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Thomas Bernhardt beschäftigt sich mit dem Einsatz
digitaler Medien im Bildungskontext. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand
im Arbeitsbereich „Didaktische Gestaltung
multimedialer Lernumgebungen" der Universität Bremen interessiert er sich besonders für
den möglichen Einsatz von Web-2.0-Werkzeugen in der persönlichen Lernumgebung.
Darüber und über Web 2.0 in der poltischen Bildung haben wir mit ihm
gesprochen.
Herr
Bernhardt, womit beschäftigen Sie sich beruflich?
Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotionsstudent an der Universität
Bremen im Arbeitsbereich „Didaktische Gestaltung multimedialer Lernumgebungen"
bei Prof. Karsten D. Wolf beschäftige ich mich mit dem Einsatz digitaler Medien
im Bildungskontext. Hierbei interessiert mich besonders der mögliche Einsatz
von Web-2.0-Werkzeugen in der persönlichen Lernumgebung.
Was begeistert
Sie an dem Thema?
Es ist schon erstaunlich, welchen großen Stellenwert das Internet in unserer
aller Leben erreicht hat. Ständig kommen neue Dienste mit den
unterschiedlichsten Nutzungsmöglichkeiten auf und verschwinden häufig auch
sofort wieder. Dabei finde ich spannend, diese Werkzeuge hinsichtlich eines
Einsatzes fürs Lernen zu betrachten, aber natürlich interessiert es mich als
Medienwissenschaftler auch, wie die z.T. neuen Kommunikationsformen unser
Miteinander verändert.
Die
Zielgruppen mit denen Sie arbeiten, sind ja nicht unbedingt medienaffin. - Oder
ist das nur ein Vorurteil von mir? Wie werden die Inhalte angenommen?
In erster Linie sind meine Zielgruppe Studierende und die sind schon
medienaffin, wenn das meint, dass sie Medien (zumindest passiv) nutzen. Auf der
anderen Seite habe ich es ja mit einer speziellen Gruppe von Studierenden zu
tun: den „Paukern von morgen". Hier muss man sagen, dass es mich immer wieder
erstaunt, dass der Einsatz von digitalen Medien und speziell des Internets in
der Schule als eher ungewöhnlich angesehen wird. Klar, deren Schüler sind auf
SchülerVZ, chatten usw., aber dass man das Internet auch sinnvoll einsetzen
kann, verwundert dann doch den ein oder anderen Junglehrer.
Was versteht
man eigentlich unter dem Begriff Web 2.0?
Über den Versionssprung (also vom Web 1.0 zu 2.0) wird versucht insbesondere
auf das Aufbrechen der Grenze zwischen Autor und Nutzer hinzuweisen. Wo es
vorher eine überschaubare Gruppe an Produzenten gab und eine Mehrheit an
Konsumenten, kann seit einigen Jahren jeder zur gleichen Zeit Produzent und
Konsument durch die Möglichkeiten des Mitmachnetzes sein, also sozusagen zum
„Prosumenten" werden.
„Aktives"
Lernen als neue Chance für Bildung? Oder machen wir nur explizit, was in
Lernprozessen immer abläuft?
Sicherlich ist Lernen meist eine aktive Handlung.
Um ein Thema zu verstehen oder um mir die Grundlagen eines Faches anzueignen,
muss ich aktiv werden, um z.B. durch Wiederholung eine längerfristige
Speicherung im Gehirn zu bewirken. Durch das Web 2.0 werden die Möglichkeiten
das Lernen selbst aktiv zu gestaltet erweitert. Dabei können Lehrpersonen eine
veränderte Rolle einnehmen. Sie zeigen Lernenden verschiedene Wege um ein
Thema zu erschließen. Begleiten sie in ihrem Lernprozess, weisen z.B. auf
Ressourcen hin oder helfen weiter, wenn der Lernende nicht weiterkommt. Wichtig
ist hierbei, dass der Lernende ebenfalls aktiv an der Wissensproduktion
teilnehmen kann, in dem er beispielsweise selbst Ressourcen erstellt und diese
mit anderen teilt.
Wenn wir über
politische Bildung sprechen. - Welche Herausforderungen Sehen Sie beim Thema
Web 2.0? Was fehlt? Warum muss sich die politische Bildung dem Thema widmen?
Als Vermittlerinstanz zwischen Bürger und Politik kommt der politischen Bildung
große Bedeutung zu. Das Web 2.0 liefert Werkzeuge, die es grundsätzlich jedem erlauben
aktiv zu werden und an der Gesellschaft zu partizipieren. Daher führt m.E. kein
Weg daran vorbei, dass sich die Akteure politischer Bildung mit diesen
Instrumenten auseinandersetzen.
Was kann Web
2.0 der politischen Bildung bieten?
Wie bereits gesagt, die Werkzeuge des Web 2.0 bieten die Möglichkeit, aktiv an
der Gesellschaft teilzuhaben. Darüberhinaus haben sich Mechanismen im Web 2.0
etabliert, die z.B. bei richtiger Ansprache des Netzes große Wellen auslösen
können.
Reicht es, nur
über Tools, also über die Werkzeuge, zu sprechen, die das Netz bietet?
Dies ist nur der erste Schritt. Danach sollte man überlegen, wie man konkret
den Einzelnen auf die Möglichkeiten hinweist, mit Hilfe der Web-2.0-Werkzeuge
aktiv zu werden.
Wir sprechen
immer über die Medienkompetenz von Jugendlichen, die wir fördern und
unterstützen müssen. Aber müssen wir nicht bei den Erwachsenen, in unserem
Fall, den politischen Bildnern ansetzen?
Ich denke, dass es in allen Altersgruppen Menschen mit einer hohen Affinität zu
Medien gibt und diejenigen die den Medien eher abgeneigt gegenüber stehen. Klar
ist, will ich ein Urteil über die Sinnhaftigkeit des ein oder anderen Werkzeugs
fällen, sollte ich es selbst genutzt haben und dies geht nur mit der nötigen
Medienkompetenz.
Politische Bildung bedeutet für mich...
...Menschen zu mündigen Bürgern machen.
Erfolgreiche politische Bildung...
...mündige Bürger, die sich aktiv an der Gesellschaft beteiligen.
Thomas Bernhardt, wir danken Ihnen für das
Gespräch.
Das Gespräch führte Miriam Apffelstaedt.
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