|
Politische Zusammenhänge sind in der Regel kompliziert. Um
beispielsweise zu verstehen, warum sich Verhandlungen zwischen den vielen
EU-Staaten lange hinziehen oder wie Aushandlungsprozesse im politischen Alltag
vonstatten gehen, vereinfacht das eigene Erleben ähnlicher Situationen das
Verstehen.
Eine gute Möglichkeit für die politische Bildung bieten Planspiele.
Diese erzeugen ein modellhaftes, vereinfachtes Szenario, das üblicherweise einen
simulierten Konflikt aus der Realität abbildet.
Die Teilnehmer des Planspiels übernehmen während der
Simulation vorgegebene Rollen, innerhalb dieser sie agieren.
Planspiele ermöglichen, zum Beispiel Entscheidungsprozesse,
Gründe für Kooperationen oder auch Konfliktursachen nachzuvollziehen. Gleichzeitig
kann das eigenen Handeln und dessen Konsequenzen in einer hierzu erschaffenen
Spielsituation geprobt und getestet werden.
Idealtypischer Ablauf
Normalerweise durchläuft ein Planspiel vier Phasen. Es beginnt mir der Vorbereitungsphase, an die die Phase der Rollenvergabe und Einführung in das Planspiel erfolgt. In dieser werden die Regeln und der
Ablauf des Planspiels erläutert, die Teilnehmer bekommen erhalten ihre Rollen
und können sich auf diese ggf. vorbereiten. Während der Simulationsphase wir das Szenario des Planspiels bearbeitet. Entscheidend für den Erfolg eines Planspiels und dessen
Lernerfolg ist die abschließende Phase der Auswertung. Es gilt in dieser Phase zu beachten, dass die Teilnehmer die
Möglichkeit erhalten, ihre Rollen abzulegen. Anschließend sollte eine
gemeinsame Auswertung erfolgen, in der Teilnehmer die Möglichkeit haben, ihr Erleben
zu schildern und die Perspektiven der Mitspieler kennen zu lernen. In einem
weiteren Schritt kann dann der Bezug zur Realität hergestellt werden.
Zeitrahmen
Planspiele benötigen genügend Zeit, um die Phasen der
Einführung, Simulation und Auswertung durchlaufen zu können. - Mindestens sechs
Stunden sind der Regelfall. Es existieren jedoch auch mehrtätige Planspiele,
wie das Planspiel POL&IS der Bundeswehr .
Lerneffekte
Planspiele schaffen als handlungsorientierte Methode einen
Rahmen für Probehandeln. Planspiele leben von der Interaktion der Teilnehmer miteinander und können damit Sozialkompetenzen
fördern.
Für die politische Bildung bedeutsam ist der Wissensgewinn
über politische Systeme und das Wissen um die Zusammenhänge in diesen. Hinzu
kommt, dass Simulationen von Situationen geschaffen werden, die in der Realität
nur schwer herzustellen sind. Zum Beispiel eine Sitzung des Europäischen Rats
(Geuting 2000).
Grenzen
Planspiele können immer nur eine Abbildung der Realität
darstellen. Sie leben davon, dass Situationen und Zusammenhänge vereinfacht
werden. Die Komplexität der Wirklichkeit sollte daher, immer auch in der
Auswertung thematisiert werden.
Dennoch ermöglichen Planspiele einen erlebnisorientierten
Zugang zu politischen Themen jenseits von theoretischer Vermittlung.
|
Weiterführende
Informationen:
Eine hervorragende und umfassende Erklärung zu Planspielen
von Stefan Rappenglück findet sich auf den Seiten der Bundeszentrale für
politische Bildung .
Dort findet sich auch eine Datenbank mit 243 Beschreibungen
von Planspielen für die politische Bildung. Unter anderem findet sich dort auch
das Planspiel zur Kommunalwahl „Jeder wählt in Jedastadt" .
Literatur:
Geuting, M. (2000): Soziale Simulation und Planspiel in
pädagogischer Perspektive. IN: Herz, D.; Blätte, A. (2000): Simulation und
Planspiel in den Sozialwissenschaften. Eine Bestandsaufnahme der
internationalen Diskussion. Münster.
Herz, D.; Blätte, A. (2000): Simulation und Planspiel in den
Sozialwissenschaften. Eine Bestandsaufnahme der internationalen Diskussion.
Münster.
|
|