Donnerstag, 16 Dezember 2010 00:00

Gernerationenvertrag neu gedacht. - Ein Gespräch mit Christine Brandmeir

geschrieben von  Petra Schmidt

bestpracticebrandmeier

Generationenvertrag neu gedacht: In den Mehr-Generationen-Treffpunkten (MGTs) der Stadt Augsburg wird ein breites Angebote zu Themen wie Zusammenarbeit der Generationen und Interkulturalität. Wir haben das MGT in Lechhausen besucht, wo uns ein vielfältiges Programm vorgesetllt wurde, darunter die Kulturküche, ein Mittagstisch für Schüler, der von Bürgern mit Migrationshintergrund organisiert wird. Außerdem haben wir mit der Koordinatorin des Projekts, Frau Christine Brandmeir, gesprochen, die uns ihre Arbeit und das Augsburger Konzept von generationsübergreifender Zusammenarbeit näher brachte.

Wie sind Sie zu den MGTs gekommen und wie lange sind Sie schon dabei?

Ich bin seit 2008 bei der Stadt Augsburg und seitdem auch für die Mehr-Generationen-Treffpunkte der Stadt verantwortlich. Ich war vorher bei einem Jugendverband tätig - auf allen Ebenen: Orts- bis Bundes- und internationaler Ebene - und hab mich da sehr viel mit ehrenamtlichen Engagement auseinander gesetzt. Studiert habe ich Sozialpädagogik.

Welche Erfahrungen haben Sie inzwischen mit der Einrichtung MGT gesammelt, wie läuft es?

Insgesamt ist das Programm die Augsburger Version des Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser. Dieses Aktionsprogramm hat Bundesministerin Ursula von der Leyen - jetzt Arbeitsministerin, damals Familienministerin - ins Leben gerufen und in Augsburg hat man sich entschieden 12 Treffpunkte zu machen statt ein Haus. Das war eine sehr gute Entscheidung, weil es für eine Großstadt wie Augsburg mehr Sinn macht in jedem Stadtteil einen Anlaufpunkt zu haben, wo es darum geht einfach andere Menschen kennen zu lernen, bei Hilfebedarf auch fragen zu können „Wo kann ich mich hinwenden?" wenn ich z.B demenzerkrankte Eltern habe oder ich nicht weiß wo ich mein Kind in den Ferien unterbringen kann, weil ich arbeiten muss. Es ist aber auch gleichzeitig ein Ort, wo Menschen für ihren Stadtteil aktiviert werden, wo sie sich einbringen können und wo bürgerschaftliches Engagemant ein ganz großer Schwerpunkt ist. 2007 ist das Programm gestartet und jetzt 2010 ist der letzte Stadtteil im Bärenkeller mit einem MGT eröffnet worden und seitdem sind die 12 am Start. Sie sind natürlich ganz unterschiedlich, weil die Stadtteile auch ganz unterschiedlich sind. In einem Stadtteil wo viele Menschen mit Migrationshintergrund wohnen ist das Thema eher „Wie lerne Ich deutsch" also Deutschkurse und mehrsprachige Erziehung von Kindern. Themen in einem Stadtteil, wo eher ältere Menschen wohnen, sind dann Betreuungsgruppen für Demenzerkrankte, oder so etwas. Es ist ganz spannend, es hängt natürlich vom Stadtteil ab und natürlich auch vom Träger und den Personen, die es machen. Daher sind die Treffpunkte sehr unterschiedlich. Wir versuchen auch immer gemeinsame Aktionen zu machen, z.B. dieses Jahr im September hatten wir einen Tag der Generationen. Am Vormittag war ein Symposium zum Thema Altersforschung, wie wird sich altern entwickeln und am Nachmittag haben wir Werkstätten der Generationen in den Stadtteilen gemacht, wo Menschen, die etwas können sich einbringen und andere, die etwas lernen wollen, davon profitieren.

Was gibt es für Konzepte, bei denen die Generationen miteinander arbeiten?

Die Idee ist nicht nur zu sagen „wir machen generationsübergreifende Angebote", es gibt auch Angebote für die einzelnen Lebensalter. Was so der Klassiker ist, ist der Handykurs, also jugendliche bringen Senioren bei wie man ein Handy bedient oder wie man sich im Internet bewegt, oder wie ich mit Computern umgehe. Es geht auch anders herum. Wir haben einen Handykurs in der Firnhaberau gehabt, daraus enstanden ist dann, dass die ältern Menschen als Dankeschön den Jugendlichen Kuchen gebacken haben, beim Schulfest, die dann wiederum gesagt haben, sie würden gern nähen lernen und jetzt ist ein Nähkurs gelaufen, von älteren Menschen für jüngere. Es gibt auch die Erzählwerkstatt, wo ältere Menschen über früher erzählen und die Jüngeren zuhören, z.B. zum Thema Landwirschaft. Auch im Ferienprogramm gibt es Angebote, z.B. dass Ältere, die Radl reparieren können, das dann mit Kindern zusammen machen.

Ein anderer Aspekt ist noch, dass die MGTs nicht nur generationsübergreifend sind, sondern auch interkulturell. Wie ist das entstanden?

Wir sind ja als MGT teil vom Bündnis für Augsburg, das ist im Prinzip eine Plattform, mit der Haltung: „Wir wollen Lebensqualität in Augsburg erhalten", d.h. dass wir uns einfach engagieren füreinander. Die Stadtteilmütter sind z.B. auch ein Bündnisprojekt, von daher ergibt es sich, dass man was zusammen macht. Die Stadtteilmütter sind teilweise auch in den MGT vor Ort tätig weil sie Räume brauchen, um ihre Kurse zu machen. Mit der Kulturküche hat sich eine Zusammenarbeit ergeben, weil sie im MGT in Oberhausen schon waren und gesagt haben sie übernehmen für manch andere Stadtteile auch noch einen Mittagstisch und organisieren den - mit der Idee auch die Bevölkerung vor Ort einzubinden, interkulturell.

nachgefragtmehrgenerationenhaus

Was haben Sie für eine Perspektive bezüglich der MGTs? Haben Sie schon Ideen für neue Projekte?

Wir sind jetzt gerade daran ein System zu erarbeiten mit einem Politikberatungsunternehmen. Wir arbeiten an einem Bench-Marking, wo Ziele neu definiert werden... von daher, wir haben viele Ideen, wir wollen aber einfach schauen: Was ist in den letzten Jahren passiert, wo ist vielleciht auch noch der Bedarf, wo sollte man genauer hinsehen? Es ist noch nicht sehr konkret, aber wir wollen jetzt im Rückblick auf die drei Jahre, die es jetzt gelaufen ist, schauen, wie geht es denn weiter. Ganz sicher ist: Wir wollen, dass die 12 MGT weiterhin arbeiten und noch mehr Institutionen in den Stadtteilen einbinden, noch mehr Institutionen auch dazu motivieren generationsübergreifend zu arbeiten. Insgesamt viel viel viel mehr bürgerschaftlich Engagierte in Augsburg aktivieren, die sich in ihren Stadtteil einbringen. Ein Schwerpunkt ist auch die Senioren stärker einzubinden, weil Augsburg nach dem Freiwilligen-Survey im Vergleich zu anderen deutschen Städten relativ wenig engagierte Senioren hat. Es gibt noch einiges zu tun.

Zum Abschluss noch ein kleines Fazit über Ihre dreijährige Arbeit.

Es ist ein sehr spannendes Tätigkeitsfeld, weil man einfach mit vielen Menschen zu tun hat, mit vielen unterschiedlichen Menschen und es jetzt nicht nur darum geht etwas ab zu arbeiten,sondern auch immer wieder etwas neu entwickelt wird und ich denke, dass wir schon an Zukunftsthemen dieser Gesellschaft dran sind. Gerade beim demographischen Wandel, wo sich die Gesschaftsstrukur sehr verändert, und die MGT eine Antwort darauf geben. Wir müssen einfach darauf achten, dass wir mehr auch miteinander machen und denken und füreinander denken und uns nicht mehr auf den Staat verlassen, denn der wird es nicht mehr leisten können, private Wirtschaft ist da auch nicht sehr aktiv. Und es braucht einfach dieses Miteinander der Generationen zukünftig, anders als vielleicht bisher.

Frau Brandmeir, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Petra Schmidt.

Weitere Information finden Sie auf der Homepage des Mehr-Generationen-Treffs.

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