Freitag, 05 Dezember 2008 00:00

Gutachten zum Wert des bürgerschaftlichen Engagements in Bayern

geschrieben von  Martina Mobley

"Bürgerschaftliches Engagement bedeutet Teilhabe und aktive Mitgestaltung des Lebens in den Kommunen. Es stärkt und bereichert das soziale Klima in unserer Gesellschaft. Nicht zuletzt ist ehrenamtliches, freiwilliges Engagement der beste Nährboden für gute Lebensqualität und das subjektive Wohlbefinden. Neben diesen sozialen Wirkungen ist auch der ökonomische Nutzen konkret bezifferbar: Jeder einzelne in Bürgerschaftliches Engagement investierte Euro stiftet einen Nutzen von etwa sieben Euro." Mit diesen Worten erläuterte die damalige bayerische Sozialministerin Christa Stewens zentrale Ergebnisse des Gutachtens zum Wert des Bürgerschaftlichen Engagements bei dessen Vorstellung im Juni 2008.

Beispielhaft für zwei Kommunen, den Landkreis Cham und die kreisfreie Stadt Würzburg, haben Prof. Dr. Gerhard Kral und Prof. Dr. Egon Endres mit ihren Mitarbeitern ein Wertgutachten für das bürgerschaftliche Engagement in Bayern erstellt. Den Auftrag hierfür erhielten die beiden Wissenschaftler der katholischen Stiftungsfachhochschule München Abteilung Benediktbeuern vom Bayerischen Sozialministerium.
Ein Ergebnis der Studie, wie von Christa Stewens in ihrer eingangs zitierten Äußerung angesprochen, ist, dass Investitionen im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements einen siebenfachen Nutzwert erbringen.
Doch auch die Motivation der Bürger sich zu engagieren wurde näher beleuchtet.

2004_kral.jpgDazu Prof. Kral in einem Interview, welches auf der Homepage des Netzwerks Politische Bildung Schwaben nachzulesen ist: „Es sind vor allem zwei große Motivationsstränge. Der Erste: Ich sehe, andere können von mir profitieren, ich kann Hilfe anbieten, andere sind dankbar, wenn sie diese Hilfe bekommen. Der Zweite: Wenn ich mich außer Haus engagiere, gewinne ich selbst enorm. Ich schaffe soziale Kontakte, fühle mich gebraucht, mein Selbstwertgefühl wird gesteigert, ich kann außerdem meine Fähigkeiten und Kompetenzen verbessern durch praktische Tätigkeit. Zudem unterstützen einige Einrichtungen durch Fortbildungen und Beratungen sowie Supervision den Bürger. Dann entsteht eine Annerkennungskultur, die von vielen Bürgern geschätzt wird. Darüber hinaus gibt es zum Teil Aufwandsentschädigungen (Fahrtkosten, Telefonkosten)."
Die Konsequenzen die das Bayerische Sozialministerium aus dem Wertgutachten zog beschreibt Prof. Kral so: „Man will flächendeckend über ganz Bayern diese Infrastruktur, diese Grundlagen, schaffen, zum Beispiel in jedem Landkreis eine Kontaktstelle, an die sich freiwillig Engagierte bei Fragen oder für Fortbildungen wenden können. Der nächste Schritt wird sein, die Landkreise und kreisfreien Städte für diese Umsetzung zu gewinnen. In einigen Fällen wird das Sozialministerium die Bereitschaft hierzu durch Anschubfinanzierungen wecken müssen."

 

Das Gespräch mit Prof Kral können Sie hier nachlesen.

Eine Zusammenfassung des Gutachtens finden Sie hier.

Gelesen 398 mal Letzte Änderung am Montag, 19 September 2016 11:56
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten