Dienstag, 21 August 2012 00:00

Nachgefragt: Prof. Dr. Ursula Münch, Leiterin der Akademie für politisch Bildung in Tutzing

geschrieben von  Christian Fey

Prof. Dr. Ursula Münch ist seit 1999 Professorin für Politikwissenschaften an der Universität der Bundeswehr München und seit 2009 Dekanin der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften. Die Akademie für Politische Bildung leitet Sie seit 2011. Wir freuen uns, dass Frau Münch die Nacht der Demokratie unterstützt und haben ihr vorab ein paar Fragen gestellt.
 

 

1. Auf dem Symposium zur Neuausrichtung der Arbeit der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit haben Sie über moderne politische Bildung referiert. Würden Sie kurz ein paar Punkte skizzieren, die für Sie, für moderne politische Bildungsarbeit von besonderer Relevanz sind?

Verschiedene Punkte sind wichtig:

Zum einen müssen die Angebote der politischen Bildung auch den verschiedenen Kreisen von Adressaten angepasst werden. Die Grundlagen für die unverzichtbare politische Erwachsenenbildung stellt dabei immer die schulische politische Bildung dar. Sie ist umfassend, da nur sie grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen erreichen kann.
Patentrezepte für die verschiedenen Adressatenkreise sind nicht möglich. Vielmehr ist eine Differenzierung der Angebote und damit auch der Vermittlungsformen politischer Bildung erforderlich. Also z.B. unter anderem Stärkung der digital vermittelten politischen Bildung bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der „festen Lernorte": nur diese erlauben schließlich den unverzichtbaren Austausch mit anderen Bürgern, den Politikern, den Vertretern der Wirtschaft etc.
Die Kenntnis der bundesdeutschen Politik genügt für das Verständnis politischer Prozesse bei weitem nicht mehr. Aktuelle Politik wird mehr und mehr geprägt vom ständigen und schnellen Aufeinandertreffen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Ereignisse. Gerade auch die Kenntnis der Strukturen in den internationalen Beziehungen wird immer wichtiger, ebenso Grundverständnis für internationale Wirtschaftspolitik und ihre Verflechtungen und Interdependenzen. Das heißt, politische Bildung muss die Interdependenz von nationaler sowie europäischer und globaler Politik aufgreifen.
Eine weitere – neue – Herausforderung für eine moderne politische Bildung ist die Herausforderung von Politik und Gesellschaft durch technische Entwicklung und durch Innovationsprozesse; schließlich haben technologische Entwicklungen z.B. in Biologie, Medizin, Informationstechnologie, Nanowissenschaft usw. stets auch eine gesellschaftliche und politische Dimension. Auch mit diesen Fragen muss sich politische Bildung – im Zusammenwirken mit den Fachwissenschaftlern – auseinandersetzen.


2. Was bedeutet Demokratie für Sie?

Demokratie ist für mich das zentrale Prinzip zur Ordnung unseres Zusammenlebens. Nur eine Demokratie gewährleistet, dass Menschen in Freiheit und ohne Angst vor Übergriffen (seien es die eines allmächtigen Staates oder die von Bürgerkriegsparteien in einem gescheiterten Staat) leben können. Demokratie ist die Grundlage für politische Teilhabe sowie für die Gewährleistung von Freiheitsrechten. Demokratie bringt viele Gewährleistungen und Rechte mit sich, sie ist aber auch die anspruchsvollste aller Regierungsformen: Sie verlangt uns Wachsamkeit und eigene Teilhabe ab. Die Demokratie ist eben kein Schlaraffenland (Eric Voegelin), in dem den Bürgern ohne ihr eigenes Zutun eine handlungsfähige, demokratisch legitimierte Regierung ebenso in den Mund fliegt wie Rechtsstaatlichkeit und Teilhaberechte.

 

3. Welche Erwartungen haben Sie an die Nacht der Demokratie?

Nachdem ich mich ansonsten vor allem tagsüber mit Fragen der politischen Bildung befasse, bin ich schon gespannt, ob die Abendstunden in Augsburg neue Impulse mit sich bringen.

Auf jeden Fall erwarte ich anregende Gespräche. Besonders erfreulich wäre es, wenn auch solche Besucherinnen und Besucher mit Interesse, Fragen und Anregungen zur Nacht der Demokratie kommen würden, die ansonsten Veranstaltungen der politischen Bildung nicht oder selten besuchen und wenn sich auf diese Weise neue Kontakte ergäben.

 

Vielen Dank für Ihre Zeit.

 

Das Interview führte Angela Zeller für das Netzwerk Politische Bildung Bayern.

Gelesen 1289 mal Letzte Änderung am Sonntag, 14 Dezember 2014 14:14
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