt. Es hat mich berührt, dass die Veranstaltung so einen nachhaltigen
Effekt hatte.
Was ist Ihnen bei der
politischen Bildung für den Erzieherberuf besonders wichtig?
Zunächst einmal ist es uns allen wichtig, dass die
Studierenden sich für das politische Alltagsgeschehen im lokalen Bereich wie
auch auf weltpolitischer Ebene interessieren. Es ist für einen Erzieher dringend
notwendig zu wissen, in welchen Zusammenhängen man lebt. Das ist für Gespräche
mit Eltern von Bedeutung, aber auch für die Kinder, die Fragen stellen.
Ein politisches Bewusstsein ist für einen Erzieher aus
meiner Sicht unabdingbar. Daran arbeiten wir durchgehend und fächerübergreifend
während der fünf Jahre dauernden Ausbildung.
Gibt es besondere
Herausforderung, die Sie in der politischen Bildung für den Erzieherberuf
sehen?
Herausforderungen sind grundsätzlich die Erfahrungen, die
die jungen Menschen heutzutage in jede Ausbildung mitbringen. Die Jugendlichen
haben eine ganz andere Kindheit erlebt als z. B. ich sie erlebt habe. Das ist
nicht mehr vergleichbar. Die Interessen, technischen Möglichkeiten und
Informationsmöglichkeiten sind anders. Es ist meines Erachtens wichtig, deutlich zu machen,
was heutzutage politische Realität ist. Zum Beispiel bewusst zu machen, dass es
auch heute noch Hunger, Krieg und Folter gibt.
Selbstverständlich ist es auch wichtig, die Studierenden zu
motivieren zur Wahl zu gehen.
Welche Aktionen haben
Sie im Rahmen des Projekts „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" noch
durchgeführt?
Eine ganze Reihe: Zum Beispiel eine Ausstellung über
jüdische Fußballer im Dritten Reich; wir haben Konfirmanden durch eine
Ausstellung begleitet, die sich mit den Opfern rechtsextremer Gewalt
auseinandergesetzt hat. Wir haben Gespräche mit Zeitzeugen organisiert und uns
über rechtsextreme Symbolik informiert. Im Januar werden wir das Theaterstück
8.8 des BDKJ Bamberg aufführen. Zudem planen wir in diesem Schuljahr eine
Veranstaltung über Menschenrechte.
Das Projekt „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ist
von über 90% der Studierenden befürwortet worden. Es ist Grundlage für
Diskussion und schafft Bewusstsein.
Wie lässt sich politische
Bildung aus Ihrer Sicht am besten vermitteln?
Am besten ist es, wenn man die jungen Menschen weiterbildet
die sich schon interessieren. Darauf kann man aufbauen. Sie haben dann wieder
Einfluss auf andere. Am wichtigsten ist es, dort anzuknüpfen, wo die jungen
Menschen stehen und dies dann stetig zu ergänzen.
Politische Bildung
bedeutet für mich...
...mich aktiv selbst zu beteiligen.
Die Veranstaltung zu Neuland war erfolgreich weil...
...weil der Film interessant war und wir Gäste eingeladen
haben, die mit uns diskutiert haben. Das hat sehr viel Nähe erzeugt.
Frau Wienands, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Miriam Apffelstaedt
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Weitere Informationen zum Film, einen Trailer sowie Kontaktdaten von Holger Lauinger finden Sie auf der Homepage Neuland denken.
Einen Bericht über das Projekt finden Sie hier.
Sein im Schein Filmproduktion
Rungestr. 22-24 R 542
10179 Berlin
tel: 030-24085660
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