Mittwoch, 06 August 2008 00:00

Chinesische Lebenswelten - Eingetaucht in das Reich ohne Mitte

geschrieben von  Siegfried Grillmeyer
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Welches Lebensgefühl steckt hinter dem Lächeln, was bedeutet der Einzelne, wenn er in der Masse zu nahezu menschenverachtender Arbeit aufbricht, welches Menschenbild trägt diese Gesellschaft und was verbindet uns über alle Grenzen der Kultur und auch Sprache?

Diese Fragen beschäftigten die 15 köpfige Reisegruppe, die sich genau ein Jahr vor Beginn der olympischen Spiele auf den Weg nach China machte um den Lebensalltag in diesem widersprüchliche Land kennen zu lernen, ihn mitzuleben und dabei Zusammenhänge zu verstehen.

Die Reise wurde veranstaltet im Rahmen des Projekts, der Werkstatt-weltweit, von der Jesuitenmission und der Akademie C.-Pirckheimer-Haus in Nürnberg.

Wer wir sind und was wir wollten

Wir, eine Gruppe von 15 jungen Menschen aus ganz Deutschland und der Schweiz, haben uns darauf eingelassen, eine „exposure"-Reise in das Land der Mitte zu unternehmen. Mit diesem Anspruch ist umschrieben, dass wir uns einlassen, eintauchen wollten oder vielleicht direkter aus dem Englischen übersetzt, uns aussetzen wollten einer anderen Kultur. Nicht beobachten, sondern mitleben, nicht nur sammeln von Eindrücken, sondern Verstehen von Zusammenhängen – das wollten wir.

Die Reise wurde veranstaltet von der Jesuitenmission und der Akademie C.-Pirckheimer-Haus in Nürnberg. Im Rahmen des gemeinsamen Projekt, der werkstatt-weltweit, war es mittlerweile die vierte „exposure"-Reise, die alle dem gleichen Ziel und Ablauf folgten: Gemäß dem Motto der Jesuitenmission „weltweit mit den Armen" solidarisch zu sein, sollten Lebenswirklichkeiten fernab touristischer Glanzpunkte eines Landes gesucht werden.

Der Ablauf

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Daher folgten nach einer ersten Woche der Landeskunde und Orientierung eine zweite Woche des Mitlebens in einfachen Familien und eine dritte Woche der Reflexion und Vertiefung.

So waren wir die erste Woche in Peking, beschäftigten uns mit chinesischer Kultur in dieser Metropole von über 15 Millionen Einwohnern, besuchten von dort aus auch Tianjin und die Große Mauer und suchten das Gespräch mit Einheimischen.

In der zweiten Woche ging es nach Handan, einer Stadt mit 8,5 Millionen Einwohnern, in der jedes Gruppenmitglied alleine eine Woche in einer katholischen Gastfamilie verbrachte. Hierdurch erlebten wir nicht nur das Leben in einer chinesischen Familie, sondern erhielten gleichzeitig Einblicke in christliche Glaubenswelt in China durch eine enge Einbindung in die Gemeinde.

Von dort ging es für die letzte Woche in eine (nach chinesischen Größenordnungen) Kleinstadt, nach Daming, wo wir in einem Kloster der 700.000 Einwohnerstadt unsere Erfahrungen reflektierten und das Leben der Ordensgemeinschaft teilten. Wir besuchten das Don Bosco Retarded Center, dem Behindertenheim, das von den Schwestern geleitet wird. Einen Tag lang halfen wir dort mit, die Kinder zu waschen, zu füttern, mit ihnen zu spielen oder putzten auch mal die Klassenzimmer.

Außerdem ermöglichten uns die Schwester verschiedene kleine Dörfer der Umgebung zu besuchen, großartig dort empfangen zu werden und Einblicke in das wirkliche China, jenseits der modernen Wolkenkratzer, zu bekommen.

Jedem von uns fünfzehn sind andere Momente dieser Reise in Erinnerung geblieben. Natürlich sind da bei allen anfangs die Momente des Staunens und die Wahrnehmung der Andersartigkeit, das Erleben der Masse, das ebenso köstliche wie gewöhnungsbedürftige Essen, die anderen Vorstellungen von Hygiene und (Raum)ordnung. Und ebenso waren bei allen die Momente, wo sich Klischees und Vorurteile mit den Erlebnissen zu decken schienen - die tausend Fahrräder, die scheinbare Unendlichkeit der Mauer und spätestens beim Verkosten von Hundefleisch auf einem Straßenmarkt. Und bei uns allen blieben die Fragen, die manche Momente auslösten: Welches Lebensgefühl steckt hinter dem Lächeln, was bedeutet der Einzelne, wenn er in der Masse zu nahezu menschenverachtender Arbeit aufbricht, welches Menschenbild trägt diese Gesellschaft und was verbindet uns über alle Grenzen der Kultur und auch Sprache?

Was bleibt?

Vieles blieb für uns unerklärlich, viel regte uns zum Nachdenken an – mit der Rückkehr nach Deutschland war die Sache für uns nicht abgeschlossen.

Doch wie kann man die Erfahrungen und Erlebnisse einfangen, ordnen und auch Menschen hier in Deutschland ein Stück mit Teil haben lassen?

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Die Idee war eine Ausstellung einiger der unzähligen Bilder und ein Bildband, der auch noch mit Texten, Logbucheinträgen als Augenblickbeschreibungen und Gedichten über das China, das wir erlebten, erzählt.

Der Reinerlös aus dem Bildbandverkauf, so unsere Entscheidung, soll den Kindern des Don Bosco Retarded Center zu Gute kommen.

Weiter Informationen zum Bildband können sie dem vorliegenden pdf icon PDF-Dokument (245.95 KB) entnehmen.

Die Ausschreibung und genauere Informationen können Sie hier als pdf icon PDF-Dokument (136 KB) herunterladen.

Das Vortreffen dazu wird im Frühjahr 2009 stattfinden.

Siegfried Grillmeyer grillmeyer@cph-nuernberg.de oder 0911 2346-119.

Gelesen 895 mal Letzte Änderung am Sonntag, 14 Dezember 2014 18:21
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