Montag, 12 März 2012 00:00

Ein Resümee aus 14 Nationen

geschrieben von  Andreas Weiß


Im Rahmen der Artikelserie zur Politischen Bildung im internationalen Kontext wird an dieser Stelle ein Fazit gezogen.

In den vergangenen Monate wurde die politische Bildung in vierzehn verschiedenen Nationen vorgestellt. Dabei haben sich klare Unterschiede wie auch Gemeinsamkeiten identifizieren lassen. Diese sollen nun in diesem Beitrag aus persönlicher Sicht aufgeführt werden. Bei der Auswahl der vorgestellten Länderdiskurse wurde freilich weniger auf eine repräsentative Gesamtheit geachtet, sondern viel mehr auf interessante Entwicklungen, welche wiederum beispielhaft für weitere Nationen gelten können. Dennoch bleiben Eindrücke, die sich zusammenfassend darstellen lassen.

Postkommunistische Problemzonen

Es zeigte sich, dass Länder, welche erst in den letzten Jahrzehnten die Transformation von einem kommunistischen Regime zur jungen Demokratie begonnen haben, mit ähnlichen Umständen zu kämpfen haben. Die betrachteten Fälle in Rumänien, dem Kosovo, Bulgarien und Slowenien stehen so beispielhaft für weitere postkommunistische Länder. Hier besteht Grund zur Annahme, dass die Zivilgesellschaft die Wandlungen in der verstrichenen Zeit noch nicht ausreichend hat verarbeiten können, und somit noch nicht in einer demokratischen Gesellschaft angekommen zu sein scheint. Die Auswirkungen auf die politische Bildung manifestiert sich auch in der Schule, dem Ort der Indoktrination für die verstrichenen Herrschaftsverhältnisse. Veraltete Methoden, wenig Ressourcen und damit kaum genug Lehrmittel bilden hierbei leider öfter die Regel. NGO's, die dem entgegenwirken möchten, werden von der neuen Regierung nicht ausreichend oder gar permanent eingebunden, sondern agieren nur als Hilfswerke. Dies sieht Georgi Dimitrov als generelles Muster postkommunistischer Bildungssysteme (Dimitrov 2008, S. 61) und deckt darüber hinaus weitere Problemfelder auf. Hierzu gehört auch eine generelle Orientierung der Bildungssysteme an ehemaligen, von autoritären Regimen aufgesetzten Statuten. Der herbe Widerspruch der Inhalte politischer Bildung mit den bestehenden Formen des zivilen und schulischen Umgangs zeigte sich exemplarisch am Fall von Bulgarien.


Institutionalisierung im etablierten Demokratien

Staaten, welche eine bereits länger etablierte demokratische Kultur aufweisen, zeugen ebenso von einem höheren Grad Institutionalisierung der politischen Bildung. Hierbei ist das Bildungssystem oft struktureller und inhaltlicher Veränderungen unterworfen, um neue Entwicklungen in die Erziehung zum Staatsbürger zu integrieren. Der Anspruch und die Notwendigkeit politischer Bildung wurde in diesen Nationen jedoch erkannt meist in der notwendigen Form praktiziert. Oft spielt hier die Verschränkung von schulischen und nicht-schulischen Quellen sowie formellem und informellem Methoden bei der Vermittlung eine Rolle. Die angewandten Methoden zielen auf die Entwicklung von Partizipation und bürgerlicher Beteiligung (Vgl. Finnland, Spanien, Japan), vermitteln ein Verständnis von Interkulturalität (Vgl. Südafrika) und wollen die nächste Generation auf kommende Entwicklungen vorbereiten (Vgl. Dänemark, Türkei).

Eine Herausforderung an die Qualität und Homogenität der politischen Bildung in diesen Verhältnissen stellt vornehmlich die verwaltungstechnische Gliederung des Bildungssektors dar (Vgl. Schweiz, Vereinigtes Königreich und U.S.A.).


Besondere Situationen, besondere Methoden

In den letzten Wochen wurden innerhalb der Serie auch Länder vorgestellt, welche sich nicht ohne weiteres in einen größeren Rahmen einordnen lassen. Zu diesen zähle ich vor allem Afghanistan, da das von Krieg gebeutelte Land noch kein autonom funktionierendes Bildungssystem aufweisen kann. Die permanent vorhandenen Konflikte lassen in erster Linie auf einen Bedaf in der Friedenserziehung schließen, der von international agierenden Organisationen übernommen werden muss. Das Land mag einen Vorgeschmack darauf geben, wie sich künftiges Vorgehen im Libyen nach dem Bürgerkrieg gestalten könnte.

Es bleibt festzuhalten, dass Politische Bildung nicht nur in unserer Gesellschaft einen wichtigen Dienst zur Herausbildung mündiger Bürger leistet. Methoden, Formen und Voraussetzungen zeigen sich im internationalen Vergleich höchst unterschiedlich, doch die Motivation ist die selbe.
Quelle:

Dimitrov, Georgi: "Shut Up When You Talkin with Me"/Civil Education in a Post-Communist Society Challenged by the Institutionalized Public Culture. The Case of Bulgaria, in: Journal of Social Science Education, 1/ 2008 (Online verfügbar)

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