Montag, 11 Februar 2008 00:00

Jörg Althammer - Handbuch ökonomisch-politische Bildung

geschrieben von  Irina Schumacher
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Ein anspruchsvolles wissenschaftliches Werk der ökonomisch-politischen Bildung, geschrieben von Forschern aus Wirtschaft und Politik mit dem Ziel der Verbindung beider Disziplinen unter ausgewählten Themenfeldern, die unter fachdidaktischer Perspektive zusammengeführt und unter dem Aspekt unterrichtspraktischer Anwendung diskutiert werden. Das Buch ist in zehn Themenfelder gegliedert, die aus drei Blickwinkeln der wirtschaftswissenschaftlichen, politischen und fachdidaktischen Perspektive von Fachexperten dargestellt und beurteilt werden. Die Intention der Herausgeber ist es, einen systematischen Zugang zu Politik und Wirtschaft zu ermöglichen und allen Praktikerinnen und Praktikern die pädagogische Vermittlungsaufgabe zu erleichtern.

 

Inhaltliche Zusammenfassung - die wichtigsten Aspekte und Ergebnisse

Ziel und Aufbau dieses Buches konzentrieren sich auf die Zusammenführung von zwei wesentlichen Aspekten, die einen Teil der zeitgemäßen Grundbildung darstellen und eine Herausforderung in der Entwicklung eines Schulfaches bilden, das die zwei Faktoren der ökonomischen und politischen Inhalte miteinander verbindet. Dieses Handbuch begreift seine Aufgabe in der Integrationsleistung ökonomischer und politischer Fragestellungen unter dem unterrichtspraktischen Gesichtspunkt. Die Entwicklung sinnvoller und bildungswirksamer Themenfelder erfordert den Fokus in den Überschneidungsfeldern beider Disziplinen, die hier gemeinsam von Vertretern beider Richtungen erörtert werden.

Jörg Althammer/ Uwe Andersen/Joachim Detjen/Klaus-Peter Kruber (Hrsg.):
Handbuch ökonomisch-politische Bildung.
Schwalbach/Ts. 2007
ISBN: 978-3-89974363-0
39,80 €

Einleitung

Sehr geschickt beginnt das Handbuch mit der fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Einleitung zum Thema. Zu Beginn wird die ökonomische Perspektive erläutert, welche notwendige Auseinandersetzung mit Politik und ihre genuine Verknüpfung mit Wirtschaft verdeutlicht. Anschließend erfolgt die Erörterung bildungspolitischer Intentionen und Auseinandersetzung der politischen Bildung mit wirtschaftlichen Faktoren. Diese zunächst reizvolle Abfolge beider Disziplinen erweckt aber indirekt den Eindruck, dass die angestrebte Verknüpfung doch eine künstlich hergestellte zu sein scheint, wenn sich sogar in den einleitenden Gedanken kein Konsens findet. Nach meiner Einschätzung wäre es wünschenswert, gerade in der Einleitung eine gemeinsame Charakterisierung des Verhältnisses von Wirtschaft und Politik hervorzuheben und zwar aus ihrer natürlichen Konstellation heraus. Trotz dieser zunächst getrennten Darstellung gelingt es den Autoren jedoch, die angestrebte Zusammengehörigkeit zu verdeutlichen. Zunächst wird die tatsächlich häufige Kontrastierung von Wirtschafts- und Politikwissenschaft thematisiert. Scheinbar gehen die beiden Disziplinen in den leitenden Fragestellungen von zwei unterschiedlichen Selbstdefinitionen ihres Faches aus. Die Ökonomie geht von dem Grundsatz der Selbststeuerung des Marktes, dagegen die Politik von der Regelung des gesellschaftlichen Zusammenlebens aus. Wo sind nun bei diesen unterschiedlichen Selbstdefinitionen die Berührungspunkte zu finden?

Jede ökonomische Maßnahme reicht über die rein rationalen Funktionen hinaus und betrifft im alltäglichen Leben die sozialen Bereiche; die Konsumenten sind Menschen: Arbeitnehmer, Mütter und Väter, usw. Die ökonomische Analyse konzentriert sich auf die nicht beabsichtigten Konsequenzen des rationalen Handelns, die sozial förderlich sein können oder auch in ein soziales Dilemma führen. In diesem Punkt berühren sich die ökonomischen und politischen Faktoren, die nach dem Pareto-Prinzip einer Analyse unterzogen werden können. „Nach diesem Kriterium ist eine politische Maßnahme ökonomisch begründbar, sofern durch diese Maßnahme zumindest ein Gesellschaftsmitglied besser gestellt wird, ohne gleichzeitig ein anderes Mitglied schlechter zu stellen" (Althammer/Anderesen 2007, S. 14). Die eindeutige Schnittstelle der beiden Disziplinen ist die Wirtschaftspolitik, zu deren Aufgaben die Verbindung der unterschiedlichen Perspektiven gehört. Umgekehrt zielt die politische Bildung auf die Ausbildung der politischen Urteilsfähigkeit und Handlungsfähigkeit der Gesellschaftsmitglieder und fokussiert somit die Rolle des Staatsbürgers. In diesem Zusammenhang werden die politikdidaktischen Einheiten, insbesondere der Politikzyklus, und ihre Bedeutung für die politische Bildung dargestellt. Schließlich werden die wichtigsten Segmente, die für den Unterricht bedeutend erscheinen herauskristallisiert und begründet. Diese wären: Wirtschaftsordnung, Wirtschaftspolitik und die Finanzwirtschaft des Staates, internationale Verflechtungen der Wirtschaft. In diesen Bereichen wird die ökonomisch-politische Verzahnung am deutlichsten, was allerdings für den Unterricht keine didaktische Gleichsetzung der beiden Disziplinen bedeutet. Das Buch gliedert sich in zehn Kapitel auf: Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Wirtschaftsordnung und der sozialen Marktwirtschaft, im zweiten Kapitel stehen Märkte und Akteure im Mittelpunkt, das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Themen Geld und Währung, das vierte Kapitel thematisiert Wachstum und Strukturen, im fünften Kapitel wird das Thema Beschäftigung erläutert, das sechste Kapitel fokussiert die Themen Verteilung und Sozialpolitik, im siebten Kapitel wird Umweltpolitik behandelt, Die Finanzpolitik wird im achten Kapitel beleuchtet, das neunte Kapitel erörtert die Themen Außenwirtschaft und Globalisierung, im zehnten und letzten Kapitel wird die Wirtschaftsordnung diskutiert.

Adressaten dieses Buches

Das Buch ist an Praktikerinnen und Praktiker in der Schule und anderen Bildungsinstitutionen adressiert, die sich aufgrund bildungspolitischer Pläne zur Zusammenführung der Fächer Politik und Wirtschaft durch unterrichtsdidaktische und pädagogische Vermittlungsaufgaben herausgefordert fühlen. Allerdings wird von Fachexperten an vielen Stellen dieses Buches ein fachliches Vorverständnis in politischen und ökonomischen Vorgängen vorausgesetzt. Ungeeignet ist dieses Buch für fachfremde Interessenten ohne diese Grundkenntnisse.

Warum ist das Buch lesenswert

Durch den wiederkehrenden dreigliedrigen Aufbau dieses Buches werden spezifische Fragestellungen der Ökonomie und Politik deutlich, zum Teil kann man Überschneidungen der Themenfelder wiederfinden, allerdings überwiegen die Spezifika der Disziplinen in den meisten Fachbeiträgen. Umso spannender erscheint die fachdidaktische Diskussion, die den unterrichtlichen Gehalt der Themen aus den fachspezifischen Konzepten heraus unter ein gemeinsames Themenfeld zu integrieren versucht. Die fachdidaktischen Beiträge beschränken sich allerdings in der Legitimierung und Einordung der ökonomischen und politischen Aspekte im unterrichtlichen Kontext mit der Begründung der Lernziele und lassen vielfach unterrichtspraktische Anwendung oberflächlich und verkürzt erscheinen. Insgesamt fügt das Buch aber auf einem anspruchsvollen fachdidaktischen Niveau ökonomische und politische Themen unter dem bildungstheoretischen Aspekt zusammen.


Eine ausführlche Rezension dieses Werkes können Sie sich hier als PDF-Dokument herunterladen (87.33 Kb).

Die Herausgeber

Jörg Althammer, Dr. rer. pol. , ist Professor für Sozialpolitik und Sozialökonomik an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Nach dem Studium der Volkswirtschaft, Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Universität Augsburg und Promotion, habilitierte er sich 1998 zu einem familienpolitischen Thema. Seit Januar 2002 lehrt und forscht er an der Ruhr-Universität Bochum.

Uwe Andersen ist Prof. em. für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt deutsche Innenpolitik an der Ruhr-Universität Bochum und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Entwicklungsforschung (IEE). Uwe Andersen war seit 1979 Professor an der Ruhr-Universität Bochum und von 1982-1983 Dekan der Sozialwissenschaften. Er publizierte vor allem zu den Themen Parteien und Parteisysteme, Internationale Politik und Konfliktherd Islam.

Joachim Detjen Dr. phil., ist Professor für Politikwissenschaften und Politische Bildung/Didaktik der Sozialkunde an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Dekan der geschichts- und gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät. In seinen zahlreichen Aufsätzen schrieb er zu Themen politischer Bildung, Didaktik und Unterrichtsmaterial sowie Pluralismus.

Klaus-Peter Kruber, Dr. rer. pol. ist Professor für Wirtschaft/Politik und ihre Didaktik und Direktor am Institut für Sozialwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. In seinen wissenschaftlichen Schriften beschäftigt er sich mit den Themen der Wirtschaft und ökonomischen Bildung.

Weiterführende Links

Auf dieser Seite finden Sie eine Rede (16.11.2007) des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck in Potsdam zur Bedeutung ökonomisch-politischer Bildung im Übergang von der Schule zur Berufsausbildung. 

http://www.stk.brandenburg.de/sixcms/detail.php?gsid=bb2.c.441033.de

Ein Beitrag von Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Hermann Hartwich in dem die Bedeutsamkeit und Zusammenhang beider Disziplinen erörtert wird.

http://www.sowi-online.de/reader/journal/2001-1/hartwich.htm

Gelesen 1382 mal Letzte Änderung am Sonntag, 23 November 2014 16:06
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