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FREUNDE – ein Präventionsangebot für Kindertageseinrichtungen Drucken E-Mail
Geschrieben von: Christian Fey   
Montag, den 14. Juni 2010 um 22:32 Uhr
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Unter dem Leitbegriff der "Lebenskompetenzförderungen" (engl. „life skills") sind in Deutschland in den letzten Jahren eine Reihe von Programmen und Initiativen entstanden, viele davon im Bereich der Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Das Konzept Lebenskompetenz umfasst jedoch mehr als eine rein gesundheitspräventive Bedeutungsebene  und in diesem „Mehr" entfaltet es dann auch seine Relevanz für die politische Bildung. Ein Projekt bayerischen Ursprungs, dass sich seiner Entstehung und Zielrichtung nach dem Leitbegriff der „Lebenskompetenzförderung verschreibt" ist FREUNDE, ein Präventionsangebot für Kindertagesstätten, das im letzten Jahr mit dem 1. Preis für Gesundheitsförderung und Prävention der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern und des bayerischen Gesundheitsministeriums ausgezeichnet wurde.

Unter dem Leitbegriff der "Lebenskompetenzförderungen" (engl. „life skills") sind in Deutschland in den letzten Jahren eine Reihe von Programmen und Initiativen entstanden, viele davon im Bereich der Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Auf der Agenda standen hier beispielsweise Themen wie die Förderung gesundheitsförderlicher Lebensweisen und beruflicher Kompetenzen sowie die Prävention von Sucht, Aggressions- und Gewaltproblematiken. Das Konzept Lebenskompetenz umfasst jedoch mehr als eine rein gesundheitspräventive Bedeutungsebene (vgl. hierzu beispielhaft die Interpretation der UNESCO, die den Begriff von seiner allgemeinen Bedeutung für die Entwicklung der Persönlichkeit im Prozess lebenslangen Lernens versteht) und in diesem „Mehr" entfaltet es dann auch seine Relevanz für die politische Bildung. Ein Projekt bayerischen Ursprungs, dass sich seiner Entstehung und Zielrichtung nach dem Leitbegriff der „Lebenskompetenzförderung verschreibt" ist FREUNDE, ein Präventionsangebot für Kindertagesstätten, dass im letzten Jahr mit dem 1. Preis für Gesundheitsförderung und Prävention der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern und des bayerischen Gesundheitsministeriums ausgezeichnet wurde.

Das Projekt entstammt einer Initiative rotarischer Clubs im Chiemgau/Bayern und zielte zunächst vor allem darauf ab, Sucht- und Gewaltprävention endlich auch in den Bereich der frühkindlichen Erziehung, d.h. vor allem in die Kindergärten, zu integrieren. Dass es nötig ist, dafür auch pädagogisches Fachpersonal in diesen Einrichtungen zu sensibilisieren, zu fördern und zu schulen, und außerdem nach Möglichkeit auch die Eltern der Kinder in das Vorhaben zu integrieren, war den Initiatoren von Anfang an bewusst. Daher ist FREUNDE als Fortbildungsprogramm für pädagogisches Fachpersonal in Kindertageseinrichtungen konzipiert und bietet darüber hinaus auch eine Ausbildung zur/zum FREUNDE-TrainerIn an, die sich vor allem an Fachkräfte aus Jugendämtern, Gesundheitsämtern und Beratungsstellen und Fortbildungsinstituten freier Träger, ebenso wie an Fachberatungen für Kindertageseinrichtungen richtet. Die inhaltliche Konzeption von FREUNDE wird dabei von einem Fachbeirat unterstützt, der die Qualität des Programms fördern und sicherstellen soll.

Das Programm von FREUNDE

FREUNDE schließt sich an die Definition der WHO zum Begriff der Lebenskompetenz an. Demnach sei „lebenskompetent" wer sich selbst kennt und mag, empathisch ist, kritisch und kreativ denkt, kommunizieren und Beziehungen führen kann, durchdachte Entscheidungen trifft, erfolgreich Probleme löst und Gefühle und Stress bewältigen kann.
Um entsprechend dieses Verständnisses Angebote zur Förderung von Kindern zu machen, haben die Träger von FREUNDE sechs pädagogische Vorhaben definiert, die quasi einzeln oder zusammen die Bausteine der Umsetzung in einer konkreten Einrichtung darstellen. Von diesen Vorhaben besitzen insbesondere zwei Relevanz unter Gesichtspunkten der politischen Bildung, nämlich einerseits das Vorhaben, dass sich mit dem Thema Mitspracherechte und Beteiligung von Kindern im Kindergarten befasst, und andererseits das Vorhaben, das sich mit der systematischen Bearbeitung und Lösung von Konflikten befasst - sie werden im Folgenden ausführlicher dargestellt. Auf die besondere Stellung des pädagogischen Vorhabens „Kinder reden mit" im Gesamtkonzept weisen die FREUNDE-Verantwortlichen ausdrücklich hin. Bewusst die Kinder aktiv in Entscheidungsprozesse der Einrichtungen einzubeziehen fördere in besonderer Weise und auch nachhaltig die Eigenaktivität der Kinder.
Hier die pädagogischen Vorhaben im Überblick...

FREUNDE - Pädagogische Vorhaben

Element 1: „Mit viel Gefühl"
Umgesetzt durch: eine Projekteinheit zum Thema „Gefühle"

Ziele u.a.: Förderung der emotionalen Kompetenz, eigene und die Gefühle anderer (Empathie) wahrnehmen und mit ihnen umgehen, mit Wut und Stress umgehen

Element 2: „
Kinder reden mit"
Umgesetzt durch:  eine Kinderkonferenz

Ziele u.a.: Selbstvertrauen stärken, Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeit fördern, Verantwortungsübernahme

Textbaustein: Ablauf einer Kinderkonferenz bei FREUNDE

Bei einer Kinderkonferenz handelt es sich um eine spezielle Form der Mitbestimmung. Die Kinder versammeln sich regelmäßig an einem festgelegten Tag. Die Verhaltensregeln für den Ablauf der Kinderkonferenz werden  gemeinsam mit den Kindern festgelegt (z.B. kann das sein „aussprechen lassen", „zuhören", „ernst nehmen", etc.). Im Verlauf der Kinderkonferenz werden dann Themen besprochen, die die Kinder und die Erzieherinnen beschäftigen. Das können ganz einfache Dinge sein, wie die Gestaltung der Turmstunden, Neuanschaffungen für den Kindergarten, Ausflugsziele aber auch Konflikte in der Gruppe. Nachdem alle die Gelegenheit hatten sich zu äußern, wird in der Regel nach demokratischen Gesichtspunkten über Lösungen und Entscheidungen abgestimmt. Methodisch wird das Beispielsweise so gelöst, dass die Kinder sich auf entsprechende Plakate stellen, oder auf ihnen Steine anhäufen können, um so ihre persönliche Wahl zu treffen und gleichzeitig auch eine Mehrheitsentscheidung herbeizuführen.
Aber nicht allein die regelmäßige Durchführung einer Kinderkonferenz ist von Bedeutung. Genauso wichtig oder vielleicht sogar noch wichtiger ist, dass das pädagogische Personal  reflektiert, was Partizipation von Kindern in ihrer Einrichtung für eine Rolle spielt und auf welche Weise sie dort verankert werden kann - dafür ist vor allem eine innere Haltung dem Kind gegenüber nötig, die dessen Kompetenz zur Mitbestimmung auch wahrnimmt und ihm zugesteht. Das Team muss sich auf dieser Grundlage entscheiden, inwieweit und wo sie die Kinder mitbestimmen lassen wollen und wo nicht. Welche Form der Mitbestimmung dann letztendlich gewählt wird, ist zweitrangig.

Element 3: „Selber-mach-Tag"
Umgesetzt durch: Entwickeln eigener Ideen zur Gestaltung des Tages durch die Kinder einmal wöchentlich (sonst benutztes Spielgerät steht nicht zur Verfügung)

Ziele des Vorhabens u.a.: Fördern  der Sozialkompetenz, der Kreativität, Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse, Lösungen suchen

Element 4:
„Gute FREUNDE Spiel"
Umgesetzt durch: ein Spiel, bei dem Regeln und erwünschtes Verhalten gemeinsam definiert werden

Ziele des Vorhabens u.a.: Förderung der Kooperationsbereitschaft, Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen

Element 5: „
Ein Platz zum Streiten"
Umgesetzt durch: Ein durch den/die ErzieherIn geleitetes und moderiertes Konfliktgespräch an einem dafür definierten Ort im Gruppenraum. Dabei werden die Kinder Schritt für Schritt durch die einzelnen Phasen der Konfliktlösung geführt um eine für beide Parteien zufriedenstellende Lösung zu finden.

Ziele des Vorhabens: eigene Lösungen suchen und finden, Einüben konstruktiven Konfliktverhaltens, Entwickeln einer gesunden Streitkultur

Textbaustein: „Ein Platz zum Streiten". Eine Methode zur Konfliktbewältigung und -lösung von FREUNDE - nach FREUNDE-Handbuch

Für den Platz zum Streiten werden 130 x130 cm benötigt. Man kann diesen Platz entweder mit einem Seil markieren, eine Decke oder einen Teppich in dieser Größe auslegen. Nach dem Streit wird der Platz wieder frei geräumt. So kann überall in der Einrichtung gestritten werden und man ist unabhängig von z.B. laufenden Aktionen. Dies verdeutlicht den Kindern: Konflikte aber auch deren Lösung sind immer und überall möglich. Je nach Bedarf können sich die Kinder in eine ruhige Ecke zurückziehen oder auf Wunsch auch andere Kinder mit einbeziehen, die als Helfer oder Beobachter lernen und zur Lösung des Konflikts durch eingebrachte Vorschläge beitragen können - unter der Voraussetzung, dass alle am Streit beteiligten Kinder damit einverstanden sind.

Schritt 1: Die Kinder setzen sich in genügend großer Entfernung voneinander hin und beschreiben (ohne Schimpfwörter und Beleidigungen), was passiert ist. Jedes Kind darf aussprechen und sagen, was ihm wichtig ist. Die Erzieherin kann unterstützend eingreifen durch Wiederholen, Zusammenfassen und Benennen der wichtigsten Punkte.

Schritt 2:
Die Kinder sprechen mit Unterstützung der Erzieherin über ihre Gefühle Nach einiger Zeit, wenn die Kinder ihren eigenen Gefühlen genug Luft gemacht haben, kann die Erzieherin langsam den Kontakt zwischen den Konfliktparteien herstellen und das Einfühlen in den anderen fördern. „Kannst du dir vorstellen, wie es dem anderen geht?".

Schritt 3:
Wenn die Kinder ausreichend über ihre Gefühle gesprochen haben, ändert sich meist deutlich spürbar die Stimmung. Die Erzieherin merkt, dass die Kinder bereit sind, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen und fragt die Kinder, ob sie schon eine Idee für eine Lösung haben. Die Erzieherin fordert nun auch die anderen Kinder auf, Wünsche und Vorschläge für eine Lösung zu machen. Die Erzieherin fasst zusammen und bespricht die Vorschläge. Gemeinsam wird geprüft, ob es Regeln gibt, die jetzt nützlich sein könnten. Die am Streit beteiligten Kinder können zuhören und möglicherweise Ideen für eine Lösung aus der Gruppe bekommen.

Schritt 4:
Sie fragt dann die beteiligten Kinder, welche Möglichkeit sie wählen möchten. Die Erzieherin bittet die Kinder eine Vereinbarung zu treffen. Sie fragt noch einmal nach, ob es so in Ordnung ist oder ob ein Kind noch ein Anliegen hat. Dabei überprüft sie, ob die Kinder entspannt wirken oder ob sie den Eindruck hat, dass ein Kind noch traurig, wütend, ratlos oder unsicher ist. Als Abschluss lobt die Erzieherin die Kinder für ihre Bereitschaft den Konflikt zu lösen und dass sie eine so gute Lösung gefunden haben.

Schritt 5:
Ein paar Stunden später oder in den nächsten Tagen kann die Erzieherin nachfragen ob die Vereinbarungen geklappt haben. Oft ist es jedoch bereits schon offensichtlich, dass der Streit zur Zufriedenheit aller beigelegt ist.

Element 6: „Inseln der Ruhe"
Umgesetzt durch: Ruhe-Rituale und Entspannungsübungen

Ziele des Vorhabens: Konstruktiver Umgang mit Stress, Förderung der Körperwahrnehmung, Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse


Die sechs dargestellten Vorhaben sind modular zu verstehen und können und sollen je nach Bedarf und Vorlieben von einzelnen Einrichtungen gemäß den individuellen Kompetenzen der Fachkräfte umgesetzt werden. Dabei wird besonderen Wert auf langfristige Zusammenarbeit mit den Einrichtungen und deren Vernetzung untereinander gelegt - für diesen Zweck werden im Halbjahresrhythmus sog. Zirkeltreffen initiiert, die dem Austausch und der Reflexion des beteiligten Fachpersonals über ihre Arbeit dienen. Auch regional verfügbare FREUNDE Präventionsfachkräfte leisten hierzu ihren Beitrag. Auf Themengebiete wie die Gestaltung der Zusammenarbeit mit den Eltern oder die geschlechtersensible Prävention wird in speziell dafür angebotenen Aufbauseminaren eingegangen.

FREUNDE zeigt, dass es möglich ist, für die ganz jungen Zielgruppen Programme zu konzipieren, die die soziale, kognitive und emotionale Entwicklung von Kindern günstig beeinflussen können. Dass hierin auch eine Chance (vielleicht sogar auch eine Notwendigkeit?) für die positive Beeinflussung von Kompetenzen, Einstellungen und Überzeugungen liegt, die für die Praxis der politischen Bildung relevant sind, darauf bauen ähnlich gelagerte Projekte wie beispielsweise das bei uns bereits vorgestellte Projekt „Die Kinderstube der Demokratie" aus Schleswig-Holstein.

Wer sich für FREUNDE interessiert, es in seiner eigenen Einrichtung umsetzen möchte oder sich als Freunde-Trainer ausbilden lassen möchte, findet alle nötigen Informationen auf der Projekthomepage.

Links:

FREUNDE - Bausteine zur Förderung der Lebenskompetenz

Förderverein Stiftung Freunde

Publikation der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:
Gesundheitsförderung durch Lebenskompetenzprogramme in Deutschland

UNICEF: Erläuterung zum Begriff „Life-Skills":
hier
und hier


 
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