Dienstag, 03 Juli 2007 00:00

Interview mit Sebastian Kochs, Leiter der Projektabteilung des Stadtjugendrings Augsburg

geschrieben von  Redaktion

Mit dem Projekt 11Tausend will der Stadtjugendring Augsburg junge Menschen zur Teilhabe in Politik und Gesellschaft aktivieren und Stadtgesellschaft und Politik für die Belange von Jugendlichen sensibilisieren. Wir haben mit Raphael Brandmiller , dem Vorsitzenden, und Sebastian Kochs, dem Projektleiter des SJR Augsburg gesprochen.

Herr Kochs, ab wann startet das Projekt 11Tausend und wie?


Es gibt zwei Phasen: Die erste Phase startete genau ein Jahr vor der Kommunalwahl, also 2.3.2007. Da haben wir auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben, das wir wetten, dass 11.000 junge Wähler zum Wählen gehen – so kommt der Name zustande – und haben so eine Art Aufmerksamkeit generiert.


Die zweite Phase startete am 21.6.2007 damit, dass die Community online ging und der Plakatgenerator samt dem Bus zum ersten Mal unterwegs war. In der Folge kommen nun weitere verschiedene Veranstaltungen hinzu, auf denen wir hauptsächlich Werbung für die Community machen und das Projekt anhand konkreter Kleinigkeiten wie dem Plakatgenerator vorstellen.

Ein Eckpfeiler des Projektes wird ja das „Wahllokal“ sein. Wie kann man sich dieses Wahllokal vorstellen? Was soll darin vor sich gehen?


Die Idee des Wahllokals ist, dass wir einen zentralen Ort, ein Ladenlokal in der Innenstadt, besorgen, das dann „Wahllokal“ nennen, und dieses in den letzten drei Monaten vor der Kommunalwahl mit Aktionen, die verstärkt mit dem Thema Wahlen zu tun haben, füllen. Da gibt es eigene Ideen, zum Beispiel ist eine Aktion geplant, bei der man einfach mal testmäßig wählen kann und u.a. das Kummulieren und Panachieren erklärt wird und ausprobiert werden kann. Das Ladenlokal soll aber auch ein Rahmen darstellen, in dem andere, die sich im Bereich Jugend und 11Tausend engagieren wollen, die Möglichkeit bekommen, dort sehr unkompliziert eine Veranstaltung durchzuführen.

Wie kann man sich an diesem Projekt beteiligen? Wer kann alles bei der Aktion mitarbeiten?


Grundsätzlich ist es so, dass wir als Plattform versuchen, möglichst vielfältige Aktivitätspartner zu gewinnen.
Das kann ein Unternehmen sein, das uns unterstützt wie z.B. die VW-Autohäuser, die den VW Bulli zur Verfügung gestellt und mit ihren Azubis hergerichtet haben oder wie die Sparkasse, die sehr viel finanziert. Das können aber auch Institutionen sein, z.B. die Jugendtheater.Es können aber auch aktive Einzelpersonen sein, z.B. haben wir mit jemandem gesprochen, der einen PoetrySlam zum Thema Wählen-gehen macht.
Es kann aber auch jemand ganz privat etwas machen: dann hat man zwei Möglichkeiten: Es gibt eine ganze Menge Aktionen, an denen man sich als Helfer beteiligen kann (beim Plakatgenerator bei Veranstaltungen mithelfen oder als Wahlhelfer am Wahltag). Oder aber man möchte allein oder als Gruppe eine eigene Idee verwirklichen. Im Prinzip kann jeder mitmachen, der auf die Idee „Wir machen aufmerksam auf die Jugend in Augsburg“ hinweisen will. Wenn ich z.B. Lehrer bin und beispielsweise Sozialkunde unterrichte und mich für den Plakatgenerator interessiere, dann kann man den ganz einfach für das Thema verwenden.

Haben Sie schon daran gedacht, vielleicht auch ganze Schulklassen einzubeziehen? Sollte nicht auch mit LehrerInnen zusammengearbeitet werden?


Grundsätzlich gibt es auch da ganz viele Möglichkeiten, es hängt immer davon ab, wie sehr sich die Leute engagieren möchten. Die leichteste Art mit ganzen Schulklassen zusammen zu arbeiten ist die Nutzung der Plakatgenerator-Software. Dann kann man sich Gedanken darüber machen, “wie stehe ich zu meiner Stadt, wie stehe ich zum Thema Wählen?“ Es muss aber gar nicht immer unbedingt mit dem Thema Wählen zu tun haben, sondern es geht ja um die Thematik Jungsein an sich. Ich habe neulich z.B. mit zwei jungen Anwälten gesprochen, die sowieso schon die Idee hatten, junge Menschen in Rechtfragen zu beraten bzw. zu thematisieren, was passiert, wenn man mit dem Gesetz ins Konflikt geraten ist. Die Idee ist von 11Tausend ganz offen, da wir alles, das mit Jungsein zu tun hat, zu stärken und den jungen Menschen das Gefühl zu geben: wenn man anfängt sich für etwas zu engagieren, wenn einen etwas interessiert, dass es dann auch Möglichkeiten gibt, dazu einen Input zu bekommen.

Was sind Ihre Aufgaben im Moment und im weiteren Verlauf?


Ideen entwickeln und sammeln und auf die Durchführbarkeit zu prüfen…und ganz viel zu kommunizieren. Ich mach den ganzen Tag nichts anderes außer telefonieren, mailen, Leute treffen und erklären: „Um was geht es hier eigentlich?“.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf des Projektes?


Nach anfänglichen großen Problemen, wo ich zwischendurch nicht schlafen konnte, ist seit vier Wochen der Knoten geplatzt und seitdem läuft es sehr gut. Wir haben die kritische Phase definitiv überwunden und jetzt wo die Idee greifbarer wird, durch die Community und den Bus erlebbar wird, da wird die Idee auch klarer.

Haben Sie bereits einen Höhepunkt in der bisherigen Projektarbeit erlebt? Wo lagen die Herausforderungen?


Der Höhepunkt war die Woche, in der aus verschiedenen dürren Ideen tatsächlich sichtbare wurden, also als klar war, dass die Idee mit dem Plakatgeneratorbus Realität werden wird oder, dass die Community wirklich cool aussieht.


Die größte Herausforderung liegt ja noch vor uns: wir müssen es schaffen, dass sich für das eigentlich vollkommen „uncoole“ Thema Politik eine breite Masse - denn nur so funktioniert ja das mit der Wette - interessiert. Also wir müssen es schaffen, dass sich die jungen Menschen
a) für Politik und ihre Stadt interessieren und das
b) auch noch letzten Endes dazu führt, dass sie zum Wählen gehen.
Wir müssen es also hinbekommen, dass eine positive Stimmung in der Stadt entsteht.

Die Internetplattform soll die Jugendlichen ja auch ein stückweit miteinander vernetzen. Was sind Ihrer Meinung nach generell wichtige Faktoren für den Aufbau eines erfolgreichen Netzwerkes?


Erstmal muss es wirklich als Netzwerk taugen: ich glaube, ein gutes Netzwerk hat ein klares Ziel und gleichzeitig die größtmögliche Offenheit. Netzwerke fangen dann an zu kranken, wenn einer komplett die Richtung vorgibt. Erstmal müssen alle freiwillig einem Ziel folgen. Es muss außerdem – ganz banal - auch bekannt sein.

Welche Defizite sehen Sie in der Politischen Bildung?


Politik wird viel zu sehr den Parteien überlassen. Politik ist ja viel mehr als das, was Politiker und Parteien machen. Es fehlt dieses Erkennen, dass man tatsächlich als aktiver Mensch in der Gesellschaft schon sehr viel bewirken kann.

Wie kann Politik Ihrer Meinung nach am besten vermittelt werden?


Indem man Politik runterbricht. Das ist ja auch das Ziel von 11Tausend: erstmal die Themen generieren. Um was geht es den jungen Menschen eigentlich. Man muss richtig ernsthaft fragen: „Was ist euch wirklich wichtig?“. Die heutige Jugend ist ja laut Shell-Studie sehr pragmatisch und da muss man ansetzen in der Politik. und das auch pragmatisch angehen und ernsthaft darüber nachdenken, „Was sind die Themen, die wir ehrlich angehe?. Was sind die Themen, die euch bewegen und was können wir als Gesellschaft dafür tun?“ Da muss die Eigenverantwortung meiner Meinung nach zum einen gefordert werden, aber zum anderen auch dazu befähigt werden.

Politische Bildung bedeutet für mich...
…mit offenem Visier informieren.

Erfolgreiche Politische Bildung ist…
…das Zulassen von einer großen demokratischen Meinungsvielfalt.

 Unser Projekt wird erfolgreich, weil…
…wir die richtigen Ideen haben.

Haben Sie einen konkreten Wunsch, sehen Sie Möglichkeiten der gemeinsamen Kooperation?
Manche Leute wissen gar nicht, dass sie eine geniale Idee haben. JedeR, der sich generell für das Projekt interessiert, soll sich eigentlich einfach nur bei uns melden. Alles Weitere ergibt sich dann von selbst.

Herr Kochs, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Nina Turani


 

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