Mittwoch, 20 Oktober 2010 00:00

Rezension: "Handbuch Medien in der politischen Bildung" (2010) von Anja Besand, Wolfang Sander (Hg.)

geschrieben von  Christian Fey
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Die Verflechtung von Medien und Politik, die die politische Kommunikation und das politische Handeln unserer Gegenwart bestimmt, erfordert es, dass Medien zum integralen Bestandteil des Politikunterrichts werden - so die Meinung der Herausgeber des "Handbuchs Medien in der Politischen Bildung". Damit ist einem Verständnis von Politikunterricht eine Absage erteilt, die den Bereich "Medien" nur als unterrichtsgegenständlichen Teilbereich politischer Bildung versteht. In Zeiten, in denen Schlagwörter von der "Medienpolitik" bzw. der "Mediendemokratie" (Meyer) oder dem "Info- oder Politainment" (Dörner) die Runde machen, ist die konsequente Einbeziehung von Medien als ständiges Begleitphänomen politischer Prozesse im Politikunterricht auch aus pädagogisch-didaktischen Überlegungen nötig. Hier leistet das aktuell im Wochenschau Verlag erschienene Handbuch seinen Beitrag.

 

Struktur des Handbuchs

Im Handbuch wird ein weit gefasster, formaler Medienbegriff zu Grunde gelegt. Es wird absichtlich auf eine eigene theoretische Systemtisierung verzichtet und es liegt auch keine spezifische medientheoretische Perspektive zugrunde. Auch die 41 beteiligten Autoren, die zu insgesamt 57 Medien politischer Bildung Artikel verfasst haben, kommen, wie die Herausgeber des Handbuchs betonen, aus ganz unterschiedlichen Handlungsfeldern. Das Buch soll in den unterschiedlichsten Settings nutzbar sein und bleiben.

Die einzelnen Artikel sind nach dem Namen des Mediums von A wie "Alltagsgegenstände" bis "Z" wie "Zeitzeugen" alphabetisch gegliedert und folgen einem festgelegten Schema:

  • Einführender Teil: Besonderheit und politische Relevanz des Mediums
  • Bedeutung des Mediums für den politischen Unterricht
  • Praxisbeispiel oder konkrete Lehr-Lern-Situation zur ANwendung (keine vorgefertigten Ausarbeitungen, was auch aufgrund der Breite des Zielpublikums wenig Sinn machen würde)
  • Checkliste für die Nutzung des Mediums (Dos and Don'ts)
  • Literaturhinweise (ausführlich und aktuell)

Insbesondere durch die Praxisbeispiele können schnell eigene Anwendungsmöglichkeiten gefunden werden, deren Qualität und Umsetzbarkeit mit Hilfe der Checklisten sehr gut überprüft werden kann.

Um trotz der alphabetischen Sortierung auch einen systematischen Zusammen werden von den Herausgebern sog. "Pfade" angegeben. Diese sind zum einen als Verzeichnis vorhanden und zum anderen als Symbole visualisiert, die der Einleitung der Artikel vorangestellt sind. Die Pfade lauten wie folgt: "Klassische Unterrichtsmedien", "Digitale Medien", "Ort und Menschen als Medium", "Printmedien", "Kommunikationsmedien", "Unterhaltungsorientierte Medien", "Medien aus der jugendlichen Medienwelt", "Medien im Wahlkampf", "Medien für den Einstieg in Lernvorhaben", "Medien für wissenschaftlich orientiertes Arbeiten", "Besonders überraschende, in der politischen Bildung noch eher ungewöhnliche Medien", "Kontroversen Folgen, interessante Paarungen". Durch die genannten Pfade lässt sich das Handbuch auch gezielter unter bestimmten thematischen Fragestellungen durchsuchen, was dem Anwender, der ja in der Regel nach Methoden für eine konkrete Lehr-Lernsituation einen sinnvollen Zugang bietet.

Fazit

Das "Handbuch Medien in der politischen Bildung" ist zur Praxisanwendung und zur Erweiterung der eigenen Kompetenz und des Repertoires im Einsatz von Medien in der politischen Bildung uneingeschränkt zu empfehlen. Man läuft sicher nicht Gefahr, schnell mit diesem Handbuch "fertig zu sein". Der Gesamtumfang des Handbuchs ist groß und die Qualität der Beiträge ist durchgängig hoch, allerdings sollte man bereit sein, die Arbeitsleistung zu erbringen, die beispielhaften Praxisanwendungen in die eigene Situation zu übertragen. Auf dazu verfügbare Ressourcen (z.B. Im Internet) wird an geeigneter Stelle hingewiesen.

Die Auswahl der Medien, die das Handbuch trifft, mag nicht absolut vollständig sein (der Autor dieser Zeilen würde sich z.B. für die nächste Auflage einen eigenen Beitrag zu Social-Media Anwendungen wir Facebook, Twitter und co. wünschen), sie ist aber sehr ausführlich und bietet erfreulicherweise nicht nur "Trendmedien", sondern hat auch den Mut "klassische" Medien in ihren (neuen) Möglichkeiten für heute zu präsentieren.

Um das Ziel zu erreichen, politische Urteils- und Handlungsfähigkeit bei den Zielgruppen politischer Bildung zu erreichen, leistet das Handbuch Medien in der politischen Bildung gerade durch die Breite seines Ansatzes einen wertvollen Beitrag.

 

Verweise:

Besand, A. & Wolfang, S. (2010): Handbuch Medien in der politischen Bildung- Wochenschau Verlag. ISBN 978-3-89974611-2 - Preis: 49,80€ zu Beziehung über www.wochenschau-verlag.de

 
Gelesen 1390 mal Letzte Änderung am Sonntag, 23 November 2014 14:28
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