Donnerstag, 03 April 2008 00:00

Die Welle - Neuverfilmung von Dennis Gansel

geschrieben von  Irina Schumacher
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Basierend auf einer wahren Geschichte erzählt der Film wie durch gezielte Manipulation und Gruppenzwang schrittweise Prinzipien einer Diktatur eingeführt werden können. Der Film läuft seit 13. März im Kino.

Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) lehrt an einer deutschen Schule. Die Idee für sein pädagogisches Experiment wird während einer Projektwoche zum Thema „Staatsformen" geboren. Sein Ziel ist, den Schülern die Entstehung einer Diktatur zu demonstrieren. Innerhalb weniger Tage entwickelt sich eine Gruppierung „Die Welle" innerhalb der Schule, die sich durch Logo, Uniform und einem geheimen Gruß von anderen kontrastiert. Das Experiment verselbständigt sich und scheint außer Kontrolle zu geraten. Die Gruppenmitglieder und ihre Führerfigur scheinen sich in den Rollen gut zu gefallen. Wie geht es nun weiter?

Das pädagogische Experiment hat tatsächlich 1967 an einer kalifornischen High School in Palo Alto stattgefunden. Der Geschichtslehrer Ron Jones wurde durch eine Frage eines Schülers zum Nachdenken angeregt und führte dieses außergewöhnliche Experiment durch. Der Schüler fragte: „Wie kann es sein, dass die Deutschen nichts über die Judenvernichtung mitbekommen haben?" Sein Lehrer konnte ihm keine Antwort darauf geben. Aber in den nächsten Tagen führte er strenge disziplinarische Verhaltensregeln in der Klasse ein und verlangte den absoluten Gehorsam. Eines Tages führte er einen geheimen Gruß ein und später die Mitgliederkarten. Alles schien wunderbar zu funktionieren und das erstaunliche war, dass seine Schüler effektiv lernten und dem Lehrer genau zuhörten. Sie akzeptierten seine Autorität und die aufgestellten Regeln. Darüber hinaus waren einige bereit ihre Freunde und sogar Familienmitglieder, die sich abwertend über „die Welle" äußerten, an Mr. Jones zu melden. Das Experiment weitete sich über die Klasse hinaus aus und da wurde Ron Jones klar, dass das ganze Vorhaben aus den Fugen gerät. Ein faszinierendes Beispiel für den Gruppenzwang und Drill, die zu zentralen Elementen einer Diktatur zählen.

Diese wahre Geschichte (die gottlob weniger dramatisch endete als die Verfilmung) regte in den 80er Jahren den Schriftsteller Morton Rhue zu einem gleichnamigen Roman „Die Welle" an, der auch eine erste Verfilmung nach sich zog. Schon damals sorgte das Buch für reichlich Diskussionsstoff zum Thema Faschismus und Konformität. Und schon damals wie auch heute fragte man sich: Wie leicht lassen wir uns zur Gleichheit und zur Gruppenzugehörigkeit verführen? Wie viel einfacher ist es dazuzugehören, statt dagegen zu agieren? Wie viel einfacher ist es zu schweigen, weg zu sehen, statt anzusprechen und zu konfrontieren?

An dieser Stelle möchte ich die Kritik der BR-Online Redaktion zitieren, die dazu ganz zutreffend folgendes schrieb (12.03.08):

"Der Film ist durch und durch modern, hip, cool. Die Jungschauspielerriege um Max Riemelt, Frederick Lau und Jennifer Ullrich darf popkulturell beflissen in gut geschriebenen Jugendslang-Dialogen parlieren.

Doch man wird das Gefühl nicht los, dass der Film zu gewollt, zu oberflächlich bleibt. Die Dimension seines Themas verpufft in schneller Effektdramaturgie. Die Debattenfolie "Nationalsozialismus" ist lediglich Aufhänger für einen typischen Genremix: "Coming-of-age" trifft "Highschooldrama" trifft "Thriller". Gut gemacht, aber irgendwie unbefriedigend."

Weitere Informationen:

Informationen zur wahren Geschichte finden Sie auf dieser Seite:
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground
/1577/nazis_fuer_fuenf_tage.html 

Gelesen 1577 mal Letzte Änderung am Sonntag, 23 November 2014 15:40
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten