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Die Entwicklung von Netzwerken Drucken E-Mail
Geschrieben von Egon Endres   
Sonntag, 30. September 2007

2004_endres_1.jpgFür Netzwerke gibt es bislang wenig Kenntnisse über deren systematische Bestandssicherung, Weiterentwicklung und Steuerung. Denn Netzwerke sind komplexe Beziehungsgeflechte, die vielfach unter den Prinzipien von Gegenseitigkeit, Freiwilligkeit und Autonomie einer intensiven Pflege bedürfen. Vor diesem Hintergrund nehmen die Moderation, die Steuerung und das Monitoring von Netzwerken eine wichtige Rolle ein.

Die Standortbestimmung eines Netzwerkes und die Konsensfindung der Beteiligten erfordern in der Regel besondere Foren. Dabei geht es im wesentlichen um die folgenden Fragen

  • Welche Instrumente eignen sich zur Steuerung und Pflege von Netzwerken?

  • Wie lassen sich Feedbackprozesse auf den verschiedenen Ebenen des Netzwerkes unterstützen?

  • Wie lassen sich kritische Erfolgsfaktoren ermitteln und rückkoppeln?

  • Welche Rolle spielen einzelnen Personen im Sinne von Leadership bzw. Führung?

  • Auf welche Weise können Konsensfindungen und neue Koordinationen ermöglicht werden?

Die Entwicklung von Netzwerken macht es erforderlich, vier zentrale Aufgaben zu erfüllen (vgl. Sydow): Selektion, Allokation, Regulation und Evaluation. Bei der Aufgabe der Selektion geht es vor allem um die Auswahl geeigneter Netzwerkpartner. Es versteht sich von selbst, dass jedwede Auswahl gleichzeitig den Ausschluss anderer Personen und Organisationen beinhaltet und implizit strategische Entscheidungen mit sich bringt. Häufig werden in der Initialphase von Netzwerken Partner allerding dahingehend ausgewählt, dass man sich persönlich kennt und freundschaftlich miteinander verbunden ist. Damit besteht die Gefahr, dass bereits bestehende Sternstrukturen von Beziehungen tradiert werden und eine richtungsoffene Vernetzung ausbleibt.

In der Selektionsphase bietet sich das Instrument der Anspruchsgruppenanalyse an, um eine Reflexion über bestehende Netzwerke und deren systemische Wechselbeziehungen zu ermöglichen. Sowohl bei der Formierung als auch der Stabilisierung von Netzwerken können allerdings systematische Evaluationsverfahren stören. Die Anspruchsgruppenanalyse kann indessen im Sinne eines reflexiven Monitorings wirken und den konsensuellen Netzwerkaufbau unterstützen helfen. Wenn sich auch im Einzelfall kein Konsens über Zugangskriterien erzielen lässt, kann zumindest transparent gemacht werden, an welchen Stellen und aus welchem Grund die Maßstäbe der Netzwerkpartner unterschiedlich sind.

Sensibles Vorgehen verlangt die Phase der Allokation, da mit ihr die Verteilung von Aufgaben und die Zuweisung von Ressourcen verbunden ist. Die Ressourcenallokation bezieht sich dabei nicht nur auf die Verteilung der Ressourcen auf die verschiedenen Netzwerkunternehmungen, sondern beinhaltet auch die Frage, ob und ggf. wo Ressourcen im Netzwerk gepoolt werden sollen.

Bei der Regulation der Zusammenarbeit in Netzwerken geht es um die Entwicklung von formalen und informalen Kooperationsregeln. Sie betreffen sowohl die Gestaltung der Binnenstrukturen als auch die Form der Beziehungen nach außen. Davon eingeschlossen ist der Umgang mit Konflikten und Spannungen. Im Kontext von Netzwerken geht es ferner darum, Sinn suchende und Sinn generierende Kooperationsprozesse zu ermöglichen. Die Verständigung über Regeln setzt Dialogforen und Orte des Austauschs voraus. Regionale Qualitätszirkel sind eine geeignete Form, um einen Konsens über gemeinsame Standards und Werte sowie über die Regeln der Zusammenarbeit zu entwickeln. Darüber hinaus bleibt es ein besonderes Problem von Netzwerken, dass die Prinzipien von Freiwilligkeit und Bürgerschaftlichkeit wirksame Sanktionsformen – wie sie beispielsweise in Unternehmensnetzwerken gegeben sind – erschweren. Daran können auch konsensuell abgeleitete Kennzahlen und strategische Projekte nichts ändern.

Schließlich ist das Netzwerkmanagement auf Evaluationen angewiesen. Allerdings bleibt es eine besondere Herausforderung, dass sowohl die Netzwerkpartner als auch der Projektkontext (Gegenstände, Rahmenbedingungen, Ziele) nicht festgeschrieben werden können. Vor diesem Hintergrund sind ausschließlich beteiligungsorientierte Evaluationsinstrumente geeignet, um regionale Innovationen und Lernen zu ermöglichen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Netzwerke eröffnen einen Experimentierraum für Themen, deren sich einzelne Organisationen nicht annehmen wollen oder können. Allerdings verlaufen die Abstimmungen und Aushandlungen in Netzwerken nicht frei von Konflikten und Spannungen. Von entscheidender Bedeutung ist es deshalb, die dabei wirksam werdenden Spannungsverhältnisse abzubauen und die Kohäsionskräfte von Netzwerken gezielt zu stärken

Prof. Dr. Egon Endres ist Professor an der Katholischen Stiftungsfachhochschule in München.

 
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