Montag, 27 Februar 2012 00:00

Postdemokratie

geschrieben von  Andreas Weiß

Schenkt man Colin Crouch Glauben, so steht es schlecht um die Demokratie. Der Autor des Buches „Postdemokratie" beschreibt die negativen Einflüsse auf demokratisch verfasste Staaten und zeichnet dabei ein düsteres Bild von der Gegenwart. Politische Bildung kann in diesem Zusammenhang jedoch eine deutlich positive Wirkung entfalten, indem Partizipation gefördert und demokratische Werte von der Gesellschaft verinnerlicht werden.

Die Parabel der Demokratie

Die Postdemokratie, wie Crouch titelt, beschreibt eine momentan stattfindende Entwicklung. Mit Blick auf die Geschichte werden Phasen der Demokratie identifiziert, die im Verlauf der Zeit einen parabelförmigen Ablauf beschreiten. So gab es schließlich ein Ansteigen, einen Höhepunkt und, so Crouch, ein Abfallen, welches gegenwärtig der Fall ist. Mit dem überwundenen Höhepunkt demokratischer Verhältnisse und stetigem Niedergang ist die heutige Zeit als Postdemokratie zu beschreiben. Diesen Trend lastet der Autor unterschiedlichen Entwicklungen an und legt die Folgen daraus dar.


Symptome der Postdemokratie

Postdemokratische Verhältnisse charakterisieren sich vornehmlich durch die Konzentration von Macht bei den Eliten der Gesellschaft und der Durchdringung politischer Prozesse durch den Einfluss der Wirtschaft. So werden die Interessen der Bürger nicht mehr ausreichend vertreten, was wiederum zu Politikverdrossenheit von Seiten der Wähler führt. Die Demokratie lebt aber von der Beteiligung und der Mitwirkung der Menschen in interessierter und aufgeklärter Art und Weise. Postdemokratische Entwicklungen wiederum wirken dem entgegen, lassen Partizipation zwecklos erscheinen und hemmen somit die gesellschaftliche Entwicklung.


Was bleibt?

Die von Crouch attestierten Wandlungen westlicher Regierungssysteme bieten bei unkritischem Umgang wenig Raum für Optimismus. Fraglich bleibt, wie nahe die Realität an den Thesen von Colin Crouch steht. Dennoch liegt im Kern die generelle Furcht vor dem Verlust demokratischer Überzeugungen innerhalb der Bevölkerung.

Hier offenbart sich der unabdingbare Dienst, den die Politische Bildung an der Gesellschaft leistet. Denn die Generierung mündiger, aufgeklärter Staatsbürger wirkt der generellen Verdrossenheit entgegen, begeistert, interessiert und trägt zum Erhalt demokratischer Denkweisen der Bürger bei.


Quelle:

Crouch, Colin: Postdemokratie, Bundeszentrale für politische Bildung, 2008.

Gelesen 613 mal Letzte Änderung am Dienstag, 13 September 2016 12:52
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