Donnerstag, 13 September 2007 00:00

Methoden der Bürgerbeteiligung – Dokumentation eines Lern- und Forschungsprojekts an der Uni München

geschrieben von  Andreas Bärenreuther

Im Sommersemester 2006 fand am Geschwister-Scholl-Institut der Universität München eine selbstorganisierte Übung zu Verfahren der Bürgerbeteiligung statt. Im Selbstversuch probten die Studierenden innovative Großgruppenmethoden wie „Appreciative Inquiry" (Wertschätzende Erkundung), „Open-Space-Technology" und eine Eigenentwicklung, die „Open-Space Schreibwerkstatt". Gemeinsam mit Experten aus Beratung, Moderation, Wissenschaft und Kommunalpolitik wurde eine selbstorganisierte Blockveranstaltung zur Frage, wie Bürgerinnen und Bürger besser an Entscheidungsprozessen beteiligt werden können, organisiert. Die Ergebnisse sind in einer PDF-Dokumentation zusammengefasst, die sehr anschaulich die Erfahrungen des Selbstversuchs dokumentiert, allgemeine Fragen zur Bürgerbeteiligung zusammenfasst und methodische Ansätze zur Bürgerbeteiligung vorstellt.

Neben einer ausführlichen Beschreibung des durchgeführten Workshops bietet die Dokumentation Beiträge zu allgemeinen Fragen der Bürgerbeteiligung und zu den Erfahrungsberichten der Studierenden. „So beinhaltet diese Publikation konkrete Handlungsanweisungen und Reflexionen einzelner Organisationsgruppen genauso wie theoretische Betrachtungen zu speziellen Methoden der Bürgerbeteiligung und allgemeine Überlegungen zur Verbesserung der Beteiligung in verschiedenen Kontexten."

Allgemeine Fragen der Bürgerbeteiligung

  • „Was müssen Vereine und Verbände dafür tun, um passive Mitglieder zu aktivieren?" - Franziska Bergmann fasst Möglichkeiten zusammen, wie Vereine und Verbände die Zahl ihrer aktiven Mitglieder erhöhen können und gibt einen Ausblick auf gelungene Aktivierung von Mitgliedern.
  • „Jugendrat als Form der politischen Bürgerbeteiligung junger Menschen" - Lena Ludwig und Philipp Schuller stellen das Gremienmodell des „Jugendrates" vor und zeigen auf Basis einer eigenen Erhebung, wie sich Jugendräte zusammensetzen bzw. wie diese durch die daran beteiligten Jugendlichen wahrgenommen werden. Abschließend versuchen beide, Jugendratsveranstaltungen mit Hilfe des Konzepts der „Open-Space-Technology" zu optimieren.
  • „Das Konzept der ‚Innerparteilichen Demokratie' – ein Weg zur Stärkung der politischen Partizipation in der Bundesrepublik Deutschland?" - Tassilo Wanner gibt einen Einblick zum gegenwärtigen Stellenwert der „innerparteilichen Demokratie" und untersucht die Vor- und Nachteile insbesondere der partizipatorischen Elemente.

Methodische Ansätze zur Bürgerbeteiligung

  • „Die Aktivierende Befragung und das Konzept von Planungszelle und Bürgergutachten" - Verena Hoffmann stellt in ihrem Beitrag zwei Methoden der Bürgerbeteiligung vor.
  • „Bürgerbeteiligung im diskurstheoretischen Kontext. Die Konsensuskonferenz als Instrument öffentlicher Beratschlagung" - David Dott bezieht sich auf das Bürgerbeteiligungsverfahren der Konsensuskonferenz und ordnet dieses in ein zeitgenössisches Verständnis von Demokratie ein.
  • „Politik im Raum - die Methode der systemisch-konstruktivistischen, politischen Aufstellung" - Philippe Fortuné stellt Dr. Ruth Sanders Methode zu „Politik im Raum" vor, deren Anliegen, eine „Bewusstseinsschaffung als Basis für Engagement und Förderung des Gemeinsinns" ist.

Praktische Umsetzung im Pilotprojekt

  • „Open Space - Ein Erfahrungsbericht" - Julia Butter berichtet über ihre Erfahrungen bei der Moderation der Open-Space-Veranstaltung und verbindet Tipps von Experten mit eigenen Ratschlägen und Beobachtungen. In einem ausführlichen Anhang finden sich konkrete Anregungen zur eigenen Planung und Vorbereitung einer Open-Space-Veranstaltung.
  • „Die Open Space-Schreibwerkstatt als Weiterentwicklung der Open Space Technology: Konzept und Einsatz in der Praxis" - Candy Rietig Beitrag stellt die Methode der Open-Space-Schreibwerkstatt, als eine spezifische Erweiterung der OST, vor.
  • „Die Organisationsgruppe ‚Kommunikation und PR' in der Übung ‚Methoden der Bürgerbeteiligung'" - Lenya Meislahn und Fabian Eckl stellen in ihrem Beitrag die Grundlagen der PR-Arbeit dar und berichten über ihre Erfahrungen und Herausforderungen in der Organisationsgruppe zur Unterstützung des Pilotprojektes „Methoden der Bürgerbeteiligung"
  • „Methoden der Bürgerbeteiligung als Politikwissenschaftliche Übung - Evaluation und Reflexion" - Ben Wagners Beitrag gibt einen Einblick in die Ziele, Konzepte, Verfahren und Ergebnisse der „partizipativen Evaluation" und zeigt deren Umsetzung am Beispiel der Pilotveranstaltung „Methoden der Bürgerbeteiligung"

Download und weitere Hinweise

Wolfgang Fänderl, Verena Hoffmann (Hrsg.): Methoden der Bürgerbeteiligung '06. Ergebnisse eines Pilotprojektes.

„Methoden der Bürgerbeteiligung – selbstorganisiertes Forschungsprojekt an der Uni München" – Beitrag von Candy Rietig, Fabian Eckl, Lenya E. Meislahn & Wolfgang Fänderl

http://www.netzwerk-gemeinsinn.net – Webseite des Netzwerks Gemeinsinn e.V. mit einem Methodenbaukasten zu partizipativen (Groß-)Gruppenverfahren

Kontakt

Wolfgang Fänderl
(Lehrbeauftragter am Geschwister-Scholl-Institut und Mitarbeiter der Akademie Führung & Kompetenz am Centrum für angewandte Politikforschung)
faenderl@cap-akademie.de

Gelesen 1141 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 05 November 2014 22:34
Mehr in dieser Kategorie: Zukunftswerkstatt »
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten