Sonntag, 30 September 2007 00:00

Kurzbeschreibung: Bayerisches Manifest zur politischen Bildung

geschrieben von  Dr. Siegfried Grillmeyer

2007 baymanifestpolbil

„Ein Phänomen geht um in Europa: das Schwinden des Politischen zu Gunsten des Ökonomischen." Mit diesen Worten beginnt das Bayerische Manifest zur politischen Bildung. Dieses Gemeinschaftswerk ist das Ergebnis eines Arbeitskreises aus Kolleginnen und Kollegen der politischen Bildung, die sich zusammengefunden haben, um sich über Grundlagen und gegenwärtige Entwicklungen der politischen Bildung zu verständigen.


Als dieser Diskussionsprozess begann, war nicht abzusehen, wie stark die tages- und finanzpolitische Dimension diesen Themenbereich gegenwärtig dominieren wird.

Ziel des Arbeitskreises war es, die öffentliche Aufmerksamkeit für diesen Bildungsbereich zu wecken, politische Entscheidungsträger zu einer Auseinandersetzung über Bedeutung, Struktur, Aufgaben und Finanzierung politischer Bildung einzuladen und schließlich in der Fachöffentlichkeit eine vertiefte Diskussion anzuregen.

Das Manifest versucht eine Gegenstandsbeschreibung der politischen Bildung und will dadurch deren grundlegende Bedeutung für die Entwicklung junger Menschen und damit der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft herausstellen. Die Gliederung des 25seitigen Papieres, das als Band 2 der „Veröffentlichungen der CPH Jugendakademie" im Wochenschauverlag erschienen ist, soll im Folgenden kurz umrissen werden:

Zentrale Aussage des Manifestes ist die Feststellung, daß politische Bildung als Querschnittsaufgabe eine zentrale Rolle für alle mit der Bildung junger Menschen beauftragten Institutionen und Personen spielt. Daraus entwickeln sich Ziele und Inhalte der politischen Bildung. Es geht um Entwicklung von Persönlichkeiten, um Wertevermittlung und um Klärung der Zusammenhänge unseres öffentlichen, politischen Lebens und die Möglichkeit der Beteiligung daran. Aus den beschriebenen Zielen entwickeln sich Methoden. Wirkungsvoll sind nicht Belehrungen, sondern eigenes Erleben und Handeln sowie Reflexion von Erfahrungen. Jugendgruppen, Aktionen und Projekte bieten dafür ideale Lernmöglichkeiten.

Politische Bildung braucht ein schärferes Profil, um in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen zu werden. Deshalb ist eine Begriffsklärung notwendig. Politische Bildung ist immer auch Teil anderer Bildungsbereiche und dennoch ein eigenständiger Bereich, der die Fähigkeit meint, sich der gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen.

Jede Bildungseinrichtung hat ihre Schwerpunkte. Die Zusammenarbeit der Institutionen muss dringend verbessert werden. Vor allem geht es um die synergetische Nutzung der Möglichkeiten schulischer und außerschulischer politischer Bildung. Lernen geschieht nicht nur in organisierten Bildungsprozessen, sondern auch durch informelles Lernen in Familie, Beruf, Peer-Gruppen, etc.

In einem weiteren Schritt wird die Wechselbeziehung von Politik – politischer Bildung – Erziehungswissenschaft – Politikwissenschaft beleuchtet. Vor allem gilt es nicht nur, Forderungen an die politische Bildung zu stellen, sondern deren Erfahrungen sowohl in die politische als auch die wissenschaftliche Diskussion verstärkt einzubeziehen.

Nicht zuletzt geht es auch ums Geld. Maßnahmen der politischen Bildung lassen sich kaum aus Teilnahmebeiträgen finanzieren. Politische Bildung ist auf öffentliche Förderung angewiesen. Durch die aktuellen Kürzungen im staatlichen Haushalt ist politische Bildung – nicht nur in Bayern – massiv in ihrem Fortbestand gefährdet.

Das Manifest setzt zum Schluß Diskussions- und Handlungsimpulse durch eine Liste von Thesen zur politischen Bildung als Empfehlung und Diskussionstandpunkt für alle Verantwortlichen zur Weiterentwicklung der politischen Bildung. Anregungen und Kritik können gerne an die genannte Adresse gerichtet werden.

bayer. Manifest zur politischen Bildung
Bayerische Manifest zur politischen Bildung

Veröffentlichungen der CPH-Jugendakademie

Roland Feldmann, Siegfried Grillmeyer, Manfred Huber, Gabriele Lenhart, Stefan Rappenglück, Bernhard Schneider, Bernhard Schoßig, Andreas Stadler, Heiko Tammena

Wochenschau Verlag 2004

Dr. Siegfried Grillmeyer

Leiter der CPH Jugendakademie

Gelesen 1712 mal Letzte Änderung am Freitag, 12 September 2014 14:53
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