Einladung zur Tagung: Über „Täter“ und „Opfer“ in der Demokratie

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Eine Demokratie bietet uns viele Vorzüge und Annehmlichkeiten: Sie stattet alle Staatsbürger mit den gleichen Rechten aus, bietet weitgehende Freiheiten zur persönlichen Entfaltung und geht bestmöglich auf die Bedürfnisse Aller ein. Doch auch eine Demokratie ist nicht frei von Problemen und Gefahren. Welche dies sind, was sie gefährlich für das gesellschaftliche Zusammenleben macht und wie man mit ihnen umgehen kann, damit beschäftigen sich die Teilnehmer der Tagung: „Über „Täter“ und „Opfer“ in der Demokratie“, welche das Gesellschaftswissenschaftliche Institut München für Zukunftsfragen, die Akademie Führung und Kompetenz am Centrum für angewandte Politikforschung München (CAP) und das Netzwerk Politische Bildung Bayern, am 25.02.2017, in Kooperation veranstalten.

Gerade im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik lässt sich eine Eskalation des politischen Streits feststellen: Die Fronten zwischen PEGIDA, AFD und Co. auf der einen Seite und zivilgesellschaftlichen Akteuren einer Willkommenskultur auf der anderen Seite verhärten sich. Vergleicht man beispielsweise die Einträge auf den Facebookseite von PEGIDA und PEGIDA#watch zeigt sich nicht nur eine klare Abwertung der jeweils anderen Gruppierung, sondern auch ein starker Hang zur Selbstgerechtigkeit und zur Diskreditierung des „Feindes“. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich beide Seiten der Konfliktgegner oftmals als diskriminiertes „Opfer“ der jeweils anderen Seite empfinden, gegen die man sich zur Wehr setzen müsse.

Betrachtet man die inhaltliche Seite der Flüchtlingsthematik lässt sich oftmals ebenfalls eine Täter-Opfer-Sprache identifizieren. Sei es wenn die Mehrheitsgesellschaft Minderheiten vorwirft, diese wollten einen ohnehin nur ausnutzen und seien gar nicht bereit, sich zu integrieren oder wenn Minderheiten der Mehrheitsgesellschaft pauschal den Vorwurf machen, diese würde sie diskriminieren und ablehnen. Und auch bei dem Thema „Politikverdrossenheit“ finden sich Hinweise darauf, dass viele Bürger/innen hier in einer Täter-Opfer-Logik denken, beispielsweise wenn die eigene Ohnmächtigkeit gegen „die da oben“ thematisiert wird oder gar Verschwörungstheorien vorgebracht werden. Umgekehrt sehen sich wiederum auch Politiker/innen als Opfer einer pauschalen Verunglimpfung ihres Berufsstandes und unfairer öffentlicher Angriffe.

Woher aber kommt die Tendenz, in der Demokratie von Tätern und Opfern zu sprechen? Und lassen sich mit diesen Begriffen politische Phänomene in der Demokratie angemessen beschreiben? Wo haben wir es in der Demokratie wirklich mit Täten und Opfern zu tun? Und wo ist die Verunglimpfung der anderen als Täter und die Selbstinszenierung als Opfer nur ein Mittel in der politischen Auseinandersetzung? Welche Gefahren liegen in der Opfer-Täter-Logik? Und wie kann politische Bildung auf diese Problematik angemessen reagieren?

 

Wir freuen uns darauf, mit Ihnen diese und weitere Fragen zu diskutieren!

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