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Das „Buddy-Programm“ – Verantwortung verändert Drucken E-Mail
Geschrieben von Christian Fey   
Freitag, 22. Januar 2010

2010_buddy_logo150.jpgDie Vodafone-Stiftung-Deutschland initiierte im Jahr 1999 ein Projekt, das sich zum Ziel setzte, der zunehmenden Gewalt und den verstärkt auftretenden Integrations­schwierigkeiten an Schulen entgegenzuwirken. Das an sich wäre nicht berichtenswert, wenn sich das Projekt nicht durch seinen charakteristischen und vor allem erfolgreichen Ansatz auszeichnen würde. Einen Ansatz, der zeigt: Es ist auch mit (verhältnismäßig) einfachen Mitteln möglich, das soziale Klima an Schulen positiv zu beeinflussen und individuelle Lernerfahrungen für Kinder und Jugendliche zu ermöglichen, bei denen sie Verantwortung für sich und ihre Umwelt übernehmen können und dadurch z.B. Konflikte und Differenzen auf konstruktive Art lösen bzw. vermeiden können.

2005 wurde ein eigener Verein, der buddY e.V., gegründet, um die zunehmende Dynamik und die sich erweiternden Kreise des Projekts besser gestalten und koordinieren zu können. Außerdem wurde das Projekt inhaltlich kontinuierlich weiter entwickelt, so dass die Träger mittlerweile nicht mehr von einem „Projekt", sondern von einem „Programm" sprechen. Ein Programm, das inzwischen immerhin deutschlandweit in über 800 Schulen von der Grundschule bis zum Gymnasium Anwendung findet. Im November 2009 wurde erstmalig ein eigener Bildungskongress unter dem Motto „Schüler machen Schule!" durchgeführt. Das Buddy-Projekt ist außerdem Preisträger des Wettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen" der Bundesregierung und führender Wirtschaftsverbände.

Charakteristika des Programms

Das Programm ist hierarchisch flach aufgebaut und setzt auf die Selbstverbreitung und Selbstorganisation durch Multiplikatoren, d.h. Lehrer und sonstige pädagogische Mitarbeiter werden zu sog. Buddy-Coaches „ausgebildet" und fungieren in dieser Rolle als Impulsgeber und Kompetenzvermittler für Kinder und Jugendliche, die zu „buddys" (engl. für „Kumpel") für ihre Mitschüler bzw. andere Personen des sozialen Nahraums werden. Sie sind, wenn man so will, die eigtl. Akteure und Träger des Buddy-Programms und können und sollen dementsprechend auch selbständig Ideen für ihre Tätigkeit als „Buddy" entwickeln.
Das Programm steht unter dem Motto „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander Lernen" und verdeutlicht die Stoßrichtung der Buddy-Konzeption. Es geht darum, dass junge Menschen durch die Übernahme von Verantwortung in Form von konkreten und überschaubaren Projekten ihre Umwelt und letztlich auch sich selbst positiv beeinflussen. Dabei sind ganz unterschiedlichen Projekte denkbar, die vor Ort je nach vorhandenen Ressourcen, Bedürfnissen bzw. Problemstellungen angepasst werden können - unter anderem darin, also in seiner Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, liegt eine der Stärken des Projekts. Im Folgenden nur ein kleiner Ausschnitt aus bereits realisierten Projekten:
So wurden auf Initiative von Buddy-Coaches und Buddys Patenschaften für jüngere bzw. „neue" Mitschüler organisiert, Lern- und Hausaufgabentreffs angeboten und Schüler zu Streitschlichtern und Mediatoren ausgebildet, die dann sichtbar gekennzeichnet (z.B. durch Armbinden oder Kappen) auf dem Pausenhof präsent waren. Es wurden Musikprojekte gestartet, bei denen nicht Lehrer den Unterricht am Instrument erteilten, sondern die Schüler (buddys) selbst. Auch selbst organisierte Pausenverpflegung, ein Sanitätsdienst oder Computerkurse für ortsansässige Senioren zählen zum Projektspektrum. Ein Buddy-Projekt muss nicht zwingend direkten schulischen Zusammenhang haben. Vielmehr geht es darum, ein an die Grundprinzipien des Programms angelehntes Konzept zu verwirklichen.
Die Buddy-Initiatoren benennen vier pädagogische Säulen, auf denen das gesamte Programm fußt. Da wäre zum einen das Prinzip der „Peer-Group-Education", d.h. der Vermittlung von Kompetenzen und Wissen durch Gleichaltrige als Form sozialen Lernens, bei der letztlich Lehren und Lernen situativ ineinander verschränkt sind. Dazu gehört folgerichtig das Prinzip der „Lebensweltorientierung": Projekte werden aus den Bedürfnissen und innerhalb des Erfahrungsraums der Jugendlichen selbst entwickelt. Außerdem das Prinzip „Partizipation" , das für offene und für alle örtlichen Schüler und pädagogischen Mitarbeiter zugängliche Projektentwürfe sorgen soll. Zu guter Letzt nennen die Projektinitiatoren das Prinzip „Selbstwirksamkeit", d.h. dass teilnehmende Schüler die Erfahrung machen, dass sie mit ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten positive Wirkungen erzielen können und von anderen gebraucht und wertgeschätzt werden.
2010_buddy_foto400.jpg

Ein Buch zum Programm mit dem Titel „Das Buddy-Prinzip" kann hier erworben werden. Dort findet sich auch ein kostenloser Flyer, der unter anderem die Schritte einer möglichen Umsetzung an einer Schule beschreibt. Hierzu bieten die Projektinitiatoren Schulen ein fünftägiges, auf die Dauer eines Schuljahres verteiltes, Trainingsprogramm für Pädagogen an, bei dem diese mit den Prinzipien des Programms und ihrer Rolle als Coach vertraut gemacht werden. Dort werden auf der Grundlage einer Bedarfsanalyse (Audit) bereits mögliche Projekte entworfen.

Fazit

Die Präsidentin von buddY e.V., Prof. Dr. Rita Süssmuth, betont, dass das buddy-Programm beispielhaft dafür sei, dass es möglich ist, kognitives und soziales Lernen konstruktiv zu verbinden. Die Trennung dieser beiden Pole des Lernens sieht sie als Defizit des in Deutschland (noch) vorherrschenden Verständnisses von „Schule". Pointiert formuliert sie: „Wenn ich im Konflikt mit mir selbst oder mit meiner Schulklasse stehen, dann kann ich gar nicht lernen!". Die Erfolgsgeschichten, die das Programm bisher geschrieben hat, geben dieser Sichtweise prinzipiell Recht. Auf der Internetpräsenz des buddY e.V. findet sich ein Verzeichnis aller Schulen und Einrichtungen, an denen das Programm - egal in welcher Form und in welchem Ausmaß - umgesetzt wird. Auch ein eigens eingerichteter Youtube-Kanal dokumentiert gelungene Umsetzungsbeispiele einiger Schulen. Indizien für die Wirksamkeit des Programms liefern auch Evaluationsberichte, die für die Bundesländer Hessen und Niedersachsen vorliegen und die unter anderem eine hohe Akzeptanz von Buddys durch ihre Mitschüler feststellen konnten. Ebenfalls zeigen sie, dass an den Projekten beteiligte Schüler ihre Schule durchschnittlich positiver wahrnehmen. Die vorliegenden Evaluationen leisten jedoch leider keine Analyse des Effekts der implementierten Buddy-Programme auf das gesamte Schulleben, etwa inwiefern durch die Einführung der Programme bestimmte negative Verhaltensweisen, wie beispielsweise die Anwendung von Gewalt oder Mobbing im Schulalltag, abgenommen haben. Auch sollte nicht unbeachtet bleiben, dass das Programm qua Konzeption die stärksten Effekte bei den Buddys selbst erzielt und damit nicht auf alle Schüler einer Schule gleichmäßig einwirkt. Es ist davon auszugehen, dass sich dadurch gewisse Selektionseffekte ergeben.
Positiv fällt insbesondere die inhaltliche Flexibilität des Programms auf, das sich in gehöriger Bescheidenheit als Ergänzung zu weiteren Interventionen zur Schulentwicklung versteht. Diese Flexibilität macht es Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitern leicht, das Konzept an ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten anzupassen und ihre eigenen Ideen und Vorlieben einzubringen.

Links:

Die Internetpräsenz des buddY e.V.

Video-Vorstellung des Projekts auf youtube

Ein Beispielvideo - Pausen-Buddys an der Sachsenwald-Grundschule in Berlin

Info-Seite der initiierenden Vodafone-Stiftung :

Projektberichte aus den Bundesländern Hessen, Thüringen, Niedersachsen und Berlin (mit Projektbeschreibungen, die als Anregung dienen können): http://www.buddy-ev.de/Download/Publikationen/#Abschluss

Das Buch zum Programm: „Das buddy-Prinzip

 
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