Sonntag, 18 April 2010 00:00

Im Gespräch: Thomas Bernhardt - Wissenschaftler, Blogger, Web-2.0-Kenner

geschrieben von  Miriam Apffelstaedt

thomasbernhardt

Thomas Bernhardt beschäftigt sich mit dem Einsatz digitaler Medien im Bildungskontext. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand im Arbeitsbereich „Didaktische Gestaltung multimedialer Lernumgebungen" der Universität Bremen interessiert er sich besonders für den möglichen Einsatz von Web-2.0-Werkzeugen in der persönlichen Lernumgebung. Darüber und über Web 2.0 in der poltischen Bildung haben wir mit ihm gesprochen.

Herr Bernhardt, womit beschäftigen Sie sich beruflich?

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotionsstudent an der Universität Bremen im Arbeitsbereich „Didaktische Gestaltung multimedialer Lernumgebungen" bei Prof. Karsten D. Wolf beschäftige ich mich mit dem Einsatz digitaler Medien im Bildungskontext. Hierbei interessiert mich besonders der mögliche Einsatz von Web-2.0-Werkzeugen in der persönlichen Lernumgebung.

Was begeistert Sie an dem Thema?

Es ist schon erstaunlich, welchen großen Stellenwert das Internet in unserer aller Leben erreicht hat. Ständig kommen neue Dienste mit den unterschiedlichsten Nutzungsmöglichkeiten auf und verschwinden häufig auch sofort wieder. Dabei finde ich spannend, diese Werkzeuge hinsichtlich eines Einsatzes fürs Lernen zu betrachten, aber natürlich interessiert es mich als Medienwissenschaftler auch, wie die z.T. neuen Kommunikationsformen unser Miteinander verändert.

Die Zielgruppen mit denen Sie arbeiten, sind ja nicht unbedingt medienaffin. - Oder ist das nur ein Vorurteil von mir? Wie werden die Inhalte angenommen?

In erster Linie sind meine Zielgruppe Studierende und die sind schon medienaffin, wenn das meint, dass sie Medien (zumindest passiv) nutzen. Auf der anderen Seite habe ich es ja mit einer speziellen Gruppe von Studierenden zu tun: den „Paukern von morgen". Hier muss man sagen, dass es mich immer wieder erstaunt, dass der Einsatz von digitalen Medien und speziell des Internets in der Schule als eher ungewöhnlich angesehen wird. Klar, deren Schüler sind auf SchülerVZ, chatten usw., aber dass man das Internet auch sinnvoll einsetzen kann, verwundert dann doch den ein oder anderen Junglehrer.

Was versteht man eigentlich unter dem Begriff Web 2.0?

Über den Versionssprung (also vom Web 1.0 zu 2.0) wird versucht insbesondere auf das Aufbrechen der Grenze zwischen Autor und Nutzer hinzuweisen. Wo es vorher eine überschaubare Gruppe an Produzenten gab und eine Mehrheit an Konsumenten, kann seit einigen Jahren jeder zur gleichen Zeit Produzent und Konsument durch die Möglichkeiten des Mitmachnetzes sein, also sozusagen zum „Prosumenten" werden.

„Aktives" Lernen als neue Chance für Bildung? Oder machen wir nur explizit, was in Lernprozessen immer abläuft?
Sicherlich ist Lernen meist eine aktive Handlung. Um ein Thema zu verstehen oder um mir die Grundlagen eines Faches anzueignen, muss ich aktiv werden, um z.B. durch Wiederholung eine längerfristige Speicherung im Gehirn zu bewirken. Durch das Web 2.0 werden die Möglichkeiten das Lernen selbst aktiv zu gestaltet erweitert. Dabei können Lehrpersonen eine veränderte Rolle einnehmen. Sie zeigen Lernenden verschiedene Wege um ein Thema zu erschließen. Begleiten sie in ihrem Lernprozess, weisen z.B. auf Ressourcen hin oder helfen weiter, wenn der Lernende nicht weiterkommt. Wichtig ist hierbei, dass der Lernende ebenfalls aktiv an der Wissensproduktion teilnehmen kann, in dem er beispielsweise selbst Ressourcen erstellt und diese mit anderen teilt.

Wenn wir über politische Bildung sprechen. - Welche Herausforderungen Sehen Sie beim Thema Web 2.0? Was fehlt? Warum muss sich die politische Bildung dem Thema widmen?

Als Vermittlerinstanz zwischen Bürger und Politik kommt der politischen Bildung große Bedeutung zu. Das Web 2.0 liefert Werkzeuge, die es grundsätzlich jedem erlauben aktiv zu werden und an der Gesellschaft zu partizipieren. Daher führt m.E. kein Weg daran vorbei, dass sich die Akteure politischer Bildung mit diesen Instrumenten auseinandersetzen.

Was kann Web 2.0 der politischen Bildung bieten?

Wie bereits gesagt, die Werkzeuge des Web 2.0 bieten die Möglichkeit, aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben. Darüberhinaus haben sich Mechanismen im Web 2.0 etabliert, die z.B. bei richtiger Ansprache des Netzes große Wellen auslösen können.
Reicht es, nur über Tools, also über die Werkzeuge, zu sprechen, die das Netz bietet?
Dies ist nur der erste Schritt. Danach sollte man überlegen, wie man konkret den Einzelnen auf die Möglichkeiten hinweist, mit Hilfe der Web-2.0-Werkzeuge aktiv zu werden.

Wir sprechen immer über die Medienkompetenz von Jugendlichen, die wir fördern und unterstützen müssen. Aber müssen wir nicht bei den Erwachsenen, in unserem Fall, den politischen Bildnern ansetzen?

Ich denke, dass es in allen Altersgruppen Menschen mit einer hohen Affinität zu Medien gibt und diejenigen die den Medien eher abgeneigt gegenüber stehen. Klar ist, will ich ein Urteil über die Sinnhaftigkeit des ein oder anderen Werkzeugs fällen, sollte ich es selbst genutzt haben und dies geht nur mit der nötigen Medienkompetenz.

Politische Bildung bedeutet für mich...
...Menschen zu mündigen Bürgern machen.

Erfolgreiche politische Bildung...
...mündige Bürger, die sich aktiv an der Gesellschaft beteiligen.

Thomas Bernhardt, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Miriam Apffelstaedt.

Den Blog von Thomas Bernhardt finden Sie hier: http://www.elearning2null.de/

Gelesen 1432 mal Letzte Änderung am Freitag, 12 September 2014 14:50
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