Montag, 23 Juni 2008 00:00

PAX 08- Augsburger Hohes Friedensfest unter dem Motto „Ortswechsel“

geschrieben von  Martina Mobley
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„Ortswechsel" das diesjährige Motto des Augsburger Friedensfestes, bezieht sich auf einen der Kernpunkte des Augsburger Religionsfriedends von 1555, das Emigrationsrecht (ius emigrandi) für andersgläubige Untertanen und lässt gleichzeitig viel Raum für den aktuellen Bezug, im Mittelpunkt steht hierbei das Thema Emigration. Das Programm rund um das Augsburger Friedensfest am 08. August 2008 steht nun zum Download zur Verfügung.

Dabei bewegt sich das Konzept zum diesjährigen Augsburger Hohen Friedensfest an fünf inhaltichen Zielsetzungen entlang:

Ortswechsel und Menschenrechte:

Das ius emigrandi ist früher Vorläufer der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren." (Art. 13, 2) und „Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen." (Art. 14, 1) In diesem Zusammenhang lenkt das PAX-Programm zum Thema Ortswechsel den Blick auf folgende Fragen: Wo wurde und wird aktuell Menschen das Recht auf Emigration und Freizügigkeit verwehrt? Wie werden Staat und Gesellschaft ihrer Verantwortung gegenüber Verfolgten gerecht?

Ortswechsel und Flucht/ Vertreibung:

In allen Erdteilen und zu allen Zeiten wurden und werden Menschen verfolgt, zur Flucht gezwungen und/oder vertrieben. PAX 08 möchte die Geschichte(n) von Betroffenen im unmittelbaren Umfeld ins Zentrum der Betrachtung stellen. Der Blick richtet sich hier - im Speziellen - auf Vertriebene aus Augsburg und dem schwäbischen Raum wie auf Vertriebene und Flüchtlinge, die hier Zuflucht gefunden haben. - Mit Rückbezug auf den Augsburger Religionsfrieden gilt auch religiös motivierten/basierten Fällen von Vertreibung bzw. Umsiedlung besonderes Interesse.

Ortswechsel und (religiös motivierte) Suche - Pilgerschaft

Freiwillige Emigration bedeutet - wie auch immer geartete und motivierte - Suche: nach Meinungs-, Religions- und Gewissensfreiheit, nach einem Chancen und Perspektiven eröffnenden Lebensumfeld... (Politisches) Exil und „innere Emigration" gehören in diesen Zusammenhang, auch die großen Auswanderungswellen zu verschiedenen Zeiten (z. B. auch von Deutschen im 19.Jahrhundert!) - wobei gerade hier deutlich wird, dass erzwungene und freiwillige Ortswechsel nicht immer scharf zu trennen sind. Häufig scheint hier das Motiv gegeben, dass „Orte" bzw. der gesellschaftliche Kontext sich wandeln und (geistige) Heimat verloren geht.

Ortswechsel und Heimat/Identität

Lässt sich Heimat überhaupt an einem Ort festmachen? Tragen Menschen nach Heinrich Heines Begriff des „portativen Vaterlands" ihr Zuhause, ihr Selbstverständnis und ihre Identität (unveränderlich) in und mit sich? Oder hat umgekehrt der „Ortswechsel", die Begegnung mit dem „Anderen" - mit fremden Kulturen, Denk- und Lebensweisen - Einfluss auf das eigene Verhalten und Selbstbild? Wie gehen Menschen mit den durch „Ortswechsel" bedingten Erfahrungen um? Welche Veränderungen, Neudefinitionen (und Herausforderungen!) ergeben sich dadurch für den Einzelnen, für Gesellschaften und Kulturen?

Ortswechsel - Perspektivwechsel

Temporäre Ortswechsel als Perspektivwechsel werden in unserer zunehmend „entgrenzten" und globalisierten Welt mehr und mehr zur (notwendigen) Selbstverständlichkeit. Perspektivwechsel ermöglichen eine andere Sicht der Dinge. Sie erweitern die Möglichkeiten des Einzelnen und sind Schlüssel zum Verständnis des „Anderen". Darüber hinaus wird Perspektivwechsel als wesentliches Prinzip zur Umsetzung und „Inszenierung" des Programms verstanden. Der veränderte Blickwinkel ist Vehikel für den Dialog zwischen Kulturen und Religionen, für Austausch, Begegnung und Akzeptanz.

Auch wenn das Rahmenprogramm zum Augsburger Friedensfest verstärkt in den Zeitraum vom 07. Juli bis 08. August 2008 fällt, finden schon jetzt einige Veranstaltungen statt.

Bereits in den Pfingstferien hat ein Interkulturelles Jugendprojekt des PAX-Büros der Stadt Augsburg, in Kooperation mit der Kommunalen Jugendarbeit der Stadt Augsburg stattgefunden.

Mehrere Jugendliche hatten hierbei die Gelegenheit fünf Tage bei einer Familie zu leben, die sich von ihrer Herkunftsfamilie kulturell und religiös unterscheidet, um deren Lebensumfeld als Familienmitglied kennen zu lernen. Ein Perspektivwechsel, der zur Öffnung und zum Austausch zwischen Kulturen und Religionen, zum Abbau eventueller Vorurteile und zu einem weiterreichenden Verständnis füreinander beiträgt.

Das interkulturelle Jugendprojekt soll auch im nächsten Jahr wieder stattfinden.
Das inhaltliche Konzept, das Programm zum Download, Informationen zum interkulturellen Jugendprojekt, sowie alles Weitere rund um das Augsburger Friedensfest finden Sie hier auf den Seiten der Stadt Augsburg.

Gelesen 961 mal Letzte Änderung am Sonntag, 14 Dezember 2014 18:21
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