Mittwoch, 17 Juni 2009 00:00

"Politische Bildung mit jugendlichen Zuwanderern"- eine Handreichung für die Praxis

geschrieben von  Martina Mobley
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Seit 2005 veröffentlicht das Netzwerk Politische Bildung Schwaben - Ursprung des bayernweiten Vernetzungsvorhabens - Handreichungen für die Praxis, anhand derer Jugendlichen erlebnisorientiert die Ebene der Kommunalpolitik näher gebracht werden soll. Vier Bausteine (und ein Planspiel) sind bisher entstanden. Doch während sich die ersten drei Bausteine in erster Linie für den Einsatz in der Schule eignen, wurde der vierte speziell für die Anwendung im außerschulischen Bereich konzipiert. Auch die Zielgruppe ist spezieller, die Handreichung möchte die Träger der außerschulischen Jugendarbeit zu Aktivitäten mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund ermuntern.

Der vorliegende Baustein setzt an Ergebnissen der Bestandserhebung über die politische Bildung in Schwaben („Atlas politische Bildung in Schwaben") an, wonach bei Jugendlichen „Das Erleben und Mitgestalten der Kommunalpolitik" meist nur Vision und Utopie bleiben. „Politische Mitwirkung als Auftrag und als Chance erfahrbar zu machen, ist nach wie vor ein entscheidendes Defizit und damit ein uneingelöster Auftrag, sowohl in den Angeboten der politischen Bildner, als auch im Handeln kommunaler Behörden- und Entscheidungsträger".
Für die politische Bildung außerhalb der Schule wird in der Bestandserhebung festgestellt: „Auffallend ist, dass sich nur wenige Veranstalter (der politischen Bildung) an ... Spätaussiedler/innen wenden. Tun sie es doch, so ernten sie dafür wenig Interesse".

Anhand von Analysen und Beobachtungen wurde deutlich, dass es für Migrantinnen/ Migranten kaum Praxismodelle für die politische Bildung gibt. Im Bereich der Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion konnte immer wieder festgestellt werden, dass diese Personen zwar die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und wahlberechtigt sind, aber sich z.B. nicht an Wahlen oder an demokratischen Prozessen in ihrem Umfeld beteiligen.
Seit Jahren ist zu beobachten, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund wenig oder keine Bezüge zum politischen Alltag in ihrer Heimatgemeinde haben, ebenso zu politischen Strukturen, sowohl im Nahbereich wie darüber hinaus. Demokratie und demokratische Prozesse erscheinen ihnen fremd.
2009 pbs baustein zuwanderer

Aufgrund dieses Befunds entstand die Idee, einen Baustein „Politische Bildung mit jugendlichen Zuwanderern" zu entwickeln.

Der Baustein wurde im vergangenen Jahr erfolgreich mit einer Gruppe Jugendlicher in Nördlingen erprobt.
Das Konzept und die Ergebnisse der Erprobung sind in der Handreichung ausführlich beschrieben und zeigen auf, dass Demokratieprozesse mit jugendlichen Zuwanderern durch die offene Jugendarbeit erfolgreich gefördert werden können.
Der Baustein „politische Bildung mit jugendlichen Zuwanderern" hat folgende Ziele:

  • Entwicklung eines Praxismodells zur politischen Bildung mit jugendlichen Zuwanderern, über das ihnen Kommunalpolitik näher gebracht und diese für sie erlebbar und erfahrbar wird.
  • Förderung der Mitwirkungs- und Handlungsmöglichkeiten der Jugendlichen in der Kommunalpolitik.
  • Einflussnahme auf den öffentlichen Meinungsbildungsprozess durch Eigenaktivitäten der Jugendlichen in ihrem Gemeinwesen.
  • Interesse der Jugendlichen für Kommunalpolitik über erfahrbare politische Zusammenhänge in der Kommune wecken.
  • Politische Institutionen (Ämter, Behörden, Dienststellen etc.) und politisch handelnde Personen persönlich kennen lernen (vertraut machen mit Institutionen, Personen und Machtverhältnissen).
  • Hemmschwellen und Berührungsängste abbauen.
  • Eigene Mitwirkungs- und Handlungsmöglichkeiten erfahren sowie Stärkung der Eigeninitiative und der Eigenaktivitäten der Jugendlichen.
  • Kennenlernen von Verfahrensweisen gesellschaftlicher Entscheidungen.
  • Erweiterung des Wissensspektrums und der Erfahrungen der Jugendlichen
  • Verbesserung des Images der Zielgruppe durch Einflussnahme auf den öffentlichen Meinungsbildungsprozess
  • Multiplikatorenwirkung durch Diskussion der positiven Erfahrungen in den Familien der Jugendlichen sowie in ihrem sozialen Umfeld
  • Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte zur Erstellung einer Handreichung für die Praxis.

Der Baustein wurde unter Federführung von Winfried Dumberger-Babiel, Geschäftsführer des Bezirksjugendrings Schwaben, und Prof. Dr. Gerhard Kral, Katholische Stiftungsfachhochschule München, Abteilung Benediktbeuern und Projektleiter des Netzwerks Politische Bildung Schwaben mit anderen Expertinnen und Experten aus dem Bereich in einem Arbeitskreis entwickelt.


Den Baustein „Politische Bildung mit jugendlichen Zuwanderern" können Sie hier auf der Seite des schwäbischen Netzwerks herunterladen.

Gelesen 1037 mal Letzte Änderung am Sonntag, 14 Dezember 2014 18:03
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