Mittwoch, 16 Februar 2011 00:00

Änderungen erwünscht! - Was Abgeordnete in Deutschland gerne ändern würden

geschrieben von  Theresa Riechert

Anfang Februar wurden die Ergebnisse der aktuell größten Deutschen Parlamentarierstudie veröffentlicht. Befragt wurden etwa 2000 Abgeordnete sowohl aus dem Bundestag und den Länderparlamenten, als auch der größten deutschen Städte. Das Ergebnis: Die Abgeordneten wollen vieles ändern und setzen beim gesellschaftlichen Wandel insbesondere auf den einzelnen Bürger und dessen Initiative. Damit einher geht ein klares Plädoyer für eine bessere Information der Bürger.

© Marion Gonnermann / pixelio.de

Der Studienaufbau

Die Studie wurde von der gemeinnützigen Change Centre Foundation in Kooperation mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf durchgeführt und befragte zunächst im Sommer 2010 Abgeordnete aus Bundestag und Länderparlamenten. Die Parteizugehörigkeit der Befragten spiegelte dabei relativ exakt die reale Verteilung in den deutschen Parlamenten wider. Gefragt wurde sowohl nach der allgemeinen Veränderungsbereitschaft und der grundsätzlichen Zuständigkeit für Veränderung und Innovation, als auch nach konkreten Veränderungspräferenzen und der Einschätzung des eigenen Einflusses.


Zentrale Ergebnisse
Veränderung - grundsätzlich ja, aber auch das Bewährte hat seinen Wert

Die allgemeine Haltung gegenüber Veränderungen ist sehr positiv und die meisten betrachten diese eher als Chancen denn als Risiken. Wenn es jedoch um die eigene politische Arbeit geht, so hält sich die Zustimmung zu bewährten und neuen Ideen in etwa die Waage, auch wenn sich die Parteien hier klar voneinander unterscheiden.

Größter Veränderungsbedarf bei Innovationen, im Bildungsbereich und dem Umweltschutz

Gefragt nach dem Veränderungsbedarf in einzelnen Politikfeldern kristallisierte sich der Bereich „Innovationen, Fortschritte in Wissenschaft und Technik" über die Parteigrenzen hinweg als wichtigstes Neuerungsgebiet heraus. Gefolgt wird dies von den Bereichen „Erziehung, Bildung, Ausbildung" und „Umwelt- und Klimaschutz". Allgemein ist die Zustimmung zu Veränderung sehr groß, das einzige Thema, bei dem weniger als 50 Prozent der Abgeordneten Veränderungsbedarf sehen, ist die „kulturelle und religiöse Vielfalt".

Der Bürger zählt, der eigene Einfluss wird hingegen als eher gering erachtet

Und wer soll die Veränderungen in der Gesellschaft bewirken? Befragt hierzu sehen die Abgeordneten vor allem den Einzelnen in der Pflicht, Wirtschaft und Staat werden hingegen hintangestellt. Verhaltensveränderungen der Bürger erachten die Befragten dabei gerade in Bereichen wie „Umwelt- und Klimaschutz", „Gesundheitsversorgung und Prävention", aber auch „Erziehung, Bildung und Ausbildung" als zentral. In letztgenanntem Politikfeld, der Bildungspolitik, schätzen die Abgeordneten ihren eigenen Einfluss auch am größten ein, insgesamt jedoch überrascht das Ergebnis, dass man das eigene Gewicht in zukünftigen Entscheidungsprozessen als nicht allzu groß erachtet.

Mehr Bürgerinformation nötig

Übereinstimmend mit dem Ergebnis, dass insbesondere der Einzelne Veränderungen bewirken soll, wird die Forderung nach besserer Bürgerinformation gestellt. Die Frage, ob es genug öffentliche Programme gäbe, die die Bürger über Veränderungen in den jeweiligen Bereichen informierten, bestätigte lediglich ein knappes Fünftel der Befragten. Gerade in den Politikfeldern „Erziehung, Bildung und Ausbildung" und „Einwanderung und demografische Entwicklung" weisen die Abgeordneten einen Bedarf an öffentlichen Informationsprogrammen aus.

 

Fazit

Die Studie bietet detaillierte Auskünfte darüber, wie die politische Elite dem Themenkomplex Veränderung und gesellschaftlicher Wandel gegenübersteht und ermöglicht dabei vielfältige Einblicke in das Selbstverständnis heutiger Volksvertreter. Gerade die ausführliche Darstellung der Ergebnisse in den Studienberichten erlaubt es, die genauen Frageformulierungen und Antwortverteilungen zu rekonstruieren und schafft somit die Basis für eigene Interpretationen und Auslegungen der empirischen Ergebnisse. Deshalb hier das Plädoyer dafür, nicht bei der Pressemitteilung hängen zu bleiben, sondern lieber auf die Studienberichte zurückzugreifen. Diese bieten darüber hinaus ein gutes Anschauungsmaterial, um in Kontexten der politischen Bildung Befragungsergebnisse interpretieren zu lassen.

 

Weitere Informationen:

Studienbericht, Teil 1

Studienbericht, Teil 2

Gelesen 345 mal
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten