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Der Reiz des Religionsmonitors liegt ganz klar im wissenschaftlichen Aufbau der Untersuchung und seiner dreidimensionalen Auswertungsmethode. Der Aufbau des Buches in drei Kapiteln ermöglicht es dem Leser, thematisch gegliederte Analysen und Ländervergleiche besser zu verstehen. Die Ergebnisse werden in wissenschaftlichen Beiträgen zu ausgewählten Themen interessant und spannend beleuchtet. Die im Titel des Buches gestellte Frage Woran glaubt die Welt? wird in großen Teilen beantwortet, wobei die arabischen Länder unterrepräsentiert sind und hier ein wichtiger Anteil in der religiösen Landschaft fehlt. Dennoch bringen die Ergebnisse aus der Befragung in Marokko überraschende Erkenntnisse zutage. Besonders stark und aussagekräftig sind die Ergebnisse zur europäischen Religiosität, die religiöse Pluralisierung und zugleich Toleranz gegenüber anderen Religionen erkennen lassen.

 

Im Rahmen der logo!-Fachtagung, die das ZDF anlässlich des 20. Jubiläums der Kindernachrichtensendung logo! Vom 12.-13. November 2009 veranstaltete, stellte der Sender eine von ihm in Auftrag gegebene repräsentative Studie zur Kinderbeteiligung in Deutschland vor. Befragt wurden insgesamt 874 Kinder aus deutschsprachigen Haushalten sowie deren primäre Erziehungsperson. Die Autoren der Studie interessierte vor allem die Wahrnehmung, die die Kinder selbst bezüglich der Bedeutung und der Intensität ihrer Mitbestimmung haben. Prof. Dr. Dr. Helmut Schneider, Prof. Dr. Waldemar Stange und Prof. Dr. Roland Roth zufolge ist die Studie die erste und bisher einzige Studie, die sich in Deutschland diesem Themengebiet auf empirischem Weg in der Altersgruppe von 8 bis 12 Jahren widmet.

Im Auftrag der internationalen Hilfsorganisation "Save the Children" zeichnete der Comic-Künstler Juan Acevedo den Comic "Los Niños primero" für den Einsatz als Lernmittel an Schulen in Peru. Dieser ist nun auch auf deutscher Sprache („Die Kinder zuerst“) erschienen und kann in gleicher Weise für politische Bildungsarbeit in Deutschland eingesetzt werden.

Juan Acevedo entwickelte diese überzeugend authentische Geschichte auf Grundlage einer Untersuchung des Sozialwissenschaftlers Enrique Vásques und zahlreicher Gespräche mit Betroffenen.

Mit seiner Studie zum Großprojekt „Schule als Staat" möchte Michael Marker einen Beitrag zu einer aktuellen politikdidaktischen Diskussion leisten, die sich um das Schlagwort „Demokratiepädagogik" herum gruppiert bzw. teilweise auch polarisiert. Vor allem geht es ihm dabei um eine „Versachlichung" der Diskussion, die auf der Grundlage theoretischer Erörterungen und empirischer Beobachtungen erreicht werden soll. Dazu untersucht Marker mittels quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden die Durchführung des Projekts an seiner eigenen Schule, dem Eduard-Mörike-Gymnasium in Neuenstadt/Kocher. Für sechs Tage verwandelte sich 2007 dort das Schulgelände einer baden-württembergischen Kleinstadt in den Staat „Mörokko".

 

Geht es in der Politik darum, angesichts einer bestimmten Problemlage die sachlich richtige Entscheidung zu treffen? Geht es darum, durch möglichst faire Diskussionen einen gemeinsamen Konsens zu erzielen? Ist Vernunft die Basis für alles politische Handeln? Sind politische Positionen, die eine ideologische Komponente haben, überholt und "unmodern"?

Mit diesen und weiteren Fragen und den zu ihnen scheinbar selbstverständlich gehörenden Antworten, die in westlichen Demokratien in der Regel gegeben werden, setzt sich Chantal Mouffe, Professorin für Politische Theorie an der University of Westminster in London, kritisch auseinander. In vier zentralen Kapiteln erläutert sie unter anderem (1.) ihre Sichtweise auf Wesen und Bedeutung des Politischen, das ihrer Ansicht nach in der heutigen politischen Theoriebildung gefährlich mißverstanden wird, (2.) ihre Kritik an den Vordenkern der sog. "Zweiten Moderne", (3.) stellt die globale politische Wirklichkeit nach dem 11.9.2001 den Konzepten und Theorien der bisherigen "neuen Weltordnungen" entgegen und (4.) entwickelt ihre eigene Vorstellung einer multipolaren Weltordnung, die im Gegensatz zum Konzept einer kosmopolitischen Demokratie steht, und ihr geeigneter scheint, als stabile Ordnung und politisches Konzept für die Zukunft zu fungieren.
 

Am 14. September diesen Jahres stellten die Autoren der 16. Shell Jugendstudie im Rahmen der Bundespressekonferenz in Berlin die Ergebnisse ihrer Studie vor. Unter der Leitung von Prof. Dr. Mathias Albert, Prof. Dr. Klaus Hurrelmann und Dr. Gudrun Quenzel in Zusammenanarbeit mit TNS Infratest Sozialforschung wurde eine repräsentative Befragung von ca. 2600 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren aus ganz Deutschland durchgeführt, die Einblicke in die aktuelle Lebenssituation von Jugendlichen geben will. Ergänzt werden die per Fragebogen quantitativ erhobenen Daten durch 20 Fallstudien, bei denen mit Jugendlichem mit ganz unterschiedlichen sozialen Ausgangsbedingungen explorative Interviews geführt wurden. Wie tickt sie also, die Generation der Jugendlichen 2010? Und welche Einsichten gewährt die Studie, die für die politische Bildung mit dieser wichtigen Zielgruppe relevant sein können?

 

Die Verflechtung von Medien und Politik, die die politische Kommunikation und das politische Handeln unserer Gegenwart bestimmt, erfordert es, dass Medien zum integralen Bestandteil des Politikunterrichts werden - so die Meinung der Herausgeber des "Handbuchs Medien in der Politischen Bildung". Damit ist einem Verständnis von Politikunterricht eine Absage erteilt, die den Bereich "Medien" nur als unterrichtsgegenständlichen Teilbereich politischer Bildung versteht. In Zeiten, in denen Schlagwörter von der "Medienpolitik" bzw. der "Mediendemokratie" (Meyer) oder dem "Info- oder Politainment" (Dörner) die Runde machen, ist die konsequente Einbeziehung von Medien als ständiges Begleitphänomen politischer Prozesse im Politikunterricht auch aus pädagogisch-didaktischen Überlegungen nötig. Hier leistet das aktuell im Wochenschau Verlag erschienene Handbuch seinen Beitrag.

 

Im Auftrag des Projektes „Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus" des Forums Berlin der Friedrich- Ebert- Stiftung, wurde diese Studie 2010, unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler, durchgeführt. Die Studie ist eine Repräsentativbefragung und basiert auf einer Stichprobe von 2411 Befragten im Alter von 14 bis 90 Jahren. Grundlage war ein Rechtsextremismus-Fragebogen, welcher die „6 Dimensionen" des Rechtsextremismus darstellt. Es wurden jedoch nicht nur soziodemographische Daten herangezogen, sondern ebenfalls Daten wie Deprivation, Lebenszufriedenheit und Einstellung gegenüber der Demokratie mit aufgenommen.

 

Planspiele in der politischen Bildung erfreuen sich zwar grundsätzlicher Beliebtheit und sind methodisch allgemein akzeptiert und wertgeschätzt, trotzdem gibt es aber insbesondere im Kontext schulischer politischer Bildung Faktoren, die ihren häufigeren Einsatz verhindern. Dazu gehören sicher der gefühlt höhere Aufwand im Vergleich zum Regelunterricht sowie zeitliche und methodische Unsicherheiten und Unkalkulierbarkeiten. Vorgefertigte Materialien erweisen hier ihren Nutzen, indem sie helfen, solche Hindernisse abzubauen da sie Schritt für Schritt konkrete Orientierungs- und Durchführungshilfen anbieten - das gilt umso mehr, je stärker diese Materialien bereits praxiserprobt sind. Das Planspiel "Der Generationenvetrag auf dem Prüfstand" der Autoren Ulrich Dickmann, Christoph Weishaupt und Helge Wuldsorf entspricht diesen Kriterien. Es wurde sowohl in der schulischen als auch in der außerschulischen politischen Bildung eingesetzt und entstammt der Feder dreier Autoren, die unterschiedliche Handlungs- und Erfahrungskontexte einbringen.
 

 

Das von Wolfgang Edelstein, Susanne Frank und Anne Sliwka herausgegebene Praxisbuch zur Demokratiepädagogik ist ein Sammelband, das in die Ergebnisse der Demokratiepädagogik einführt und Anregungen zu dessen Umsetzung gibt. „Demokratiepädagogik umfasst pädagogische Bedingungen und Aktivitäten zur Förderung von Kompetenzen, die Menschen benötigen, um an Demokratie als Lebensform teilzuhaben und diese in Gemeinschaft mit anderen aktiv zu gestalten; [...]" heißt es in der Einführung von Wolfgang Edelstein (S. 9f). „Dabei geht es um den Erwerb von Kenntnissen über Demokratie, den Erwerb von Kompetenzen für Demokratie und um Prozesse des Lernens durch Demokratie im Kontext gemeinsamer Erfahrung demokratischer Verhältnisse" (S. 10).

Nach weiteren grundsätzlichen Überlegungen zu „Demokratie als Praxis und Demokratie als Wert" stellen die Autorinnen und Autoren in sechs Bausteinen Handlungsfelder dar, die zur demokratischen Schulentwicklung beitragen sollen. Dabei werden die theoretischen Darstellungen durch insgesamt 80 Kopiervorlagen ergänzt, die die Möglichkeit geben, die Anregungen in den eigenen Unterricht zu übertragen. Ziel ist der Erwerb der Schülerinnen und Schüler eines „demokratischen Habitus´", der über die Schule hinausgehen und Teil des Sozialcharakters werden soll. Desweiteren soll die Verantwortungsbereitschaft, das soziale Handeln und das zivilgesellschaftliche Engagement gefördert werden - theoretisch.

 

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