Freitag, 01 August 2008 00:00

Olympia im Zwielicht politischer Ereignisse

geschrieben von  Irina Schumacher

Sind die olympischen Spiele politisch? Angesichts des Gastgeberlandes China ging diese prekäre Frage rund um den Globus und wurde in der breiten Öffentlichkeit ausdiskutiert. Die schwierige Debatte entbrannte aufgrund der politischen Haltung Chinas und seines Menschenrechtsverständnisses. Man fragte sich angesichts dieser gesellschaftlichen Verhältnisse, ob in solchen Ländern die olympischen Spiele überhaupt ausgerichtet werden dürfen. Die weiterführende Frage nach der Verflechtung von Politik und Sport kann folgerichtig ganz klar bejaht werden, denn allein der historische Rückblick auf die olympischen Spiele zeigt, welche Möglichkeiten der politischen Machtdemonstration unter der Garantie der weltweiten Aufmerksamkeit ein Land bei diesem globalen Event erhält. Über welchen Stellenwert verfügt noch der sportliche Gedanke innerhalb der Olympischen Spiele?

 Olympiastadion in Peking ©cornerstone / pixelio.de

In Peking werden am 8. August 2008 die XXIX. die Olympischen Sommerspiele feierlich eröffnet. Im Vorfeld der Spiele entbrannte eine Debatte darüber, ob die internationalen Olympischen Spiele in einem kommunistisch regierten Land ausgerichtet werden dürfen, was angesichts der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in China für viele einen Widerspruch gegenüber den olympischen Gedanken und Werten darstellt. Diese Debatte löste breite Proteste in der Bevölkerung rund um den Globus aus, die bereits beim Fackellauf eine beeindruckende Wirkung erzielten, wobei an dieser Stelle die chinesische Politik und ihre Grundhaltung in Bezug auf Menschenrechte mithilfe zahlreicher Proteste kritisiert wurde. Diese kritische Haltung gegenüber dem Gastgeberland wird beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) mit Vorsicht betrachtet und die öffentliche Aufmerksamkeit auf das sportliche Ereignis gelenkt, was durchaus zum besseren interkulturellen Verständnis beitragen kann, so die Hoffnung des Komitees. Immerhin erhält das Gastgeberland die Gelegenheit sich neu zu präsentieren und das Interesse der gesamten Weltbevölkerung auf sich zu lenken. Die Athletinnen und Athleten aus über 200 Nationen werden an den Wettkämpfen teilnehmen, was angesichts dieser weltweiten Präsenz einen besonderen öffentlichen Druck in Sachen Organisation, Sicherheit und Medaillenspiegel auf das Gastgeberland ausübt. Vor allem die sportlichen Leistungen der Athletinnen und Athleten geraten immer mehr ins Visier der Öffentlichkeit und der Dopingkontrolleure. Die Doping-Skandale der Tour de France verschärften den Blick auf die Leistungsfähigkeit der Sportler, die nunmehr kritisch begutachtet wird. Das Thema Doping im Leistungssport entwickelt sich von gelegentlichen Einzelfällen zu einem breiten Phänomen im Spitzensport, das wohl nicht mehr in der Hand eines Einzelnen liegt, sondern auf strukturell erzeugte Folgewirkungen schließen lässt.

Trotz dieser Negativschlagzeilen und kritischer Bedenken steht bei den olympischen Spielen an erster Stelle der Sportler, die Wettkämpfe und der Gemeinschaftsgedanke der Nationen. Das Motto der Olympischen Spiele 2008 lautet: „Eine Welt - ein Traum". (ins Chinesische übersetzt: Tongyi ge shijie tongyi ge mengxiang). Darauf freuen sich die Athletinnen und Athleten sowie die Weltbevölkerung, die schon ganz gespannt und erwartungsvoll nach Peking blickt in der Hoffnung, dass der eine oder andere Traum in Erfüllung gehen mag.

 

Links

Das Thema Olympische Spiele und Politik wird hier auf vielseitige Weise beleuchtet: http://www.bpb.de/publikationen/
2CBGVL,2,0,Olympische_Spiele_und_Politik.html

Hier erhalten Sie genauere Informationen zum Gastgeberland und eine thematische Auseinandersetzung mit der Menschenrechtslage im „Olympialand China": http://www.bpb.de/publikationen/MR6MZ8,0,Olympialand_China.html

Didaktische und Methodische Anregungen zum Unterrichtsthema Olympia 2008 finden Sie auf Lehrer-Online:
http://www.lehrer-online.de/olympia-peking.php

Den Beitrag One World one Dream finden Sie hier.

 

 

 

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