Mittwoch, 24 November 2010 00:00

Die neue Rechtsextremismus- Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung

geschrieben von  Kristin Lehmann
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Im Auftrag des Projektes „Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus" des Forums Berlin der Friedrich- Ebert- Stiftung, wurde diese Studie 2010, unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler, durchgeführt. Die Studie ist eine Repräsentativbefragung und basiert auf einer Stichprobe von 2411 Befragten im Alter von 14 bis 90 Jahren. Grundlage war ein Rechtsextremismus-Fragebogen, welcher die „6 Dimensionen" des Rechtsextremismus darstellt. Es wurden jedoch nicht nur soziodemographische Daten herangezogen, sondern ebenfalls Daten wie Deprivation, Lebenszufriedenheit und Einstellung gegenüber der Demokratie mit aufgenommen.

 

Wesentliche Ergebnisse

In dieser Studie wurde bereits das bestätigt, was auch der Grundtenor der vorangegangenen Studien war, der „Rechtsextremismus ist kein Phänomen am Rande der Gesellschaft". Gerade das Gegenteil ist häufig der Fall, denn rechtsextreme Einstellungen finden sich in besorgniserregendem Maße besonders in der Mitte der Gesellschaft.

Im Jahr 2010 ist eine bedeutende Zunahme antidemokratischer und rassistischer Einstellung zu beobachten. Auch die rückläufige Tendenz seit 2002, lässt sich in dieser Studie nicht mehr bestätigen. Besonders im Bereich der chauvinistischen und fremdenfeindlichen Einstellungen, ist eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Dadurch lässt sich eine „krisenbedingter Mechanismus der Abwertung gegenüber Fremden" dokumentieren.

Auch die Form der Demokratie muss Verluste einstecken, denn auch die Zustimmung gegenüber der Demokratie hat stark abgenommen. Über 90% der Bevölkerung sehen keinen Sinn darin sich politisch aktiv zu engagieren, auch glauben sie, dass bei einer Beteiligung, ihre Einflussnahme sehr gering ist.

Diese doch eher negativen Tendenzen, die bis dahin bereits nach gesellschaftlichem Handlungsbedarf verlangen, werden durch zunehmende islamfeindliche Aussagen noch verstärkt.

Diktatur

Der Abwärtstrend, der noch im Jahr 2008 zu verzeichnen war, konnte 2010 nicht fortgesetzt werden. Die Zustimmung für eine Diktatur stieg von 3,7% auf 5,1% an. Die größte Befürwortung erhielt eine Diktatur mit völkischer Begründung. Das Volk wird somit als eine Art Schicksalsgemeinschaft gesehen, welche nur von einer „starken Partei" gelenkt werden kann, somit sehen 8,8 % der Deutschen eine Diktatur unter bestimmten Bedingungen als bessere Staatsform an. Einen Führer, welcher mit „starker Hand" regiert würden, wünschen sich bereits 16, 1%. Auch die Parteienvielfalt, stößt nicht mehr auf volle Begeisterung, denn 27,4% glauben, dass es jetzt eine starke Partei brauche um die Volksgemeinschaft insgesamt zu repräsentieren.

Ausländerfeindlichkeit

Bei der Befürwortung der Ausländerfeindlichkeit ist im Vergleich mit Jahr 2008 nur ein leichter Rückgang zu verzeichnen, von 9% auf gerade einmal 8,7%. Dieser Rückgang ist aus statistischer Sicht jedoch nicht von Bedeutung, da dieser Wert seit 2002 zwischen 8,4% und 10% pendelt. Ach die Ost-West- Verteilung hat im Vergleich zu 2002 und 2006 erheblich angeglichen. Im Einzelnen verteilen sich die Zustimmungswerte folgendermaßen. 47,6 % der Befragten befürworten die These, dass Ausländer nur aus dem Grund nach Deutschland gekommen sind, um den Sozialstaat auszunutzen. Wenn Arbeitsplätze knapp werden, solle man die Ausländer wieder zurück in ihre Heimat schicken, ist eine Meinung, die 46,8% unterstützen würden. Die Überfremdung der Bundesrepublik nehmen mehr als 30% der Befragten wahr. Das die Ausländerfeindlichkeit trotz Globalisierung nicht weniger wird und wieder stärker in den Fokus rücken sollte ist also nicht mehr zu leugnen.

Verharmlosung Nationalsozialismus

Während die Befürwortung einer Diktatur und die Ausländerfeindlichkeit als Reaktion auf die Wirtschafts-/Finanzkrise verstanden werden können, spielt die Verharmlosung des Nationalsozialismus eine geringere Rolle. Gleichwohl darf dies nicht darüber hinweg täuschen, dass der Anteil der Bevölkerung, die offen antisemitisch eingestellt ist bei immer noch, trotz leichtem Rückgang, bei knapp 10% liegt. Im Genauen heißt das, 10% sehen in Hitler ohne die Judenvernichtung einen großen Staatsmann, 9% finden, dass die Verbrechen übertrieben dargestellt werden und 7,8% sehen die guten Seiten im Nationalsozialismus.

Islamfeindlichkeit

Die negativsten Werte in diese Studie entfallen auf die Islamfeindlichkeit, in der sich die Haltung der Deutschen manifestiert, eine ausgeprägte Abwertungsbereitschaft gegenüber „Fremden" zu haben. Dass manche Leute Araber als unangenehm ansehen, können 55,4% der Deutschen verstehen. Für eine erhebliche Einschränkung der Religionsausübung sprechen sich 58,4% aus, in Ostdeutschland sogar 75,5%. Gleichwohl ist in dieser Studie nicht nur ein Rechtsextremismus im traditionellen biologischen Sinne gemeint, sonder verknüpft sich diese jetzt zunehmend mit einer kulturalistischen Begründung, d.h. es kommt vermehrt zu beispielsweise Ethnisierung sozialer Konflikte.

Fazit

Was diese Studie ganz klar zum Ausdruck bringt ist in erster Linie, das die Demokratie keinerlei Lorbeeren hat, auf welchen sie sich ausruhen könnte. Dies ist in den deutlichen Zahlen der Fremdenfeindlichkeit und den Zustimmung zur Diktatur zu sehen. Denn gerade durch Krisen, wie sie in den letzten Jahren herrschen, gerät die Demokratie zunehmend in Gefahr. Den Aufruf den man nun nur machen kann und der auch den Autoren am Herzen liegt ist, dass Demokratie erlebbarer gemacht werden muss. Es reicht oft nicht nur neue Partizipationsmöglichkeiten auf dem Papier zu schaffen, sie können nur begriffen werden, wenn man sich beteiligt. Dies fängt zuerst in der Bildung an und hier auf der untersten Stufe, warum nicht bereits in den Kindergärten mehr Transparenz, durch pädagogische Konzepte, bereits für Kleinkinder schaffen. Denn Bildung ist einer der größten Schutzfaktoren gegen antidemokratische Einstellungen. Nun bleibt abzuwarten, ob diese Studie den entscheidenden Anstoß liefert, damit die Politik auf diesen Apell reagiert.

Die Studie finden Sie hier online.

An dieser Stelle finden Sie die Pressemeldung zur Studie.

Gelesen 1313 mal Letzte Änderung am Sonntag, 23 November 2014 14:24
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten