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Eine umfangreiche Sammlung an Texten aus mehreren
Jahrzehnten über den Zusammenhang von Vorurteilen und Politik, ihre
gesellschaftlich-politische Relevanz und persönliche Auswirkungen auf den
Einzelnen. Die „klassischen“ Arbeiten zum autoritären Charakter bilden eine
Grundlage für die theoretischen Überlegungen und bieten einen guten Überblick
zum Thema. Die zeitgenössischen Texte reflektieren aktuelle und historische
Ereignisse im Lichte der Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit. Mit
abschließendem Ausblick auf pädagogische Intervention und Prävention
thematisiert dieses Buch die Brisanz und andauernde Wirkungsgeschichte des
Themas.
Zum Autor:
Klaus Ahlheim ist Professor für Politische
Erwachsenenbildung an der Universität Duisburg-Essen.
Inhalt - Kurzusammenfassung
Das erste Kapitel – „Sündenböcke, Autoritarismus und
Vorurteil“ widmet sich den „klassischen“ Arbeiten zum Thema Vorurteile. Es
beginnt mit zwei Texten von Gordon W. Allport, die in den fünfziger Jahren
entstanden sind. Der erste Beitrag „Treibjagd auf Sündenböcke“ befasst sich
zunächst mit den Ursachen des „Sündenbock-Phänomens“. In Anlehnung an
historische Ereignisse werden hier Mechanismen der Diskriminierung erläutert
und ihre gesellschaftlich-politische Relevanz dargestellt. Der Autor schafft es
aus persönlicher Betroffenheit dieser Personengruppe heraus einen Blick auf
ihre Ängste, Gefühle und daraus entstehenden Schuldübertragungen zu richten. Er
beschreibt Typen von Sündenpraktikern, ihre Beweggründe und Handlungsweisen.
Auch die Seite des Opfers wird analysiert, insbesondere seine Reaktionen auf
den Angriff. Anschließend widmet sich der Text den Formen der
Sündenbockpraktiken und den Methoden zu ihrer Bekämpfung. An erster Stelle
nennt er die Erziehung zur Einsicht und zum besseren Verständnis als eine
prophylaktische Möglichkeit zur Bekämpfung von Sündenbockpraktiken. Zu
weiterführenden Interventionen gehören die Veränderung der Lebensbedingungen
und gesetzliche Methoden zur Bekämpfung von Diskriminierung.Die zweite Arbeit von Gordon W. Allport „Die Natur des
Vorurteils“ erschien in Deutschland 1971 und wird häufig zu diesem Thema
zitiert. Er setzt sich hier gründlich mit dem Begriff des Vorurteils
auseinander und erarbeitet dazu eine Definition, die in der Zwischenzeit
allgemeingültig ist. Die darauffolgende Charakterisierung der „vorurteiltaften
Persönlichkeit“ erfolgt beruhend auf den damals vorliegenden empirischen
Untersuchungen, die zu der Zeit noch in den Anfängen lagen. Das sieht der Autor
selbst als eines der Probleme und Kritikpunkte.
Die anschließenden Beiträge dieser Sammlung gehen zurück
auf die Studien zum „autoritären Charakter“ von Theodor W. Adorno, die ihre
Anfänge in den Arbeiten am Frankfurter Institut haben. Motiviert durch die
Fragestellung zu Individuen, deren Persönlichkeitsstruktur sie für
„antidemokratische Propaganda“ empfänglich macht, werden basierend auf der
Freud`schen Theorie Charakterstrukturen untersucht. Der Text von Max Horkheimer
befasst sich mit Untersuchungen, die den „Zusammenhang zwischen politischen
Ideologien“ und einer bestimmten „psychischen Beschaffenheit“ aufzeigen. Erich
Fromm ergänzt diese Beiträge mit dem Diskurs zur „autoritären Persönlichkeit“.
Diese Arbeiten bilden die Grundlage für dieses Thema und geben den tiefen
Einblick in ihre Nachhaltigkeit.
Rose Ahlheim stellt die Frage nach dem Zusammenhang von
Sozialisationserfahrungen und Neigung zu Fremdenfeindlichkeit bestimmter
Persönlichkeiten auf. Dabei schafft sie es, basierend auf den obengenannten
Arbeiten, reflektiert eine Verbindung zu aktuellen Überlegungen herzustellen.
Sie bezieht alltägliche Erfahrungen in der Familie aus psychologischem und
pädagogischem Blickpunkt heraus in die Reflexion ein. Dabei vereint sie
Gedanken zu Sozialisationserfahrungen und Entwicklung des Selbstbildes eines
Individuums, indem sie Beziehungsstrukturen innerhalb der Familienmitglieder
mitberücksichtigt.
Der letzte Text dieses Kapitels ist aus dem Forschungsprojekt
„Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (GMF) von Wilhelm Heitmeyer entstanden.
Die Autoren erörtern in diesem Beitrag wie Vorurteile aus der politischen Mitte
heraus entstehen können, und dass sie in der politischen Mitte bereits angekommen
sind. Sie weisen daraufhin, dass die „scheinbare“ Normalität unter wachsender
„Macht- und Orientierungslosigkeit“ leicht anfällig für sicherheitsbietende
Propaganda sein kann.
Die Kapitel zwei und drei bestehen aus einer Sammlung von
Texten, die sich mit speziellen Ausprägungen des Vorurteils befassen. Im
zweiten Kapitel wird Antisemitismus thematisiert und unter dem Blickwinkel
psychoanalytischer Theorien und empirischer Befunde erläutert. Die Beiträge
beleuchten das Thema aus dem historischen Hintergrund heraus und beziehen
aktuelle Befunde zu diesem Thema mit ein.
Das dritte Kapitel umfasst das Themengebiet der
Fremdenfeindlichkeit. Die Betrachtung des Themas erstreckt sich von der
kindlichen Entwicklung bis zum Einfluss der Medien und der Politik auf die
Entwicklung von Fremdenfeindlichkeit. Dieses Kapitel rückt das Problem der
Vorurteile und der Fremdenfeindlichkeit innerhalb des aktuellen Diskurses in
den Vordergrund. Ihre Brisanz entwickelt das Thema aus den wiederkehrenden
Schlagzeilen zu fremdenfeindlichen Attacken in Deutschland. Das Problem der
Vorurteilstrukturen wird an dieser Stelle unter Einbezug von diversen
ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen diskutiert.
Schließlich widmet sich das vierte Kapitel „Vorurteil,
Gewalt und Völkermord“ den versteckten Einflüssen von Vorurteilen, die
impliziert in politischen Handlungen, in mangelnder Abgrenzung gegenüber
diskriminierenden Handlungen oder auch in der Passivität der Politik
erscheinen. Der Text von Hajo Funke setzt sich mit dem Rechtsextremismus am
Beispiel von Rostock-Lichtenhagen auseinander. Er analysiert die öffentliche
Thematisierung der Asylproblematik und die rechtsextremen Ereignisse. Die
letzten Beiträge arbeiten konträr zu den vorherigen Arbeiten in diesem Kapitel
die historischen Vorkommnisse im Dritten Reich auf. Zum einen setzt sich, die
nicht unumstrittene Studie von Daniel Goldhagen über „Hitlers willige
Vollstrecker,“ mit den Fragen zu Holocaust auseinander. Zum anderen diskutiert
Ulrich Herbert in seinem Beitrag „Die richtige Frage“ kritisch über Befunde zu
diesem Thema.
Das letzte Kapitel „Pädagogische Intervention und
Prävention“ beinhaltet Texte, die sich dem Thema der politischen Bildung und
Aufklärung zuwenden. Am Anfang erscheint als erster Beitrag zu diesem Thema
wieder ein „klassischer“ Text, eines der bekanntesten „pädagogischen“ Texten
der Kritischen Theorie von Theodor W. Adorno „Erziehung nach Auschwitz“. Später
folgen auch aktuelle Beiträge wie von Georg Auernheimer, der zwei
Grundprinzipien gleich zu Beginn des Aufsatzes aufstellt: „den
Gleichheitsgrundsatz und den Grundsatz der Anerkennung, verstanden als
Anerkennung anderer Identitätsentwürfe“. Aus diesen Grundsätzen heraus leitet
er Lernziele für interkulturelle Bildung und Engagement für Gleichheit ab. Am
Ende des fünften Kapitels werden Ziele der politische Bildung und ihre
praktische Umsetzung erläutert, allerdings ohne konkrete didaktische Ansätze
anzubieten. Trotzdem kann man sich praktische Ansätze für die Arbeit z.B. mit
rechtsradikalen Jugendlichen gut vorstellen.
Adressaten dieses Buches
Dieses Buch richtet sich, wie der Autor selbst schreibt,
an „Lehrende in der politischen Bildung“ und an Schreibende, die sich mit
Themen der Politik befassen. Das Buch enthält zwar pädagogische Interventionen,
die allerdings nur konzeptionell und nicht in ihrer praktischen Umsetzung
dargestellt werden. Die Beschreibungen der praktischen Arbeit mit Jugendlichen
dienen als Leitgedanken und Ziele, weniger als direkte Anleitung. Aber gerade
deshalb regen sie den Leser an, über konkrete Arbeit und Umsetzung der Inhalte
politischer Bildung nachzudenken.
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Klaus Ahlheim (Hrsg.):
Die Gewalt des
Vorurteils.
Wochenschau Verlag,
Schwalbach/Ts 2007.
ISBN: 978-3-89974324-1
24,90€
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Weshalb ist dieses Buch lesenswert?
Das Buch bietet umfangreiche Hintergrund- und
Basisinformationen zum Thema Vorurteil, Diskriminierung und Antisemitismus an.
Dem Herausgeber ist es gelungen eine Verbindung zwischen den „klassischen“
Texten und dem aktuellen Diskurs herzustellen. Die notwendigen theoretischen
Grundlagen liefern Texte aus den Anfängen der Forschung zum Thema Vorurteile
und Autorität. Die aktuellen Arbeiten reflektieren die historischen Ereignisse
und diskutieren moderne Befunde zum fortbestehenden Thema des Vorurteils. Das
Buch ist für alle, die an den Themen zu Diskriminierung, Vorurteile, Autorität,
Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus interessiert sind, empfehlenswert. Es
bietet die nötige theoretische Fundierung für politische Bildner, die
präventive und interkulturelle pädagogische Praxis gestalten und eine
differenzierte Behandlung der Thematik ermöglichen wollen.
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