Donnerstag, 21 Oktober 2010 00:00

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

geschrieben von  Christian Fey
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schule ohne rassismus

Dass auch Schulen Schauplätze offener oder versteckter rassistischer Diskriminierungsein können, ist angesichts der in relativer Regelmäßigkeit erscheinenden Negativ-Meldungen in diese Richtung kein Geheimnis mehr. In jüngerer Vergangenheit hat sich die öffentlich-mediale Perspektive für das Phänomen Rassismus unter Jugendlichen besonders auf die Diskriminierung deutscher Jugendlicher gerichtet – ob dieser Fokus der positiven Bewältigung rassistischer bzw. diskriminierender Phänomene und Denkweisen in Deutschland dienlich oder eher hinderlich ist, wird sich noch zeigen.

Ein Projekt, das sich seit nunmehr 15 Jahren in Deutschland gegen jegliche Art von (rassistischer) Ausgrenzung unter Schülern in Deutschland wendet –egal "wer" hier gegen "wen" steht - , ist die Aktion "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" des Trägervereins Aktion Courage e.V., der sich inzwischen bundesweit ca. 800 Schulen mit insgesamt ca. 500.000 Schülern angeschlossen haben. Für das Bundesland Bayern verzeichnet die Projekthomepage immerhin 94 Schulen, die die Auzeichnung "Schule ohne Rassismus– Schule mit Courage" erhalten haben. Im laufenden Jahr 2010 haben bis dato 16 bayerische Schulen an der Aktion teilgenommen.


Projektdetails und Konzeption

Das Projekt ist keine deutsche Erfindung, es entstand in Belgien Ende der 1980er Jahre und wird auch in anderen europäischen Ländern durchgeführt. Im Kern geht es darum, dass auf Eigeninitiative der Schüler bzw. einer Gruppe von Schülern hin, über 70% der zum Schulbetrieb gehörenden Personen (Schüler, Lehrer, Schulsozialarbeiter, Hausmeister, etc.) die drei Leitsätze unterzeichnen, die das Selbstverständnis der Aktion charakterisieren. Sie lauten wie folgt:

  • Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
  • Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, zukünftig einander zu achten.
  • Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule einmal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Besonders wichtig ist den Projektinitiatoren, dass die Initiative, eine "Schule ohne Rassismus" zu werden, von den Schülern selbst ausgeht, was nicht heißt, dass Lehrer oder andere an der Schule beschäftigte Personen von dem Prozess ausgeschlossen sind – die Schüler sind im Gegenteil auf die Unterstützung von Lehrer und Schulleitungangewiesen. Bestandteil des Projekts ist außerdem, dass sich die betreffende Schule um einen Paten aus dem öffentlichen Leben bemüht, der wenn möglicheine dauerhafte Verbindung zur Schule und den Schülern eingeht und mit seiner Person für das Thema steht. Dies können z.B. Personen aus Politk, Kultur, Sport und ähnlichen Feldern sein. Außerdem gehört die zumindest jährliche Durchführung eines konkreten Projekts bzw. einer Veranstaltung die sich mit dem Thema Rasismus beschäftigt dazu, hier kann es bunt zugehn: Projektwochen, Ausstellungen, Theaterstücke, Hörspiele und Filmprojekte sind vorstellbar.

Die Bundeskoordinationsstelle des Projekts "Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage" hat außerdem eine eigene Publikationsreihe im Portfolio, mit der sie auch die aktuelle Maßnahme des Xenos-Projekts "Informieren und qualifizieren" umsetzen möchte. Hier finden sich u.a. Themenhefte zum Thema "Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft", "Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus" oder "Rechtsextremismus und Musik", die auch praxisnahe Elemente zur eigenen Umsetzung enthalten (z.B.Unterrichtsentwürfe oder Arbeitsblätter). Die Projektwebseite enthält zudem einen aktuellen Pressespiegel, Berichte über konkrete Projekte, die an Schulen durchgeführt wurden (Good Practice) und die .pdf Version des jährlich erscheinenden Schülermagazins "Q-rage". Im Jahresrhythmus findet ein "Bundestreffen" mit Vertretern der "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage"-Schulen statt.

Für das Bundesland Bayern wurden zwei Landekoordinationsstellen eingerichtet. Für den Bereich Bayern Nord ist das Herr Stefan Lutz-Simon von der Jugendbildungsstätte Unterfranken und für den Bereich Bayern-Süd ist dies Frau Dr. Chong-Sook Kang vom Pädagogischen Insitut München.

Links

Sie erhalten alle nötigen Informationen auf der Projektwebseite der Bundeskoordinationsstelle von "Schule ohneRassismus – Schule mit Courage" unter http://www.schule-ohne-rassismus.org/

Gelesen 1358 mal Letzte Änderung am Sonntag, 14 Dezember 2014 17:43
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